Waldkindergarten zusammen mit den Johannitern

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Bei Wind und Wetter spielen Kinder im Waldkindergarten in der Natur.
Bei Wind und Wetter spielen Kinder im Waldkindergarten in der Natur. (Foto: Archiv: Carsten Rehder, dpa)
stellv. Redaktionsleiter

Bis spätestens September 2019 soll in der Stadt Bad Saulgau ein Waldkindergarten in der Trägerschaft der Johanniter Unfall-Hilfe eröffnet werden. Am Donnerstag hat der Gemeinderat dafür den Weg frei gemacht. Einstimmig erteilte das Gremium der Verwaltung das Mandat für die dafür notwendigen Verhandlungen.

Geplant ist in Bad Saulgau ein Waldkindergarten mit zwei Gruppen. Im Unterschied zu regulären Kindergärten verbringen die Kinder ihre Zeit im Waldkindergarten großteils in der Natur. Als Spielsachen dienen Naturmaterialien, die sie im Wald finden. Die zuständige Fachbereichsleiterin Birgit Luib zeigte den Gemeinderäten Fotos vom Waldkindergarten in Ravensburg. Geschälte Zweige und Äste dienen als Haken für die Garderobe. Ein Vorgarten ist mit einem Zaun aus Ästen und Zweigen eingegrenzt und mit Naturmaterialien gestaltet. Als Rückzugsmöglichkeiten, Aufbewahrungsort für Materialien und Schlafmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren dienen ein Bauwagen je Gruppe.

„Es ist ein zusätzliches Angebot, das wir in Bad Saulgau anbieten möchten“, sagte Bürgermeisterin Doris Schröter als Einführung. Das Thema Waldkindergarten war in der Klausurtagung und in zwei Sitzungen des Sozialausschusses auch nichtöffentlich vorberaten worden. In Kontakt mit der Johanniter Unfall-Hilfe kamen Gemeinderat und Verwaltung bei der Besichtigung des Waldkindergartens Rahlenwald bei Ravensburg. Der war ursprünglich von einer Elterninitiative gegründet worden. Nachdem sich keine Eltern mehr fanden, die den Betrieb weiterführen wollten, übertrug die Stadt Ravensburg den Johannitern die Trägerschaft.

Diesen Partner möchten Verwaltung und Gemeinderat auch in Bad Saulgau mit ins Boot nehmen. „Die Johanniter verfügen über ein fundiertes naturpädagogisches Fachwissen“, argumentierte Birgit Luib. Mit diesem Kooperationspartner lässt sich der Waldkindergarten auch zügig realisieren. Eine Eröffnung vor September sei allerdings unrealistisch. Wegen der großen Nachfrage haben allein die benötigten Bauwagen eine Lieferzeiten von sieben bis acht Monaten. Für lösbar hält die Verwaltung dagegen die Suche nach den drei Fachkräften, die für die zwei Gruppen der Einrichtung im Wald notwendig sind. Die Johanniter hätten die Erfahrung gemacht, dass bei Waldkindergärten die Personalsuche einfacher sei, so Birgit Luib.

Ausweichquartier ist notwendig

Die Johanniter haben für die Kooperation Erwartungen an die Stadt formuliert. So benötigen die Gruppen in besonderen Situationen wie Sturm oder Baumfällarbeiten ein Ausweichquartier, das etwa fünf bis seschmal im Jahr genutzt wird. Das Leitungspersonal brauche Büroräumlichkeiten mit einem abschließbaren Schrank, die sie etwa ein- bis zweimal pro Woche in Anspruch nehmen. Zusätzlich erwartet der Träger eine Übernahme aller nicht gedeckter Kosten und eine Freistellung der Kindergartenleitung für Elterngespräche. Solche Gespräche im vertraulichen Rahmen zu führen, sei auch selbst in Zeiten mit schwacher Auslastung im Waldkindergarten während der Öffnungszeit nicht möglich, hießt es in der Vorlage.

Für die die beiden Bauwagen und die Erstausstattung des Kindergartens sollen im kommenden Haushaltsplan 167 000 Euro bereit gestellt werden. Für Personal rechnet die Stadt mit jäjhrlichen Ausgaben von 280000 Euro. Elternbeiträge und Baukostenzuschüsse als Einnahmen sind aber noch nicht berücksichtigt.

Thomas Zimmerer (CDU) regte an, mit einer Umfrage unter Eltern zunächst den Bedarf für einen Waldkindergarten zu ermitteln. Er blieb mit diesem Vorschlag aber allein. „Wenn das Konzept gut ist, wird sich die Nachfrage schnell einspielen“, sagte Gerlinde Frühbauer von der SPD. Die Sprecher aller Fraktionen befürworteten das neue Angebot als „Ergänzung“ zum bestehenden. Hierfür gebe es einen Bedarf.

Noch kein Standort

Eine Entscheidung über einen Standort steht noch aus. Eine Richtung deutete Bürgermeisterin Doris Schröter an. „Unser Naturthemenpark (im Wald in Richtung Fulgenstadt, d. Red.) ist wunderbar. Einen Waldkindergarten dort in der Nähe könnte ich mir gut vorstellen.“

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