Walter Knoll hat die Stadt geprägt

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Am Porträt des Verstorbenen nimmt Bürgermeisterin Doris Schröter Abschied von Walter Knoll. (Foto: Thomas Warnack)
Schwäbische Zeitung
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In einer bewegenden Abschiedsfeier haben die Familie Knoll, die Stadt Bad Saulgau und die Mitarbeiter sich von Unternehmensgründer und Ehrenbürger Walter Knoll verabschiedet. Thomas Krampe als langjähriger Weggefährte betonte in einem Rückblick den eisernen Willen, die Energie und die Kreativität des Mannes, der aus kleinen Anfängen am Standort Bad Saulgau ein inzwischen international tätiges Unternehmen aufbaute. „Ohne ihn wäre Bad Saulgau nicht das, was es heute ist“, hatte Bürgermeisterin Doris Schröter sichtlich gerührt in ihrem Nachruf betont.

Die Trauergemeinde füllte die St.-Johannes-Kirche. Vor dem Altarraum ruhte der Sarg auf einem in schwarzes Tuch gehüllten Podest. Ein schlichtes Kreuz hinter dem Sarg, ein Blumenbouquet und je zwei Kerzen auf jeder Seite des Sarges bildeten die zurückhaltende Dekoration. Ein Porträt von Walter Knoll auf der linken Seite, ein mit Kerzen betontes Herz aus roten Rosen auf einem weißen Tuch, ein Kranz auf der rechten Seite vervollständigten das Arrangement der Feier. Da der Platz in der Kirche nicht ausreichte, versammelte sich ein Teil der Trauergemeinde in der Stadthalle. Dorthin wurde die Feier per Video übertragen.

Vor dem Gottesdienst stimmte die Stadtmusik Bad Saulgau mit getragenen Chorälen vom Marktplatz aus den Gottesdienst ein.

Walter Knoll hatte sich noch zu Lebzeiten um die Gestaltung dieser Feier gekümmert. „Wir wollen den Willen des Verstorbenen achten“, hatte Pfarrer Wolfgang Knor gesagt, „manche Elemente sind von ihm gewünscht“. Die St.-Johannes-Chorknaben sangen, Streicher der städtischen Musikschule sorgten für die klassischen Elemente, auch für den rührenden Moment, als die Familie Knoll zum Schluss des Gottesdienstes vor dem Sarg gemeinsam Arm in Arm Abschied nahm.

Pfarrer Wolfgang Knor hatte an den Todestag von Walter Knoll erinnert. Am Morgen des Erntedankfestes und des Caritas-Sonntags in Bad Saulgau sei er gestorben: „Nun schauen wir auf seine Ernte“.

Das Lebenswerk von Walter Knoll fasste Thomas Krampe aus Ravensburg zusammen. Er hat mit Walter Knoll Skat gespielt und ihn auch in Zeiten seiner schweren Krankheit in den letzten Jahren begleitet. Krampe betonte die „große Risikobereitschaft“, die Walter Knoll an den Tag gelegt hatte, als er im Alter von 42 Jahren eine leitende Position bei einem Unternehmen am Bodensee aufgab, „um am 1. Mai 1970 wieder bei null anzufangen“. Auf Vorschlag seines Freundes Rolf Lauf begann er in einer Halle beim Flugplatz mit der Produktion von Anlagen zur Reinigung von Kühlmitteln. Nach dem Durchbruch durch den Erfolg eines Auftritts bei der ersten Industriemesse in Stuttgart ging es Schlag auf Schlag. Nach insgesamt 18 Erweiterungen hat die Firma eine Produktionsfläche von insgesamt 45 000 Quadratmetern mit inzwischen 800 Mitarbeitern. Weltweit ist das Unternehmen inzwischen tätig, verkauft seine Produkte inzwischen auch in China und in Brasilien.

Einen „eisernen Willen“, „Kreativität“ und „Zuversicht“ des Verstorbenen nannte Krampe als die Grundlagen des Erfolgs, aber auch „den engen Zusammenhalt in der Familie“ und „ein freundliches Miteinander“ im Unternehmen mit den Mitarbeitern nennt Krampe als „Eckpfeiler für den gemeinsamen Erfolg“.

Für sein unternehmerisches Engagement verlieh ihm die Stadt Walter Knoll zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2003 das Ehrenbürgerrecht. 2006 zeigte er seine Dankbarkeit gegenüber der Stadt im Gegenzug durch die Gründung der Bürgerstiftung. „Wer nie Gutes tut, wird nie Gutes erfahren“, so Thomas Krampe, sei sein Wahlspruch gewesen.

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