Jäger sind strikt gegen Auswilderung von Luchsen

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Dies ist ein ausgestopfter Luchs, der beim Vortrag im Haus der Natur gezeigt wird.
Dies ist ein ausgestopfter Luchs, der beim Vortrag im Haus der Natur gezeigt wird. (Foto: Grimm)
Schwäbische Zeitung
Susanne Grimm

Bei einem Vortrag über Luchse in Baden-Württemberg im Haus der Natur ist es zu teils heftigen Diskussionen zwischen Jägern und jenen, die die Auswilderung eines weiblichen Luchses im Gebiet des Schwarzwalds, der Schwäbischen Alb und des Donautals befürworten, gekommen. Wie berichtet, gibt es in diesem Großraum bereits bis zu vier Luchse, die jedoch nach Expertenansicht alle männlich sind.

Nach dem Vortrag von Micha Herdtfelder von der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und dem Erfahrungsbericht des Donautalguides Armin Hafner forderte Peter Willmann, Vorsitzender der Luchsinitiative Baden-Württemberg, die Besucher im brechend vollen Seminarraum zu Wortbeiträgen und Fragen auf. Die anwesenden Jäger sagten dabei, dass sie zugewanderte Luchse dulden, aber strikt gegen Auswilderung, beziehungsweise die Aussetzung einer Luchskatze, sind. Denn auf dem Speiseplan der größten europäischen Raubkatze stehen Rehe ganz oben, dicht gefolgt von Gämsen. Dabei frisst der Luchs etwa ein Reh pro Woche, das er mit einem gezielten Biss in die Kehle tötet. Nach der ersten Mahlzeit deckt er das tote Reh mit Laub und Erde zu, um die folgenden Tage immer wieder zum Fressen zurückzukehren.

Die Jäger sahen vor allem den Bestand der Donautal-Gämsen, die schlechtere Läufer als Rehe sind, in Gefahr. Zudem führte ein Tuttlinger Jäger an, dass er Auswirkungen auf seine Wildbret-Erlöse hätte. Auch würden Rehe durch die Gegenwart der Raubkatze scheuer werden, sodass befürchtet werden müsse, dass sie schwieriger vor die Flinte zu bekommen seien.

Die Stimmung heizte sich spürbar auf, als aus den Reihen der Zuhörer daran erinnert wurde, dass auch Gämsen erst vor einiger Zeit im Donautal wieder angesiedelt wurden, beziehungsweise die vorhandene Population durch Hinzusetzen neuer Tiere aufgestockt wurde. Die Feststellung, dass dies eine einheimische Tierart sei, wurde damit gekontert, dass dies auch auf den Luchs zutreffe. „Alles, was den Jägern Spaß macht, darf ausgewildert werden“, lautete eine Wortmeldung. „Artenreichtum zu fördern ist doch Aufgabe der Jäger“, meinte jemand aus dem Lager der Luchsbefürworter: „Und da die Männchen schon von alleine zugewandert sind, ist es doch nur konsequent, ein Weibchen dazuzusetzen.“

Aggressive Grundstimmung

Zuvor war in den Vorträgen deutlich geworden, dass die Luchskatze im Gegensatz zum Männchen ein deutlich kleineres Revier hat. Durch diese Ortsgebundenheit sei es eher unwahrscheinlich, dass sich ein Weibchen von alleine im Donautal ansiedelt. „Knallen Sie sich nicht die Argumente um die Ohren“, versuchte Experte Herdtfelder die aggressive Grundstimmung zu mildern. Er machte klar, dass es von den Jägern abhinge, ob sich der für den Menschen ungefährliche Luchs im Donautal erfolgreich ansiedeln könne.

Am Ende der mehr als zweieinhalbstündigen Veranstaltung sagte eine Besucherin aus Inzigkofen betroffen beim Hinausgehen: „Ich habe mich nicht mehr getraut, etwas zu sagen.“ Sie hätte gern gewusst, wie das mit dem Hauptargument der Jäger zusammenpasst, das hiesige Wild hätte ja keine natürlichen Feinde mehr, deshalb müsse es durch den Menschen reduziert werden. „Kommt dann aber ein natürlicher Feind zurück, soll das wohl mit Macht verhindert werden.“

Ute Raddatz, Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums, fand angesichts der rund 120 Besucher, dass sich die Jäger mit ihrem kampfeslustigen Ton während der Diskussion „keinen Gefallen getan haben“.

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