Zwei Vereine, ein Team, viele Erfolge

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Zwei Vereine, vier Mannschaften, ein Team, viele Erfolge. Die Männer der SGM SC Blönried/SV Ebersbach feiern genauso den Aufstie
Zwei Vereine, vier Mannschaften, ein Team, viele Erfolge. Die Männer der SGM SC Blönried/SV Ebersbach feiern genauso den Aufstieg wie die erste Frauenmannschaft des SC Blönried. Außerdem wird die Männer-Reserve Zweite, die zweite Frauenmannschaft sp (Foto: Fotos: Marc Dittmann)
Sportredakteur

„Sch... drauf, ich will nicht ohne Wimpel in die Bezirksliga aufsteigen“, rief Marcel Gentner, Kapitän der SGM SC Blönried/SV Ebersbach, in seiner Rede nach dem 7:0-Sieg gegen den FC Krauchenwies/Hausen II am Samstag ins Mikrofon, reckte den Wimpel in die Höhe und zitierte sich selbst. Am Ende der Saison 2016/2017 hatte die SGM Blönried/Ebersbach nur knapp die Relegationsrunde zur Bezirksliga verpasst, dank eines 1:1 beim TSV Scheer am letzten Spieltag und Gentner hatte sich und die Mannschaft damals mit diesen Worten getröstet. Nur ein Jahr später hat sich der Traum erfüllt. Aufstieg mit Wimpel, trotz dreier Niederlagen (zweimal 1:2 gegen Httingen/Inneringen, 1:2 gegen Braunenweiler). Dieses Mal wurden dem Kontrahenten SG Hettingen/Inneringen die Unentschieden zum Verhängnis. Der Drei-Punkte-Regel sei Dank, Blönried/Ebersbach belegt mit 25 Siegen in 28 Spielen und 75 Punkten Rang eins, Florian Dangel und Co. gehen mit 23 Siegen, fünf Unentschieden, ungeschlagen als Zweiter über die Ziellinie. Nach der alten Zwei-Punkte-Regel hätte der Meister Hettingen/Inneringen geheißen. Aber wie sagte schon Lothar Matthäus: Wäre, wäre Fahrradkette...

Und so wurde an diesem Samstag in Ebersbach gefeiert. Rund 300 Fans bis 350 Fans verfolgten das Spiel. Das Gros blieb auch nach dem Spiel, bei Freibier und Essen und sehr viel Stimmung auf dem Ebersbacher Sportgelände. Mittendrin auch die beiden Frauenmannschaften des SC Blönried, die selbst Meistertitel in der Bezirksliga (erste Mannschaft) und Erreichen der Relegation (zweite Mannschaft) feierten. Denn eigentlich hatte der Verein ja zur Meisterfeier der Frauen eingeladen... Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört. „Die Jungen denken schon gar nicht mehr in SC Blönried und SV Ebersbach“, sagte auch Christoph Metzler, Frauentrainer der Blönrieder Mannschaften am Samstag. Eine Tatsache, die Marcel Gentner, Kapitän des frisch gebacken Bezirksligisten, unterstreicht: „Viele Spieler unserer Mannschaft spielen schon seit der F-Jugend zusammen. Sie sind zusammen aufgewachsen. Die meisten Spieler gehören den Jahrgängen 1996 bis 1992 an“, sagte der Kapitän, selbst gerade mal 24 Jahre alt. Ein Blick auf die Kaderliste unterstreicht dies: 20 Spieler des Kaders sind Jahrgang 1994 und jünger. Die Mannschaft, die am Samstag auf dem Feld stand, hatte ein Durchschnittsalter von 23,7 Jahren. Obendrein profitiere die Mannschaft von ihrer guten Fitness. „Hier tut jeder auch außerhalb des Trainings etwas. Wir werden des öfteren von anderen Mannschaften angesprochen, wo unser Quotenspieler ist, der eine, der das eine oder andere Pfund zu viel hat. Den haben wir nicht“, sagte Gentner. „Unsere Fitness zeichnet uns eben auch aus.“ Und so freuen sich Marcel Gentner und sein Team auf die Bezirksliga.

Ein Trumpf, auch aus der Sicht des Abteilungsleiters Joachim Streng, genauso wie der Zusammenhalt der Mannschaft. „Zum einen ist es eine sehr junge Mannschaft, zum anderen ist es ein Team, eine Gemeinschaft“, sagte Streng am Montag. „Egal, ob sie der ersten oder zweiten Mannschaft angehören. Da gibt es überhaupt nichts. Die Spieler trainieren zusammen. Wir haben fast immer 25 bis 30 Spieler im Training, der Teamgedanke steht da absolut im Vordergrund. Bei uns gibt es auch kein Geld. Die Jungs zahlen alle schön ihren Mitgliedsbeitrag, arbeiten bei Vereinsfesten und spielen halt zusammen Fußball“, sagt Joachim Streng. Inklusive des spielenden Vorsitzenden Andreas Stohr. Diese gesamte Konstellation sei ein Glücksfall für den Verein, genauso wie der Trainer Herbert Küchler, eigentlich Urgestein des FC Ostrach und dort Vater des Erfolgs der „Zebras“, die er in der C-Jugend einst übernommen hatte. „Schnüs Sohn Rene hat während seines Studiums ein Praktikum in der Volksbank Altshausen gemacht. Da hat er von seinem Vater erzählt. Und da wir ein gutes Verhältnis zur Volksbank haben, haben wir das gehört und dann haben wir ihn mal angerufen. Wir haben uns dann getroffen und nach einer halben Stunde war klar, dass er zu uns passt. Wir waren auf einer Wellenlänge. Er hat einfach eine ganz tolle menschliche Art“, so Streng.

Herbert Küchler übernahm die Mannschaft zur Saison 2015/2016. Das Team war damals - noch jünger - gerade unter Ottmar Eisele - aus der Kreisliga B in die A-Klasse aufgestiegen, zum zweiten Mal binnen sechs Jahren, doch Eisele hatte frühzeitig signalisiert aufhören zu wollen. „Die meisten von uns, eigentlich alle, kannten Herbert Küchler damals nicht, außer seinem Namen und das, was er mit dem FC Ostrach erreicht hat“, sagte auch Marcel Gentner über den Meistertrainer. Doch mit seiner Arbeit hat er die Mannschaft, die ihn während der Ehrung mit dem Wimpel mit langgezogenen „Schnüüüü“-Rufen feierte, überzeugt. „Er bringt Dinge ins Training ein, die wir vorher gar nicht kannten. Er fordert, dass die Spieler mitdenken, dass der Kopf mitmacht“, so Joachim Streng und schilderte eine Übung, in der jeder Spieler mit einer Augenklappe sein starkes Auge abdecken musste, um so das andere Auge und den Kopf zu schulen. „Als er uns vor einigen Wochen gesagt hat, dass er auch ein viertes Jahr bleibt, hat uns das noch einmal einen richtigen Schub gegeben“, erinnerte sich Gentner „Schnü hat zu uns gesagt, dass Hettingen/Inneringen noch einmal unentschieden spielt und dass er den Wimpel ins Vereinsheim nageln will.“

Just das tat Herbert Küchler am späten Samstagabend dann auch. Unter der Mithilfe von Ottmar Eisele und unter den Anfeuerungsrufen der Mannschaft fand der Wimpel seinen Platz. Nicht die einzige Anekdote von den Feierlichkeiten des Wochenendes. „Gegen später kam noch eine Abordnung aus Ostrach, darunter natürlich Herbert Küchlers Sohn Rene und einige andere. Das war sehr lustig“, erinnerte sich Streng am Montag. So sollen auch einige Kästen Bier zwischen Blönried/Ebersbach und Gammertingen den Besitzer gewechselt haben. Zudem soll es einen Gammertinger Autokorso durch Hettingen und Inneringen gegeben haben - in spezieller Kluft. „Natürlich wären wir gerne zum Relegationsspiel von Hettingen/Inneringen am Samstag nach Langenenslingen gegangen, um die SG zu unterstützen. Leider haben wir aber zeitgleich den Erdinger Meister-Cup. Aber zur zweiten Runde sind wir dabei“, versprach Streng am Montag. Und auch für die eigene Zukunft hat er einen „Matchplan“: „Aus der A-Jugend von Trainer Paulo Matos kommen zehn Spieler zur neuen Saison raus“, deutet er an, dass sich der Kader der beiden aktiven Mannschaften weiter verbreitert. Aber wir werden auch in der kommenden Saison weitestgehend zusammen trainieren. Herbert Küchler ist unser Cheftrainer und wir, Dieter Gentner und ich, unterstützen ihn.“ Joachim Streng, der derzeit noch einen Torhüter sucht, da Pius Heber aus beruflichen Gründen in Stuttgart ist und nicht immer zur Verfügung stehen wird, hofft: „Ich bin überzeugt, dass wir auch in der kommenden Runde die nötigen Punkte holen, um die Bezirksliga zu halten und nicht gleich wieder in die A-Klasse zu müssen.“

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