Bei Webfehlern ist die Aufsicht gnadenlos

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Der Weber Jeroen van Bakel erklärt die Webtechniken des Mittelalters.
Der Weber Jeroen van Bakel erklärt die Webtechniken des Mittelalters. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Zum dritten Mal hat das Haus der Natur gemeinsam mit der Gemeinde Beuron einen Handwer-kermarkt veranstaltet, bei dem viele regionalen und überregionale Kunsthandwerker, eine Mittelaltergruppe und Beuroner Bürger Handwerks-kunst von gestern und heute gezeigt haben. Bestes Hochsommerwetter zog Besucher in Scharen in die Donautalgemeinde.

Ein Instrumentenbauer, ein Schreiner, ein Bogenbauer, der 85-jährige Küfer Walter Lehmann und ein Schmied gaben Einblicke in ihr Können. Außerdem wurde anhand einer alten Imkerei die damalige Haltung von Bienen und die Gewinnung von Honig gezeigt. Die Mittelalterleute hatten ihr Lager auf einer Wiese unweit davon aufgeschlagen. Hier zeigten sie auf, wie sehr die tägliche harte Arbeit mit dem Alltagsleben der Menschen vergangener Jahrhunderte, manchmal fast buchstäblich, verwoben war.

Anschaulich stellten das Anke und Jeroen van Bakel aus Balingen mit ihrer historischen Weberei dar. „Dreiviertel der Zeit, die für die Herstellung eines Stück Tuches nötig war, geht für das Aufbäumen drauf“, erzählte der Weber. So werde das sorgfältige Aufwickeln der Längsfäden – die „Kette“ – auf den Kettbaum bezeichnet. Der Weber erzählte den Besuchern, wie brutal die damaligen Zünfte mit fehlerhafter Ware umgegangen sind – „bei geringsten Fehlern wurde die Webware von der Zunftaufsicht zerschnitten, die tagelange Arbeit war vergebens und das Einkommen futsch“.

Alles sei bis aufs Kleinste vorgeschrieben gewesen. Allerdings hat der Regulierungswahn die Zeiten bis heute überdauert, wovon nicht nur die Handwerker ein Lied singen können. Nichtsdestotrotz haben sich auch Fantasie und Kreativität nicht ausrotten lassen. Das konnte der Besucher bei den anwesenden heutigen Handwerkskünstlern feststellen. So am Stand von Stefan Lüpges aus Tuchenbach, der für die Menschen aus einem Stück Holz „Zauberburgen“ erschafft. Mittels einer speziellen Dekupiersäge schneidet der Künstler ganze Schlösser und Burgen so aus einem einzigen Holzklotz, sodass die Burg wie von Zauberhand nach oben geschoben und ihre ganze Pracht entfalten, aber auch wieder zurückgeschoben werden kann. Auf diese Art wieder in der Versenkung verschwunden, sieht das Teil wieder aus, was es ist: ein Stück Holz.

Weitere echte Unikate waren an den Ständen vom Silber- und Werkzeugschmied Anselm Littschwager zu sehen. Der Metallspezialist fertigt in seiner Werkstatt Messer aus Damaszenerstahl, wobei er die Faltungen des Stahls, die die Musterungen auf der Klinge verursachen, individuell gestalten kann. Ein altes Handwerk präsentierte Stefan Zeeb alias Bruder Franz mit seiner kleinen Buchbinderei am Lager der „Vasallen von Hohenberg“. Im Mittelalterlager konnten sich die Besucher auch von den „Fertigkeiten“ eines Medicus und eines Scharfrichters überzeugen, deren martialisches Handwerk Erleichterung aufkommen ließ, in der heutigen Zeit leben zu dürfen.

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