„Als Luchs würde ich auch ins Donautal kommen“

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Armin Hafner ist Wildtierbeauftragter des Kreises Sigmaringen. Vor etwa fünf Jahren stellte er die ersten Fotofallen im Oberen
Armin Hafner ist Wildtierbeauftragter des Kreises Sigmaringen. Vor etwa fünf Jahren stellte er die ersten Fotofallen im Oberen Donautal auf. (Foto: Archiv/Tanja Bosch)
Schwäbische Zeitung

Der Luchs ist wieder da. Seit etwa 20 Jahren werden in Baden Württemberg immer wieder vereinzelt Luchse gesichtet. Im Oktober 2016 wurde nun der dritte Luchs gesichtet, der sich im Felsengebiet des Oberen Donautals niedergelassen hat. Der „Immendinger Luchs“ geriet dabei vor die Linse einer Fotofalle, die Armin Hafner, Mitarbeiter im Naturpark, aufgestellt hatte. Im Jahr 2005 erbrachte Hafner den ersten Sichtungsnachweis eines Luches in Baden-Württemberg seit 100 Jahren. Damals machte er ein Video vom Luchs. Für die heutigen Fotofallen kommen moderne Wildtierkameras zum Einsatz.

Armin Hafner ist Jäger und Luchs-Experte im Landesjagdbverband. Früher war er Tierpfleger und sammelte Erfahrungen im Umgang mit Wölfen und Luchsen. Vor etwa fünf Jahren stellte er die ersten Fotofallen im Oberen Donautal auf. Die genauen Aufstellungsorte der Kameras hält er dabei geheim, um die Stellen vor Schaulustigen zu schützen. Die Kameras stellte er ursprünglich auf, um Wildkatzen zu sichten. Diese ließen allerdings vergeblich auf sich warten. Stattdessen ist ihm damals ein Luchs vor die Linse gelaufen. Friedl, der erste Luchs in der aktuellen Reihe von Sichtungen, wurde im Oktober 2015 im Schwarzwald gefangen und mit einem GPS-Sender bestückt, damit sein Streifgebiet nachvollzogen werden konnte. Dabei fand man heraus, dass Friedl durch den gesamten Naturpark gestreift ist, der sich über die Landkreise Sigmaringen, Tuttlingen und den Kreis Biberach erstreckt. Pro Nacht hat sich Friedl bis zu 30 Kilometern bewegt. Nach einem halben Jahr hat sich der Sender dann von dem Luchs gelöst; eine automatische Einstellung, die das Tier davor schützen soll, ein Leben lang mit einem GPS-Gerät herumzulaufen.

Die Jungtiere sind auf Reviersuche

Friedl war aus der Schweiz zugewandert, genauso wie Tello, der zweite Luchs. Tello verlor seinen GPS-Sender bei einem Autounfall und wurde seitdem nicht mehr gesichtet. Mittlerweile seien Friedl und Tello vermutlich nicht mehr im Donautal unterwegs, sagt Hafner. Dafür sei hier jetzt der Immendinger Luchs unterwegs, vermutlich ebenfalls ein Kuder (männlich) und zugewandert. „Die Luchssichtung ist reiner Zufall“, sagt der Experte. In der Regel handele es sich dabei um Jungtiere, die ab dem zweiten Lebensjahr auf Reviersuche gingen und dabei ihr gewohntes Umfeld verlassen. Zurückgelegte Strecken von 200 bis 400 Kilometern seien dabei keine Seltenheit, sagt Hafner. „Wenn die Luchs-Kuder im vierten Lebensjahr geschlechtsreif werden und hier keine Weibchen finden, ziehen sie in der Regel weiter,“ sagt er. In der Schweiz seien Luchse vor etwa 20 Jahren gezielt ausgewildert worden, weshalb dort mittlerweile eine gesunde Bestandsgröße existiere. Das Donautal mit seinen Felsen und Hängen sowie Gams- und Rehwild biete laut Hafner ein optimales Biotop für Luchse. „Das Donautal ist ein Korridor zwischen dem Schwarzwald und der Alb; die Luchse finden das Donautal und können hier ungestört umherstreifen“ sagt Hafner. „Wäre ich ein Luchs, würde ich auch ins Donautal kommen.“

Gezielte Auswilderung ist kostspielig

Eine gezielte Auswilderung von Luchsen sei laut dem Luchs-Experten jedoch ein kompliziertes Unterfangen. Neben der überaus kostspieligen Betreuung müssten erst einmal alle betroffenen Parteien – von Schafzüchter- bis Jagdverband – von dem Projekt überzeugt werden. Für gerissene Tiere bekämen die Züchter zwar eine finanzielle Entschädigung, der Ärger jedoch bliebe bestehen. „Vor rund 200 Jahren wurden Luchse als Jagdtiere hier rigoros ausgerottet. Dabei gehören sie eigentlich in unser Ökosystem und stellen auch keine ernstzunehmende Gefahr für den Wildbestand dar“, sagt Hafner. Im Pfälzerwald wurden bereits sieben Luchse ausgewildert. Auf dem Parkplatz der Burg Wildenstein steht seit Mai diesen Jahres ein Luchs Info-Point, an dem sich Interessierte über das Vorkommen der Luchse im Donautal informieren können. Der spezielle Schaukasten weist ständig auf aktuelle Entwicklunge hin.

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