Zu viel Hitze im Viehstall stresst die Kühe

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Nahrhaftes gab es von Moderatorin und Mitorganisatorin Vanessa Lutz für Marc Gührer.
Nahrhaftes gab es von Moderatorin und Mitorganisatorin Vanessa Lutz für Marc Gührer. (Foto: Eugen Kienzler)
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Im Dorfgemeinschaftshaus Friedberg haben sich kürzlich die Milchviehbauern weitergebildet. Der Fachbereich Landwirtschaft im Landratsamt Sigmaringen, der Beratungsdienst Milchviehhaltung Biberach-Sigmaringen und der Verein zur landwirtschaftlichen Fortbildung Kreis Sigmaringen hatten gemeinsam zu dieser Fachtagung eingeladen. Seit über zehn Jahren ist diese Tagung eine feste Größe in Friedberg. Der Fachbereichsleiter Landwirtschaft, Gerhard Gommeringer, konnte neben den landwirtschaftlichen Betriebsleitern auch die Absolventen der Albert-Reis-Technikerschule Sigmaringen begrüßen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Vanessa Lutz.

Auffallend seien in diesem Jahr die leer gebliebenen Stühle gewesen. Woran das lag, ließ sich nicht sagen, warf aber die Frage auf: War es das Thema „Stressoren im landwirtschaftlichen Betrieb“ gewesen, das mehr „Soft Facts“ der täglichen Arbeit beleuchtete, oder war es eine Auswirkung der derzeitigen Verunsicherung in der Landwirtschaft?

Am Vormittag drehte sich zunächst alles um eine der hauptsächlichen Stressfaktoren im Milchviehstall, dem Hitzestress. Hubert Schuster von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Grub machte in seinem Vortrag deutlich, wie sehr Tierwohl die Milchleistung beeinflusst. „Der Klimawandel und die damit einhergehenden längeren Hitzeperioden sind Fakt und zwingen Tierhalter mehr denn je, sich mit der Vermeidung von Hitzestress im Viehstall auseinanderzusetzen“, sagte Schuster.

Er nannte unter anderem das Frischluftmanagement, geeignete Kühlung und die richtige Menge und Qualität von Wasser als wichtige Voraussetzungen für die Vermeidung von Hitzestress und dem einhergehenden Milchleistungsabfall.

Aus Praktikersicht berichtete Marc Gührer, Betriebsinhaber des Hofgutes Schleinsee. Sein Vortrag drehte sich im Wesentlichen um die „Vermeidung von Hitzestress durch Umbaumaßnahmen“. In den Sommermonaten habe sich, trotz höherem Aufwand, bewährt, zweimal täglich die Futtermischungen frisch zu machen. Ein weiteres Augenmerk sei für ihn auch die qualitativ gute Wasserversorgung. So hat er die günstige Eigenwasserversorgung aufgegeben und bezieht das Tränkewasser aus der öffentlichen Wasserversorgung mit der kontrollierten Wasserqualität. Dass sich diese Anstrengungen zum Tierwohl bewähren, zeigte er anhand der Leistungsdaten der Milchleistung auf.

Am Nachmittag stand dann die Stresserkennung und -vermeidung der Menschen im Vordergrund. Linda Reissig von der schweizerischen Forschungsanstalt Agroscope stellte die Ergebnisse einer Untersuchung ihres Institutes „Burnout in der Landwirtschaft“ vor.

„Bei einem selbstbestimmten Beruf, wie dem Landwirt, und dazu noch in einem intakten Umfeld und in der Natur, komme Burnout nicht vor, ist ein absoluter Trugschluss“, sagte die Umweltnaturwissenschaftlerin und Psychologin. In der Schweiz seien etwa zwölf Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft gefährdet. Risiken und Symptome aufzeigend, galt ihre Empfehlung, Warnzeichen ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren.

Derzeitige Stressfaktoren der Landwirtschaft, nämlich die neue Düngeverordnung und die „Plausibilisierte Feld-Stall-Bilanz“ waren Themen des abschließenden Kurzvortrages von Hans-Peter Eller vom Fachbereich Landwirtschaft.

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