In sehr ärmlichen Verhältnissen leben und wohnen die Kinder im rumänischen Cidreag. Der Verein Buki aus Bad Saulgau will den Ki
In sehr ärmlichen Verhältnissen leben und wohnen die Kinder im rumänischen Cidreag. Der Verein Buki aus Bad Saulgau will den Kindern Chancen und Perspektiven eröffnen. (Foto: Privat)
Rudi Multer

Der Bad Saulgauer Verein Buki will Kindern im rumänischen Cidreag eine Chance geben. Im dortigen Buki-Haus unterstützt der Verein Kinder aus armen Roma-Familien, damit sie einen möglichst guten Schulabschluss schaffen können.

„Das war eine sehr intensives Jahr“, sagt Heidi Haller vom Verein Buki – Hilfe für Kinder in Osteuropa. Rund zehnmal sind Helfer des Vereins aus Bad Saulgau und aus der Region 2016 nach Cidreag gereist, einer 1200-Einwohner-Gemeinde in Rumänien, nahe der Grenze zur Ukraine. Die Abkürzung Buki heißt ausgesprochen eigentlich „Bulgarische Kinderhilfe“. Ursprünglich war der Verein zur Unterstützung eines Waisenhauses in Bulgarien gegründet worden. „Doch von dort bekamen wir auf unsere Hilfe keine Rückmeldung“, so Stefan Zell. Nach Cidreag kam Buki zufällig.

Seit 2007 gehört Rumänien zur Europäischen Union. Doch in Cidreag ist der Wohlstand Europas noch nicht angekommen. „Wenn sie von deutschen Löhnen eine Null wegstreichen, dann entspricht das in etwa dem Lohnniveau in Cidreag“, sagt Stefan Zell. Er und seine Frau Heidi Haller sind die Vorsitzenden von Buki. Eine Lehrerin, so Zell, erhalte 250 Euro im Monat ausbezahlt. Ungarn bilden die Mittelschicht in Cidreag. Des halb wird in Cidreag nicht rumänisch, sondern ungarisch gesprochen.

Erbärmliche Bedingungen

Die andere Hälfte der Bewohner sind Roma. Sie sprechen nicht nur eine andere Sprache. Ihre Familien wohnen oft unter erbärmlichen Bedingungen in Häusern ohne fließendes Wasser, ohne Toiletten, ohne Tisch. Sie arbeiten während der Saison als Tagelöhner auf Feldern, im Winter ist das Geld noch knapper. Kinder müssen entweder mitarbeiten oder auf ihre kleineren Geschwister aufpassen. Die Situation der Kinder und Familien hat die Verantwortlichen Buki berührt. Der Name blieb, das Projekt änderte sich. Kindern dieser Gemeinde den Weg zur Bildung zu eröffnen und ihnen neue Lebenschancen zu eröffnen. Das war das neue Projekt.

Vor acht Jahren kaufte Buki in Cidreag ein Haus. Ursprünglich war gedacht, Kindern hier Nachhilfe zu geben. Doch das war zu kurz gedacht. „Wir haben erfahren, dass wir den Kindern ganz elementare Dinge vermitteln müssen“, sagt Heidi Haller. Dazu gehören praktische Dinge wie der Gang zur Toilette, Sauberkeit, ordentliche Kleidung oder das Benehmen bei Tisch. Auch das Ablesen der Uhrzeit und Pünktlichkeit gehört dazu. Belohnt wird im Buki-Haus, wer regelmäßig zur Schule geht und wer regelmäßig kommt. Stefan Zell weiß, dass Buki nicht alle Familien erreichen kann. „Von 100 Kindern in Cidreag gehen vielleicht 30 oder 35 zur Schule und von denen kommen 25 zu uns“. Man wolle und könne die Kultur der Roma nicht ändern. Zell: „Wir können nur Chancen geben, wenn sie erkennen, dass es eine Chance ist.“

Einige haben die Chance genutzt. Die ersten Buki-Kinder haben Schulabschlüsse an weiterführenden Schulen erreicht. Die beiden Jungs Lucsi und Guszti waren diesen Sommer in Bad Saulgau. Sie haben hier Deutsch gelernt und ein anderes Leben mit einem klaren Rhythmus kennengelernt. „Sie haben einen Riesensprung gemacht“, sagt Haller über die Entwicklung der beiden Jungs nach der Rückkehr. Lucsi wird als Dolmetscher für die deutschen Buki-Mitarbeiter gebraucht.

Große Abwanderung

Vielleicht bleibt Lucsi auch später in Cidreag. Viele, die es sich leisten können und einigermaßen gebildet sind, kehren Cidreag den Rücken. „Sie suchen Arbeit in Ungarn, Italien, Deutschland, England oder Spanien“, sagt Stefan Zell. Die Abwanderung bekommt auch Buki zu spüren. „Wir suchen derzeit eine Lehrerin und eine Sozialarbeiterin und finden niemanden“, so Zell. Martin Köppel und Mona Ohnmacht, zwei Studenten an der Dualen Hochschule in Stuttgart im Fach Soziale Arbeit, absolvieren bis Dezember ein Praktikum im Buki-Haus und können die Lücke übergangsweise schließen. Inzwischen kann Buki seine Praktikanten ordentlich unterbringen.

Heidi Haller schuftete mit Helfern im Sommer in Cidreag, um ein von Buki angemietetes Haus umzubauen und als Wohnplatz für Praktikanten herzurichten. Eine schöne Erinnerung bleibt das Restaurantprojekt im Sommer. Buki-Kinder organisierten unter Anleitung selbstständig ein Fest, gestalteten Einladungskarten, schrieben Rezepte, testeten Rezepte beim Probekochen, übernahmen Service und Bar. Daran nahmen auch die Nachbarn der ungarischen und sozial besser gestellten Bevölkerung teil. So führt Buki auch zusammen. 40 Gäste wurden im Buki-Haus bewirtet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen