Wehmut beim letzten Musikantentreff

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 Die Musikanten Andrea Bruncic (links), Willi Groß, Hildegard Rieber, Josef Kolb, Martin Emhart und Ludwig Löw lassen es sich ni
Die Musikanten Andrea Bruncic (links), Willi Groß, Hildegard Rieber, Josef Kolb, Martin Emhart und Ludwig Löw lassen es sich nicht nehmen, beim letzten Musikantentreff im Gasthaus Ochsen in Wilfertsweiler mit dabei zu sein. (Foto: Artur K.M. Bay)
Artur K.M. Bay

Das war es: Im Gasthaus Ochsen in Wilfertsweiler hat der letzte Musikantentreff stattgefunden. Der beliebte Dorfgasthof schließt am Jahresende. Der monatliche Musikantenstammtisch muss sich nun eine neue Heimat suchen.

Musiker aus den Regionen Alb/Allgäu/Oberschwaben und sogar weit darüber hinaus kamen ins Gasthaus Ochsen nach Wilfertsweiler, um ihr Können darzubieten. Die Liste der Gäste gestaltete sich mit den Jahren geradezu international – sie reichte von Brasilien über die USA bis hin zum fernen Manila und nach Australien sowie aus zahlreichen Staaten Europas.

Drei von den vier Gründern des Musikantentreffs ließen es sich nicht nehmen, persönlich noch einmal bei der Abschiedsveranstaltung persönlich mitzuwirken – Hildegard Rieber, Josef Kolb und Willy Groß, alle aus Bad Saulgau. Josef Röck aus Fulgenstadt, der vierte im Bunde, war verhindert. Ein Gedenken an die verstorbenen Musikanten war dabei Ehrensache: Allen voran der unvergessene Harry Hack, der jahrelang Regie führte und humoristische Einlagen und selbstverfasste Gedichte zum Besten gab und nicht zuletzt den Musikern Kurt Arndt aus Bad Saulgau und Karl Eninger aus Ebenweiler.

Bekannte Schlager

Die Stimmung war trotz der Wehmut, dass es zu Ende und ist, fröhlich und unterhaltsam. Auch Akkordeon-Weltmeisterin Andrea Bruncic war sichtlich gerne mit dabei und lief prompt spieltechnisch zu großartiger Form auf. Aus ihrem breitgefächerten Repertoire ließ die Oberkrainer-Expertin unter anderem die „Martinspolka“, das „Trompetenecho“ und die „Dorfhochzeit“ erklingen, alles Kompositionen des legendären Oberkrainers Slavko Avsenik. Es gab einen tosenden Applaus für die Weltmeisterin aus Menzenweiler/Aulendorf. In Riedlingen zuhause ist der Sänger und Akkordeonspieler Winfried Krein, er hatte nicht nur bekannte Schlager, sondern auch einige Lumpenlieder auf Lager und spielte zusammen mit Bobby Hartl, der begabten Jodlerin aus Andelfingen, „Patrona Bavaria.“

Stets ein gern gesehener Musensohn ist der Bassist Frank Miller aus. Er hat sich das Spiel auf seiner riesengroßen Bassgeige selbst angeeignet. Aus Mengen reiste Ludwig Löw an, der in der Region als ein versierter Allroundmusiker kein Unbekannter ist. E r weiß vor allem auf dem Saxofon zu glänzen. Trompeter Karl Gebhart aus Steinbronnen war ebenfallls mit von der Partie. Immer ein Hingucker: die drei Alphornbläser Manfred Botzenhardt, Bad Saulgau, Albert Hänsler, Aulendorf und Fridolin Halder aus Glochen. Sie trugen unter anderem den „Thalkirchdorfer Alphornwalzer“ vor. Das Spiel auf diesen fast vier Meter langen Holzblasinstrumenten ist immer wieder beeindruckend schön. Seit Jahren dabei ist der unverwüstliche Akkordeonspieler Martin Emhart aus Binzwangen, der dem Musikantentreff immer eine ganz persönlich Note verlieh.

Humorist Udo Schleime wurde schmerzlich vermisst. Dafür sprang ein Unikum des geschliffenen Wortes ein – Martin Butz aus Oberstadion bei Ehingen. Außerdem rückte das Duo „Goldschätzla“, Hildegard Halder mit der Gitarre und Susanne Maurer, Akkordeon, ins Rampenlicht. Die beiden Musikerinnen hatten eigens einen Liedtext zum Abschied für die Wirtsleute Sybille und Josef Spehn verfasst, dessen Refrain das Publikum mitsang.

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