Zukunft der Krämermärkte ist ungewiss

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 Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Rudolf Kleinknecht, der den Krämermarkt wohl verlassen wird.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht: Rudolf Kleinknecht, der den Krämermarkt wohl verlassen wird. (Foto: kl)
Katrin Liedtke

Zum großen Nikolausmarkt hat es am Samstag zahlreiche Besucher in die Innenstadt Bad Saulgaus gezogen. Der Abschluss der diesjährigen Krämermarktsaison bedeutet aller Voraussicht nach auch den Abschied von so manchem Händler.

Einer langen Tradition folgend, fand am Samstag vor dem ersten Advent auch in diesem Jahr wieder der beliebte „Klosamarkt“ statt. Vom Marktplatz über die Fußgängerzone bis zur Raiffeisenbank hatten Händler und Vereine schon bei Sonnenaufgang ihre Stände aufgebaut. Von A wie Adventskranz bis Z wie Zimtstern lockte ein breit gefächertes Angebot. Mit Plätzchen und Waffeln, Glühwein und Punsch besserten etliche Vereine ihre Kasse auf.

Märkte sollen reduziert werden

Unter vielen Händlern herrschte dagegen eher gedrückte Stimmung. Seit den Plänen von Tourismusbetriebsgesellschaft (Tbg) und Gemeinderat, die Zahl der Krämermärkte von vier auf zwei im Jahr zu reduzieren und diese obendrein mit den beiden Flohmärkten zusammenzulegen, sehen sie für sich keine Zukunft mehr in Bad Saulgau. Bereits jetzt fehlten einige Händler, die hier schon seit Jahrzehnten präsent gewesen waren.

Hannelore Lautenbach und ihr Mann Horst verkauften bislang nicht nur Staubsauger und entsprechendes Zubehör, sie erledigten auch Reparaturen an Ort und Stelle. Künftig würden Kunden ihre Geräte dafür einschicken müssen, bedauerten sie. „Einige Märkte haben wir wegen zu niedriger Umsätze streichen müssen“, sagte Horst Lautenbach, „aber Saulgau lief immer sehr gut.“ Unter dem früheren Marktmeister hätte alles funktioniert wie am Schnürchen. Seit die Tbg zuständig sei, hätten jedoch immer neue Auflagen und Einschränkungen zunehmend für Unmut gesorgt. Damit seien Händler reihenweise verprellt worden. Dass der Markt dadurch an Attraktivität eingebüßt habe, womit die Neuregelung der Krämermärkte ja begründet worden war, sei seiner Meinung nach ein hausgemachtes Problem.

Noch deutlicher wurde Rudolf Kleinknecht, Fachbereichsvorsitzender beim „Die Kunden wollen den Markt doch und der UBS steht hinter uns“, brachte er sein Unverständnis zum Ausdruck. Stattdessen würden Fachgeschäfte auf ihre Bewerbung Absagen bekommen oder gar nicht erst einer Antwort gewürdigt. Dass die Händler zudem vom Marktplatz vertrieben werden sollen, empfand er als diskriminierend: „Das verschlägt mir glatt die Sprache. Wir werden behandelt wie Aussätzige.“ Seit 50 Jahren komme er nun schon zu den Saulgauer Krämermärkten, aber wenn der Gemeinderat auf den vorerst nur für ein Jahr festgesetzten Änderungen beharre, sei er heute zum letzten Mal hier. Andere Kommunen wüssten sein Geschäft zu schätzen, es diene schließlich der Grundversorgung der Bevölkerung. „Der Krämermarkt ist doch keine Last für die Stadt, sondern eine Bereicherung.“ Ähnlich sahen das die Kunden, die im Mai bei strömendem Regen extra gekommen waren, um sich an der Unterschriftensammlung für den Erhalt der vier traditionellen Markttage zu beteiligen. Geschimpft hätten sie wie die Rohrspatzen. „Da sind Ausdrücke gefallen, die ich lieber nicht wiedergeben möchte“. sagt Kleinknecht.

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, doch viel Hoffnung machen sich die Händler nicht. Ein Verkauf gleichzeitig mit dem Flohmarkt kommt jedoch für die wenigsten infrage. Die Käuferschaft dort sei eine komplett andere Klientel, doch bei Neuware seien die Preise eben nicht verhandelbar.

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