Jan Wiehl rettet US-Amerikaner das Leben

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 Jan Wiehl (rechts) rettet Doug Thompson das Leben. Nun lernen sich die beiden näher kennen.
Jan Wiehl (rechts) rettet Doug Thompson das Leben. Nun lernen sich die beiden näher kennen. (Foto: privat)
Redaktionsleitung

Jan Wiehl aus Bingen hat Doug Thompson das Leben gerettet. Zwei Stammzellspenden besiegten die Leukämie des 49-jährigen US-Amerikaners. Nun haben sich die beiden persönlich kennengelernt. „Ich kam mir vor wie ein Teil der Familie“, sagt der Spender aus Bingen.

Jan Wiehl sieht den US-Amerikaner das erste Mal, als er ihn vom Bahnhof abholt. Wie erlebte er den Augenblick? „Ich kann’s nicht wirklich beschreiben, es war etwas Besonderes.“ Der Rettungsassistent überlegt einen Augenblick und fügt dann diese Aussage hinzu: „Wir haben uns alle geherzt, ich kam mir vor wie ein Teil der Familie.“

Rückblick: Vor knapp fünf Jahren beteiligte sich Jan Wiehl an einer Typisierungsaktion der Liebfrauenschule, seiner damaligen Schule. Die Spender selbst nehmen mit Wattestäbchen insgesamt drei Wangenschleimhautabstriche. Über die Untersuchung von zwölf relevanten Gewebemerkmalen wird festgestellt, ob jemand tatsächlich als Spender für einen Leukämie-Patienten infrage kommt. „Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt nur ein Prozent, ist also eher gering“, sagt Laura Riedlinger von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Ein halbes Jahr später bekam Jan Wiehl die Nachricht, dass er als Spender infrage kommt. Eine Blutuntersuchung bestätigte die Eignung. Die Spende erfolgte in Tübingen. „Man bekommt an jedem Arm eine Nadel gelegt. Das Blut läuft durch eine Maschine, die die Stammzellen herausfiltert.“ Für die Spende waren zwei ganze Tage veranschlagt. Ein Medikament lässt die Stammzellen vermehren. Im Vorfeld der Spende gab sich der 25-Jährige deshalb selbst die Spritzen. „Nach der Spende hatte ich keine Beschwerden. Für mich war es wie eine normale Blutspende“, sagt Jan Wiehl.

„Er wollte alles über mich wissen“

Der Besuch des US-Amerikaners aus dem Bundesstaat Denver erstreckte sich über zwei Tage. „Ich habe ihm Bingen und unser Haus gezeigt“, erzählt Jan Wiehl, „er wollte alles übermich wissen“. Zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern befindet sich Doug Thompson auf einer Europa-Reise. Ein Sohn studiert in Barcelona. Den Besuch verband die Familie mit einer Stippvisite in Bingen.

Dem Erkrankten geht es besser, aber als endgültig geheilt gilt er erst, wenn die Leukämie fünf Jahre lang nicht wieder ausbricht. Im vergangenen Jahr kam der Blutkrebs zurück. Jan Wiehl spendete erneut. Diesmal jedoch keine Stammzellen, sondern weiße Blutkörperchen.

Spender erfahren erst nach einer gewissen Zeit, an wen sie die Stammzellen weitergegeben haben. Anfang des Jahres nahm der US-Amerikaner zu Jan Wiehl Kontakt auf. Nun sind die beiden Freunde geworden. „Ich habe schon ausgemacht, dass ich ihn in Denver besuchen werde.“

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