Vorgaben verteuern Mietwohnungen

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Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen ist längst nicht nur in den Städten ein Problem. In der SPD arbeitet der Arbeitskreis beazha
Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen ist längst nicht nur in den Städten ein Problem. In der SPD arbeitet der Arbeitskreis beazhalbarer Wohnraum im ländlichen Raum an diesem Problem. (Foto: Frank Rumpenhorst, dpa)
Christoph Klawitter

Die Mitglieder des SPD-Arbeitskreises „Bezahlbarer Wohnraum im ländlichen Raum“ des Kreisverbands haben sich mit dem Bad Saulgauer Stadtbaumeister Pascal Friedrich zum Austausch getroffen. Diskutiert wurde, wie bezahlbare Wohnungen und Häuser geschaffen werden könnten, und was die Ursachen für die derzeit hohen Baukosten sind. Pascal Friedrich brachte dabei mit Blick auf künftige Bad Saulgauer Wohngebiete wie die Fläche hinter dem Gymnasium den Vorschlag ein, städtebauliche Wettbewerbe vorzuschalten.

Zu Beginn leitete Michael Femmer, der SPD-Kreisvorsitzende, das Thema ein. Er zitierte den Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft GSW in Sigmaringen, der in der Schwäbischen Zeitung erklärt habe, dass heute bezahlbarer sozialer Wohnungsbau wirtschaftlich nicht mehr darstellbar sei. Femmer widersprach dieser Ansicht und führte als Beleg ein entsprechendes Wohnobjekt in Vorarlberg an, das die Mitglieder des SPD-Arbeitskreises im Vorfeld besichtigt hatten. Wohnen sei ein Grundrecht. „Ohne Wohnung keine Teilhabe“, so Femmer. Aber mit den derzeit ausufernden Mietkosten – Femmer nannte 40 bis 60 Prozent Mietkosten, die bei manchen vom Familieneinkommen abgehen – seien ein Drittel der Gesellschaft vom bezahlbaren Wohnen ausgeschlossen.

Kapitalflucht in die Immobilie

Anwesend waren die Arbeitskreis-Mitglieder Susanne Fuchs aus Sigmaringen, Andreas Raschke aus Meßstetten, Hans Halder aus Pfullendorf und Marcus Haile aus Bad Saulgau. „Das klingt für mich so, dass es genügend Wohnungen gibt, nur keine günstigen“, befand Hans Halder. Stadtbaumeister Pascal Friedrich erläuterte, wie sich die derzeit hohen Kaufkosten bei Wohnungen und Häusern erklären lassen. Zum einen gebe es immens hohe Baukosten. Es gebe eine Kapitalflucht in die Immobilie. Wenn man ihm, Friedrich, vor fünf Jahren gesagt habe, dass ein Einfamilienhaus eine halbe Million Euro koste, hätte er das damals nicht für möglich gehalten. Heute sei das jedoch Realität. Auch Vorgaben über energetische Standards und Barrierefreiheit könnten Neubauten verteuern. Letztlich könnten sich diese Kosten bei Neubauten auch auf den Mietwohnungsmarkt durchschlagen. Friedrich erläuterte, dass vor diesem Hintergrund Bauträger hohe Kosten weitergeben müssten und widersprach damit auch der Ansicht von Michael Femmer über die Preispolitik von Bauträgern.

Der Stadtbaumeister hält es für unwahrscheinlich, dass die Stadt Bad Saulgau selbst in den Wohnungsbau einsteigt. Darüber müsse sowieso der Gemeinderat entscheiden. „Wir haben bei der kommunalen Daseinsvorsorge einfach einen Riesenberg an Aufgaben“, wies er auf die zahlreichen anderen Aufgaben der Stadt hin, beispielsweise das Millionen-Projekt ABC-Halle.

Möglichkeit Bebauungsplan

Möglich sei es aber laut Friedrich bei der Ausweisung neuer Wohngebiete über den Bebauungsplan Vorgaben für die Dichte der Bebauung zu machen. Man könne vorschreiben, dass 75 bis 80 Einwohner pro Hektar in einem solchen neuen Gebiet leben sollen, sagte er als Beispiel. Das fördere den Bau von Mehrfamlienhäusern in solchen Gebieten. Aber auch hier habe der Gemeinderat das letzte Wort.

Für wichtig hält der Stadtbaumeister, dass eine Stadt kommunale Grundstückspolitik betreibe. Grundstücke, die bebaut werden könnten sollten nach Möglichkeit auch bebaut werden. Deshalb sollte die Kommune Baugebiete möglichst selbst erschließen und die Baugrundstücke verkaufen. Auch Städte wie Bad Saulgau kennen das Problem so genannter „Enkelgrundstücke“: Bebaubare Grundstücke würden nicht bebaut, sondern für den Enkel bevorratet. Michael Femmer bestätigte dies und wies auf einen solchen Fall im Mengener Ortsteil Blochingen hin, wo ein Eigentümer auch nicht bereit gewesen sei, Grundstücke im Innenbereich zu verkaufen.

Im Blick der Diskussion war auch die Baugenossenschaft Bad Saulgau. Michael Femmer regte an, dass diese wieder als Bauträger einsteigen könnte. Ihm sei nicht bekannt, dass die Baugenossenschaft Bad Saulgau so etwas plane, so Friedrich.

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