Zwei Schwestern auf dem besten Weg zur Genialität

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Oleksandr Klima begleitet seine Töchter Dascha (Mitte) und Sascha beim Konzert im Alten Kloster Bad Saulgau.
Oleksandr Klima begleitet seine Töchter Dascha (Mitte) und Sascha beim Konzert im Alten Kloster Bad Saulgau. (Foto: Wolfgang Lohmiller)
Wolfgang Lohmiller

Trotz 27 Grad Außentemperatur war das Foyer im Alten Kloster Bad Saulgau am Sonntagabend um 19 Uhr gut gefüllt, als dort zwei sehr junge Talente, zwei Schwestern, ihr Konzert gegeben haben: Die achtjährige Dascha Klimas an der Violine und die zehnjährige Pianistin Sascha Klimas.

Bereits beim Violinkonzert a-Moll von Accolay imponierte die junge Geigerin mit Virtuosität bis in höchste Töne. In der c-Moll Prelude von Bach imponierte Sascha am Klavier durch klaren Anschlag und differenzierte Tongebung. Bartoks „Rumänische Volkstänze“ gaben noch mehr Gelegenheit zu Virtuosität und Ausdruckskraft, auch bei den leisen Obertönen der Geige.

Mit einer Klaviersonate von Joseph Haydn hatte Sascha Klimas Gelegenheit, ihr Können als Solo-Pianistin zu zeigen. Schumanns „Warum?“ trug sie getragen und ausdrucksvoll vor. Es war aber zu spüren, dass der Komponist die „Kinderszenen“ für Erwachsene schrieb, die eher in der Lage sind, über die kindliche Gefühlswelt zu reflektieren und dies auch interpretatorisch auszudrücken. Ähnliches mag für Dvoraks „Humoreske“ gelten, insbesondere wenn man die schmunzelnden Vorträge des Guarneri-Trios im Hinterkopf hat. Beim Konzert für zwei Violinen von Johann Sebastian Bach spielte auch Vater Oleksandr Klimas mit, der vor Jahren schon beim „Bunten Parkhaus“ in Bad Saulgau aufgetreten war. Anmutig erklang das „Largo“, virtuos und ausdrucksstark das „Vivace“.

Nach der Pause erschienen die Klimas-Schwestern – wie vorher schon ihr Vater – in rumänischer Tracht. Sie imponierten mit dem „Allegro“ aus Bachs aMoll-Violinkonzert, das sie feurig, aber auch mit ruhigeren, geradezu pathetischen Einlagen wiedergaben. Anschließend war Zeit für geradezu sensationelle Klavier-Soli von Sascha Klimas: Wirbelnd und mit klarem Anschlag präsentierte sie ein „Presto“ von Scarlatti, gemeimnisvoll den „Gnomenreigen“ von Liszt, dunkel und rätselhaft eine „Arabeske“ von Debussy. Das „Dr. Gradus da Parnassunm“ desselben Komponisten erklang wie eine heftige Diskussion. Virtuos und heldenhaft, aber auch zuweilen nachdenklich interpretierte Klimas die berühmte „Revolutionsetüde“ von Chopin.

Medidativ und virtuos

Vivaldis „Doppelkonzert“ a-Moll stellten die genialen Schwestern leidenschaftlich, ausdrucksvoll, ja meditativ (im „Largo“), dann wieder zupackend und virtuos (im Schluss-Allegro) dar. Geradezu sensationell war die spontane Improvisation, die Sascha Klimas mit ihrem Vater zusammen entwickelte. Sascha gab das Thema vor: „Die Spinne und die Fliege.“ Und so entwickelte sich ein Summen und Wirbeln der Geige, das zuweilen in ein Kratzen ausartete, während Sascha am Klavier (als Spinne) eine ruhige und souveräne Grundmelodie spielte, dann aber die Fliege umgarnte. Die Geige wurde zaghafter, sank nach unten, Oleksander Klimas drehte den Wirbel der untersten Saite nach unten), bis die „Spinne“ Sascha mit einem lauten finalen Knall „zustach“.

Den Abschluss bildete die Pianistin mit einem rasanten „Allegro giocoso“ aus der C-Dur- Sonate von Aram Chatchaturjan.

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