Warum junge Rumänen für die Naturparkarbeit nach Beuron kommen

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Gemeinsam filzen die Teilnehmer ein buntes Band mit der blauen Donau und begutachten ihr Werk.
Gemeinsam filzen die Teilnehmer ein buntes Band mit der blauen Donau und begutachten ihr Werk. (Foto: Fotos: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

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15 junge Menschen aus Rumänien haben im „Haus der Natur“ Seminare zum Thema „Wertschöpfung in der Region“ absolviert. Unter der Leitung von Sabine Schmidt-Halewicz von der „Naturschule Region Bodensee“ sind die Teilnehmer in einer Intensivwoche in den Aufgabenbereich eines Donau-Naturführers eingeführt worden. Sie sollen künftig in ihrer Heimat als Multiplikatoren für die Erkennung und für den Schutz der typischen Natur, kultureller Bezüge und naturbasierter Entwicklungsmöglichkeiten entlang der Donau tätig sein.

Deutsche Teilnehmer haben bei diesem Projekt die „Patenschaft“ für die künftigen Natur-Guides übernommen, um ihnen nach Ende der Projektwoche soweit wie möglich bei deren beruflicher Entwicklung behilflich zu sein. Sabine Schmidt-Halewicz sieht das Fernziel dieser Schulung der jungen Rumänen in der Weitergabe des erlernten Wissens, um möglichst vielen Menschen in ihrer Heimat Wege aufzuzeigen, wie sie die regionalen natürlichen Ressourcen schützen und gleichzeitig zu ihrem Vorteil nutzen können.

An praktischen Beispielen soll den Teilnehmern aufgezeigt werden, wie das gehen kann. Die Gewässerbiologin, Pädagogin und Naturpädagogikkursleiterin hat dazu unter anderen das „Haus der Natur“ auserkoren, das gleichzeitig Sitz der Geschäftsstelle des Naturparks Obere Donau und des Naturschutzzentrums Obere Donau ist. Hier werden in gemeinsamer Arbeit die Besonderheiten der Region aufgezeigt sowie durch vielfältige Aktionen Bewusstsein für die Bedürfnisse von Pflanzen und Tieren geschaffen mit dem Ziel einer nachhaltigen Regionalentwicklung.

Von Naturpark-Apfelsaft und Literatur einheimischer Autoren über Imkereiprodukte von regionalen Erzeugern bis hin zur Initiative „Beuroner Filz“, bei dem Wolle heimischer Schafe vor Ort zu hochwertigen Produkten verarbeitet wird, ist hier ein breites Angebot entstanden. „Darum geht es bei dem Danube-Nature-Projekt“, sagte Schmidt-Halewicz, „brachliegende Ressourcen der eigenen Region aufzuspüren und im Einklang mit der Natur so zu entwickeln, dass der dadurch entstandene Mehrwert auch in der Region bleibt“. Stolz präsentierten die Teilnehmer am Ende der in Englisch gehaltenen Workshops ihre unter Anleitung gefilzten Tücher und geflochtenen Weidenkörbe.

Rumänische Wissenschaftlerinist im Team

Zum Team der Referentinnen gehört auch die gebürtige Rumänin Gabriela Costea. Der promovierten Biologin, die 17 Jahre lang am Naturkundemuseum im rumänischen Galatz tätig war und jetzt als Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin arbeitet, ist die Förderung junger Menschen und der Schutz der Natur in ihrer Heimat eine Herzensangelegenheit. Sie und Schmidt-Halewicz begleiteten die jungen Leute die ganze Woche hindurch, denn auf dem sechstägigen Programm standen neben den Workshops in Filzen und Weidenflechten Dinge wie ökologische Grundlagen, Feldbestimmungen im Bereich von Flora und Fauna, ökologische Netze, Zusammenhänge erkennen, Wasserrahmenrichtlinien von 2000 bis heute, weitere Rahmen- und Schutzrichtlinien und donautypische Lebensräume.

Aber auch ökologischer Tourismus, Methoden zum Wissenstransfer, Gewässerexkursionen und Besuche im Biosphärenreservat standen auf der dicht gepackten Agenda. Natürlich fehlte auch eine Kanutour auf der Donau nicht, die sowohl dem Vergnügen diente, aber sich auch als reales Beispiel einer erfolgreichen örtlichen Geschäftsidee präsentierte. Ende September folgt eine zweite interaktive Schulungswoche, diesmal in Galatz, Rumänien. Dabei sollen die in Beuron erlernten Methoden praktisch angewandt und das erworbene Wissen vertieft werden.

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