Von der Kiste zum Jubiläumsbuch

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 Der Anfang und das Ergebnis. Hermann Brendle zeigt vor dem Buchauer Amtshaus das Titelbild des neuen Saulgau-Buchs. Vor über 40
Der Anfang und das Ergebnis. Hermann Brendle zeigt vor dem Buchauer Amtshaus das Titelbild des neuen Saulgau-Buchs. Vor über 40 Jahren begann er mit den Recherchen für das Buch. Damals sanierte er dieses Gebäude. Das Interesse am Bauwerk führte ihn in Archive zwischen Sigmaringen und Regensburg. (Foto: Rudi Multer)
stellv. Redaktionsleiter

Das hat den Begriff glücklicher Zufall nun wirklich verdient: 1975 war Hermann Brendle als Mitarbeiter des städtischen Bauamts mit der Sanierung des Buchauer Amtshauses betraut worden. Das altehrwürdige Gebäude entfachte in dem Bauleiter von damals das Interesse an historischen Zusammenhängen. „Ich freue mich sehr, dass meine Arbeit von damals nicht umsonst war“, sagt Hermann Brendle heute. Sein Saulgau-Buch, die Geschichte Saulgaus vom 9. bis zum 13. Jahrhundert, wird am Mittwoch, 3. April, öffentlich vorgestellt. Die Arbeit von damals ging schließlich weit über die Aufgaben des Bauleiters hinaus. Und so kann sich Bad Saulgau über 40 Jahre nach der Sanierung des Amtshauses und pünktlich zum Jubiläumsjahr über das Buch zu 1200 Jahre Bad Saulgau freuen.

Auf 124 reich bebilderten Seiten erzählt Hermann Brendle beispielsweise die Hintergründe der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 819. Damals beschenkte Kaiser Ludwig der Fromme mit Datum vom 22. Juli 819 die Kirche „Sulugon“ - so der Name Saulgaus damals – samt Gütern dem Kloster Buchau. Für Brendle steckte hinter der Schenkung machtpolitisches Kalkül. Die Franken wollten über das Reichskloster Buchau ihre Machtbasis im einstigen alemannischen Herrschaftsbereich in Süddeutschland festigen.

Sichtbares Zeichen der Verbindung von Saulgau nach Buchau war und ist das Buchauer Amtshaus. Hier hatte der Amtmann des Buchauer Damenstifts seinen Sitz. „Ich wollte wissen, wie das alles zusammenhängt“, sagt Brendle. In seiner Freizeit besuchte er Archive in Karlsruhe, Stuttgart, Sigmaringen und Regensburg, dem Archiv von Thurn und Taxis. Dort sammelte er Informationen, machte Kopien von wichtigen Dokumenten und Urkunden und fertigte Notizen an. Im Selbststudium wurde er „ausgewiesener Kenner der Saulgauer Stadt- und Kirchengeschichte“, wie Andreas Ruess jetzt in der Ankündigung zur Buchvorstellung schreibt. Es liegt wohl auch an der akribischen Arbeitsweise von Hermann Brendle, der nach seiner Pensionierung weitere acht Jahre als Stadtarchivar arbeitete. „Ich schreibe nichts ab, ich möchte immer das Original sehen“, begründet er seine unzähligen Ausflüge in Archive.

Material wird aufbewahrt

Das Material sammelte Brendle in einem Karton. Bei seinen Recherchen stieß der gebürtige Gögemer auch auf etliches Material über seine Heimat. Das fasste er vor einigen Jahren in drei Bänden über die Geschichte der Göge zusammen. Nach Abschluss des Werkes machte er Inventur und stieß wieder auf das Material aus Saulgau. „Vielleicht kann ich das noch gebrauchen“, dachte er damals. Es kam das Jahr des Stadtjubiläums. Brendle holte die Kiste vom Speicher und nahm Kontakt mit Kulturamtsleiter Andreas Ruess auf. Das Projekt Saulgau-Buch ließ sich kurzfristig realisieren. Es dürfte nicht das einzige Buch von Hermann Brendel über Saulgau im Jubiläumsjahr bleiben. “Ein Buch über die Geschichte der Kirche habe ich schon vorbereitet“, sagt der 83-jährige Geschichtsexperte.

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