100 Kinder erfahren alles über die Orgel

Lesedauer: 5 Min
Die Kinder umringen Pater Landelin Fuss OSB: Er stellt ihnen die Orgel mit ihrem großen Kalngvolumen vor.
Die Kinder umringen Pater Landelin Fuss OSB: Er stellt ihnen die Orgel mit ihrem großen Kalngvolumen vor. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Die Besucher der Klosterkirche haben nicht schlecht gestaunt, als sie plötzlich den Schneewalzer und Kinderlachen hörten. Zum zweiten Mal fand in der Erzabtei St. Martin der Kinderorgeltag statt. In fünf Gruppen mit je 20 Teilnehmern gingen die Kinder von Station zu Station und erfuhren vieles über Orgeln, Pfeifen und Musik.

Bruder Lukas Ruhl OSB organisiert zum zweiten Mal diesen Tag – mit steigender Resonanz: Im vergangenen Jahr kamen rund 80 Kinder, in diesem Jahr waren es fast 100. Die jungen Teilnehmer lernten verschiedene Räume der Erzabtei kennen. Märchen und Zauberei gab’s in der Krypta, die Kinder bekamen einen Edelstein, den sie als Kostbarkeit mit sich trugen. Im Pfortenbereich und im zweiten Stock empfingen Orgelbauer der Firma Braun aus Rosenfeld die Kinder. Im Festsaal durften sie einen Film sehen, das Mittagessen nahmen sie im Arkadengang zu sich, spielen durften sie im Gästehof und auf der Empore erlebten sie die Königin der Instrumente: die Orgel.

Pater spielt auf der Empore

Auf der Empore saß Pater Landelin Fuss OSB an der Orgel und stellte den Kindern das Instrument vor: das Rückpositiv, das Hauptwerk, die Chororgel. Die Kinder waren fasziniert. Manche wussten schon Bescheid und sprachen von den Orgeln in Salzburg und Speyer. Pater Landelin ließ die kleinste Pfeife erklingen, sieben Millimeter groß. „Das krippelt im Ohr“, sagte ein Mädchen. Und die größte Pfeife – 5,60 Meter groß – brummelte ganz dunkel. Die Kinder lernten den Unterschied zwischen Holz- und Metallpfeifen zu hören. Mit Staunen entdeckten die Kinder das Pedal und durften darauf spielen. Am aufregendsten wurde es, als Pater Landelin vom leisesten Register bis zur Fülle des Tutti spielte. Der Klang entwickelte sich zu einem monumentalen Ereignis und brauste gewaltig über die Kinder in den Kirchenraum hinein. Die Stille nach dem Schlussakkord war ein Erlebnis.

Der Pater ließ die Kinder spielen, Tastaturen und Register ausprobieren. Meistens spielten sie den Flohwalzer. Aber es gab auch anderes. „Ein Junge brachte Noten mit, die er selber komponiert hatte“, berichtete Pater Landelin. Das Lied sei eigentlich ein Weihnachtslied, aber damit es sommerlich klinge, habe er es in eine andere Tonart transponiert, habe ihm der kleine Musiker erklärt.

Die Kinder stellten allerhand Fragen, nicht nur über Orgel oder Musik: „Warum trägst du ein schwarzes Kleid? Das ist doch im Sommer zu warm“, wollte ein Kind wissen. Ganz unbefangen entwickelte sich so ein Gespräch.

Orgelbauer gibt Einblicke

Viele Kinder spielten bereits ein Instrument. Sie erzählten dem Orgelbauer Ralph Krauter davon. Er zeigte ihnen ganz kleine Orgeln, sogenannte Prinzessinnen. Anschaulich erklärte er, wie die Luft mit einem Blasebalg erzeugt wird, sie über Ventile in die Flöten gelangt und der Ton entsteht. Die Kinder durften an der kleinen Orgel den Ton erzeugen. In der nächsten Orgelwerkstatt erfuhren die Kinder, wie die Pfeifen hergestellt werden, wie unterschiedlich sie klingen.

Die Kinder freuten sich abschließend, dass sie in Beuron einen anregenden Tag mit der Königin der Instrumente erleben konnten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen