Zum Abschluss wird es geistlich

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 Die Protagonisten des geistlichen Vokalkonzerts: Pater Landelin Fuß, Christine Wetzel und Volker Bals (von links) freuen sich ü
Die Protagonisten des geistlichen Vokalkonzerts: Pater Landelin Fuß, Christine Wetzel und Volker Bals (von links) freuen sich über das gelungene Konzert. (Foto: Eugen Kienzler)

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres zum 40-jährigen Bestehens des Männerchors Bad Saulgau haben die Sänger um Chorleiter Volker Bals ein „geistliches Vokalkonzert“ in der Stadtpfarrkirche St. Johannes gegeben. Dafür hatte der Chorleiter den Sängern mit der sehr selten aufgeführten „Messe zu Ehren des Heiligen Judas Thaddäus“ von Felix Knubben eine große Aufgabe gestellt – die sie mit großer Disziplin, ausgeglichener Stimmenlage und viel Empathie meisterten.

Für den Ausgleich zu dieser, auch die Zuhörer fordernden Messe, sorgten die Sängerinnen der Mädchenkantorei, die unter der Leitung von Christine Wetzel mit der Strahlkraft ihrer Stimmen, der von guter stimmbildnerischen Arbeit zeugenden Chorqualität und der passenden Literaturauswahl den konzertanten Kontrapunkt setzten. Mit dem Organisten der Abteikirche St. Martin zu Beuron, Pater Landelin Fuß, hatten die beide Chöre einen profanen Kenner der Kirchenmusik und einen kongenialen Begleiter an beiden Orgeln.

In einer Konzertkritik anlässlich der Uraufführung der Messe vor 100 Jahren steht: „Die Messe wirkt entschieden auf das Gemüt und packt und rüttelt die Seele. Aber sie zieht auch Ohr und Verstand an und reizt zu gar willigem Zuhören“. Genau so erlebten die zahlreichen Zuhörer auch diese Aufführung. Ein meditatives Orgelvorspiel auf der Rebmann-Chororgel führte ein in das, die Messe eröffnende „Kyrie-Christe-Kyrie“, das die 32 Sänger vom Chorraum aus in getragenen Harmonien, von den Tenören vorgegeben, sangen, um im zweiten Kyrie in der Umkehrung des Dreiklang-Motivs von den Bässen angeführt, in einem klangschönen Forte zu verklingen.

Anschließend eröffneten die Choristinnen der Mädchenkantorei ihren Part mit dem sechsten Satz „Esurientes implevit bonis“ aus dem Magnificat von Antonio Vivaldi. Klangprächtig und harmonisch farbig, von der Orgel dezent und doch präsent begleitet, setzten die jungen Sängerinnen einen eindrucksvollen Kontrapunkt zu den lyrischen Anklängen der Messe. Für den weiteren Verlauf erwies sich konzertdidaktisch positiv, die maskulin gefärbten Stimmen der Männer aus den Höhen der Empore und die strahlend-leichten Stimmen der Mädchenkantorei aus dem Chorraum zu hören.

Mächtig war das „Gloria in excelsis Deo“, um dann bittend in das „Domine deus“ zu wechseln, eine Leistung des Männerchores, die Dynamik beim „Gloria“, das in einem bejahenden, das Stimmvolumen des Chores und die gute Akustik des Kirchenraumes nutzenden Crescendo endete. Josef Maria Rheinberger und Mendelssohn-Bartholdy sind eine der Lieblingskomponisten der Mädchenkantorei. Mit klarer Stimmführung und wie vom Rheinberger gefordert „Fromm und erbaulich“ die Vertonung des „Salve Regina“ und erzählend in dichter Polyphonie mit einem strahlenden Amen die Motette „Memorare“. Wohltuend, Hoffnung versprühend das a-cappella gesungene „Hebe deine Augen auf“, das als „Engelsterzett“ aus „Elias“ berühmt wurde und mit prägnanter Artikulation fein modellierend beim „Laudate pueri“ war die Reminiszenz an die beiden Komponisten.

Wechselnde Stimmführungen, an Richard Wagner erinnernde wiederkehrende Leitmotive und Tempiwechsel waren die Herausforderung für den Männerchor beim „Credo“, bei dem Pater Landelin Fuß ein verlässlicher Partner an der Klais-Orgel war. Das „Tantum ergo“ glänzte mit dem majestätischen „Compar sit laudatio. Amen“. Den zeitgenössischen Komponisten widmete die Mädchenkantorei ihren abschließenden Auftritt. Beim „Ave Maria“ von David Hamilton glänzte Rhoda Frey mit ihrem feinen und doch ausdrucksstarken Solosporan. Vom derzeit populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik, John Rutter, stammt das Friedenslied „The Peace of God“, vom Chor berührend einfühlsam interpretiert.

Mit dem „Agnus Dei“ und dem abschließenden andächtig-verklingenden „Dona nobis pacem“ setzten die Männer einen gekonnten Schlusspunkt unter die Messe-Interpretation. Die Motette „Ave Maria“ wurde von Franz Biebl für einen Doppelchor komponiert. So war diese Vertonung des liturgischen Angelusgebets der passende Abschluss, der beide Chöre im Chorraum zusammenführte und bei dem die getragenen Männerstimmen mit den strahlenden Frauenstimmen ein stimmiges Klangvolumen boten, das den Kirchenraum füllte. Davon beeindruckt gab es nach einer andächtigen Stille den Schlussbeifall. Mit den Zugaben „O Jungfrau Maria“, eine Variation des Lourdes-Pilgerliedes für 3 Stimmen und dem „Ubi caritas“ endete das Vokalkonzert, das eine Reminiszenz an die Zeit der großen lateinischen Messen aber auch einen Beitrag der Komponisten unterschiedlicher Epochen war.

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