Wolf tappt bei Beuron in die Fotofalle

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Ein Wolf ist am 17. Februar im Donautal in eine Fotofalle getappt – dabei ist dieses Foto entstanden. Ob sich das Tier noch in
Ein Wolf ist am 17. Februar im Donautal in eine Fotofalle getappt – dabei ist dieses Foto entstanden. Ob sich das Tier noch in der Region aufhält, ist unklar. (Foto: FVA Freiburg)
Schwäbische Zeitung

Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet: Nicht anfassen, nicht verfolgen und sofort Naturschutzbehörde, Forstbehörde, Polizei oder das Wolfsmonitoring (Telefon 0761/401 82 74) informieren.

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Ein Wolf ist im Donautal aufgetaucht. Wie das Umweltministerium auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigt, hat ein einzelner Wolf am Samstag, 17. Februar, bei Beuron eine Fotofalle ausgelöst, die im Wald aufgestellt war. Das Foto entstand um 1.33 Uhr. Es ist die erste Wolfssichtung im Donautal und in den Kreisen Sigmaringen und Tuttlingen seitdem der Wolf nach Baden-Württemberg zurückgekehrt ist.

Die bisher gesichteten Wölfe sind in der Regel junge Tiere auf der Suche nach neuen Lebensräumen. Diese Jungwölfe stammen normalerweise aus den Alpen oder aus der nordostdeutschen Population. Bei ihren Wanderungen aus den Stammrevieren können sie binnen Wochen mehrere Hundert Kilometer zurücklegen.

Der stellvertretende Sprecher des Ministeriums, Frank Lorho, berichtet, dass der Wolf auf dem Foto eindeutig erkennbar sei. Wie Wildtierökologe Johannes Erretkamps von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg mitteilt, ist auf dem Foto jedoch nicht erkennbar, ob es sich um ein weibliches oder männliches Tier handelt. Auch auf das Alter seien keine Rückschlüsse möglich. Zudem könne Erretkamps nicht sagen, ob sich der Wolf noch in der Region aufhalte.

Wo Deutschlands Wölfe leben

Das Umweltministerium habe kürzlich die betroffenen Verbände, darunter auch Nutzviehhalter, angeschrieben und über die Beuroner Wolfssichtung informiert, berichtet Vize-Sprecher Lorho weiter: „Wir geben Handlungsempfehlungen heraus, wie etwa die Weidezäune zu sichern.“ Das Umweltministerium weist darauf hin, dass Nutztierherden durch einen lückenlosen Elektrozaun in ausreichender Höhe (mehr als 90 Zentimeter) wirkungsvoll gegen Angriffe eines Wolfs geschützt werden können. Kurzfristig können Nutztierhalter über die FVA vom Umweltministerium bereitgestellte Notfall-Zaunsets auch ausleihen. Tiere und Zäune sollten dann regelmäßig kontrolliert werden. Die Koppel sollte möglichst so groß sein, dass die Tiere innerhalb der Koppel etwas ausweichen können, wenn sich ein Wolf nähert. Wasserläufe und sonstige Wasserflächen sind keine Barrieren für den Wolf und müssen deshalb auch abgezäunt werden.

Seit etwa 20 Jahren werden Wölfe wieder in Deutschland gesichtet. „Seitdem sind keine Fälle bekannt, dass ein Wolf einen Menschen angegriffen hat“, sagt Lorho. Der Wolf sei sehr scheu. Dennoch herrsche in der Bevölkerung das Gefühl, das Tier sei eine Gefahr.

Im Juni 2015 erstmals Wolf in Baden-Württemberg gesichtet

Im Juni 2015 wurde erstmals wieder ein Wolf in Baden-Württemberg gesichtet, allerdings ein totes Tier bei Lahr im Ortenaukreis, berichtet Lorho. Ein weiterer Wolfskadaver tauchte im November 2015 bei Merklingen im Alb-Donau-Kreis auf. Im Mai 2016 wurde ein lebender Wolf bei Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis gefilmt. Wie das Ministerium mitteilt, sei es in der Vergangenheit auch zu Tötungen von Nutztieren durch den Wolf gekommen. Der erste Riss von drei Lämmern ereignete sich am 7. Oktober 2017 bei Widdern im Kreis Heilbronn. Am 26. November vergangenen Jahres wurde bei drei in Bad Wildbad im Landkreis Calw getöteten Schafen festgestellt, dass ein Wolf die Tiere gerissen hatte. Am 14. Januar dieses Jahres kam es zum Riss einer Ziege bei Sersheim im Landkreis Ludwigsburg. Die Halter der Schafe und Ziegen können für ihre getöteten Tiere Entschädigung aus dem dafür eingerichteten Ausgleichsfonds beantragen.

Im vergangenen November und Dezember kam es zu Tötungen von Rotwild in der Region Freudenstadt, die ebenfalls auf das Konto eines Wolfs gingen. Genetische Analysen von den bisher gerissenen Tieren haben ergeben, dass nachweislich zwei Wölfe in Baden-Württemberg unterwegs sind.

Eine weitere Wolfssichtung erfolgte im Dezember 2017 in der Nähe von Vöhrenbach im Südschwarzwald. Auch in stärker besiedelten Gebieten wurde bereits ein Wolf entdeckt: so etwa am 13. Januar in Korntal-Münchingen bei Stuttgart. Hier wurde das Tier gefilmt.

Ministerium gibt Tipps

Das Umweltministerium teilt mit, dass Wölfe grundsätzlich keine Gefahr für den Menschen darstellen: Wölfe kommen nur in sehr geringer Anzahl vor und vermeiden als vorsichtige Tiere gewöhnlich eine direkte Begegnung mit Menschen. Da sie Menschen bereits über große Distanzen wahrnehmen, sei eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf daher auch in Wolfsgebieten eine Seltenheit.

Jungwölfe seien dem Menschen gegenüber teilweise neugierig und weniger vorsichtig. Zum normalen Verhalten von Wölfen gehöre, dass sie sich ebenso wie Füchse, Dachse, Wildschweine und andere Wildtiere auch gelegentlich Siedlungen nähern. Auch das Queren einer Siedlung, vor allem in den Nachtstunden, sei nicht ungewöhnlich.

Wie bei anderen Wildtieren gelte für den Wolf, dass man ihm mit Respekt begegnen soll. Man soll Abstand halten und nie auf die Tiere zugehen. Zudem soll der Mensch die Wölfe nicht bedrängen. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad Wölfen begegnet, die sich nicht zurückziehen, sollte auf sich aufmerksam machen und sich langsam entfernen. „Folgen der Wolf oder die Wölfe in gewissem Abstand, entfernen Sie sich nicht hastig oder laufen weg, sondern gehen beziehungsweise fahren Sie langsam, betont uninteressiert weiter – und dabei laut sprechen“, rät das Ministerium. Fühlt man sich unwohl, sollte man stehenbleiben, laut rufen und in die Hände klatschen, sich groß machen und – bei weiterer Annäherung des Tieres – mit Gegenständen werfen.

Bei vielen dokumentierten Begegnungen, bei denen der Wolf einen vertrauten Eindruck machte, befanden sich die beobachtenden Menschen innerhalb von Fahrzeugen. Dass Wölfe vor Fahrzeugen oder auch vor Reitern oft wenig Scheu zeigen, haben sie mit vielen anderen Säugetierarten gemeinsam. Dies sei daher keine ungewöhnliche oder besorgniserregende Verhaltensweise, teilt das Ministerium mit.

Unter keinen Umständen soll man Wölfe füttern

Unter keinen Umständen soll man Wölfe füttern. An Fütterung durch den Menschen gewöhnte Wölfe können Futter aufdringlich oder aggressiv einfordern, wenn sie wider Erwarten nicht gefüttert werden. Auch eine indirekte Fütterung ist zu vermeiden. Deshalb sind dort, wo Wölfe leben, Speisereste, Schlachtabfälle und Tierfutter, besonders solches für Hunde und Katzen, so zu verwahren, dass diese nicht für Wildtiere zugänglich sind.

Hunde können von Wölfen als Eindringlinge in ihr Revier angesehen und angegriffen werden. Hunde sind daher anzuleinen oder nur im engen Einwirkungskreis des Besitzers führen. Dennoch kann es sein, dass der Wolf sich dem Hund nähert und den Besitzer völlig ignoriert. In einem solchen Fall rückwärts gehen, den Wolf durch lautes Rufen und Gestikulieren auf sich aufmerksam machen und gegebenenfalls mit Gegenständen werfen.

Deutschland sei frei von Wildtollwut, daher sei nicht mit tollwütigen und aus diesem Grund unvorsichtigen oder auffälligen Wölfen zu rechnen.

Wer einen toten, kranken oder verletzten Wolf findet: Nicht anfassen, nicht verfolgen und sofort Naturschutzbehörde, Forstbehörde, Polizei oder das Wolfsmonitoring (Telefon 0761/401 82 74) informieren.

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