Wenn der Nachbar bleibt, bleib ich auch

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 Zeit, sich auf den Weg zu machen. Nicht alle Störche ziehen im Winter nach Süden. Eindeutig reisefreudiger sind Jungstörche.
Zeit, sich auf den Weg zu machen. Nicht alle Störche ziehen im Winter nach Süden. Eindeutig reisefreudiger sind Jungstörche. (Foto: Feuerwehr)
stellv. Redaktionsleiter

Ute Reinhard, die Storchenbeauftragte für das Regierungspräsidium Tübingen, geht davon aus, dass etwa gleich viele Störche aus der Region wie im vergangenen Jahr in Richtung Süden gezogen sind. Da es in den Horsten diesmal aber besonders viel Storchennachwuchs gab, dürfte die Reisetätigkeit der Vögel dennoch zugenommen haben. „Jungstörche ziehen immer, da werden alle vom Reisefieber gepackt“, sagt die Storchenbeauftragte.

Altstörche orientieren sich beim Reiseverhalten im Winter auch an der Reisetätigkeit in der Nachbarschaft. So bleibt das Storchenpaar auf der St.-Johannes-Kirche schon seit vielen Jahren hier. In den vergangenen Jahren machten das auch die Nachbarn im Nest auf dem Gasthaus Bach. „Die haben sich das wahrscheinlich abgeschaut“, vermutet Reinhard. In diesem Jahr allerdings kam es anders. „Sie sind Mitte November geflogen“, sagt Renate Supp, Betreuerin der Störche in Bad Saulgau. Damit hätten sie sich sehr spät auf die Reise gemacht. Auch die übrigen Nester in der Kernstadt in Bad Saulgau seien derzeit leer.

Renate Supp rechnet übrigens mit der baldigen Rückkehr der weggezogenen Störche. Sie schließt das aus dem Verhalten von „Johannes und Johanna“, so nennt sie die Störche auf der St.-Johannes-Kirche. Die verlassen derzeit selten den Horst, wohl weil sie für ihr Nest die Konkurrenz zurückkehrender Storchenpaare fürchten. Jungstörche allerdings ziehen auf jeden Fall weg, so Ute Reinhard. 34 Jungstörche haben in den Horsten der Kernstadt und in den Nestern in Moosheim, Fulgenstadt, Hochberg und Großtissen überlebt und sind damit auf Wanderschaft gegangen.

Gefahren ausgesetzt

In der Regel, so Reinhard, kehrten ein Drittel der Jungstörche im Frühjahr wieder in die Region zurück. „Während des ersten Zugs passiert in der Regel viel“, so die Storchenbeauftragte. Die Reise birgt viele Gefahren. So könnten die Tiere bei der Nahrungssuche auf Müllkippen Unverträgliches fressen, oder die Tiere fliegen in Stromleitungen und werden durch einen Stromschlag getötet. Viele Tiere, die sich Richtung Südwesten aufmachen, würden inzwischen nicht mehr bis nach Afrika fliegen, sondern in Spanien überwintern. Da das für die Vögel weniger gefährlich sei als die Reise nach Afrika, nehme diese Population inzwischen zu. Stärker dezimiert würden die Störche, die Richtung Südosten fliegen. Sie haben in der Regel die längere Reise nach Afrika vor sich. Die Jungstörche kehrten übrigens nicht mehr in den elterlichen Horst zurück. Auch durch Fütterungen könnten die Tiere ihren natürlichen Zugtrieb verlieren. „Mit einer Fütterung sollte man am besten gar nicht anfangen“, empfiehlt Ute Reinhard. Außerdem könne es so passieren, dass sich die Tiere dort, wo es reichlich Nahrung gebe, heimisch machten.

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