Viel Eleganz und Ausdrucksfähigkeit

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Waltraud Marschall dirigiert beim Adventskonzert in der St. Johanneskirche in Bad Saulgau zum letzten Mal die Mädchenkantorei.
Waltraud Marschall dirigiert beim Adventskonzert in der St. Johanneskirche in Bad Saulgau zum letzten Mal die Mädchenkantorei. (Foto: Monika Fischer)
Schwäbische Zeitung
Monika Fischer

Das letzte Adventskonzert unter dem Dirigat von Waltraud Marschall hat eindrucksvoll bewiesen, zu welch stimmlicher Eleganz und Ausdrucksfähigkeit sie die Sängerinnen der Mädchenkantorei geführt hat. Den instrumentalen Teil dieses Konzerts gestalteten die Organisten Volker Braig und Matthias Burth sowie die Mitglieder der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben.

Dass Waltraud Marschall die Leitung der Mädchenkantorei zu Beginn des neuen Jahres an ihre Nachfolgerin Christine Wetzel übergibt, ist bereits bekannt. Bis dahin nimmt sie jedoch sämtliche Einsätze wahr, die im Chor-Terminkalender 2016 vermerkt sind. Trotzdem lag ein Hauch von Abschied über dem Konzert, das die Besucher in der prall gefüllten St. Johanneskirche mit Beifallsstürmen feierten.

Erleuchtetes Kirchenschiff

Bei ihrem Einzug durch das von Kerzenschimmer erleuchtete Kirchenschiff erinnerten die Sängerinnen musikalisch an die besinnlichste Zeit des Jahres: „Wir sagen euch an den lieben Advent.“ Plötzlich erstrahlte der Altarraum in gleißender Helligkeit und die jüngsten Mitglieder boten den federleicht gesungenen, fein modulierten Chorsatz „Im Advent ist ein Licht erwacht“. Mit Tabea Dorn und Fiona Skuppin lösten sich die ersten der vielen Solistinnen aus dem Chor und riefen als Duett dazu auf „Bereitet den Weg des Herrn“.

Mit ausdrucksvollem Sopran interpretierte Letizia Deiß die Arie „Wie lieblich ist der Boten Schritt“, wobei Veronika Burths Geige die Singstimme hurtig umspielte und Orgeltöne einen dezenten Klanghintergrund woben. Der Hauptchor stellte mit dem Stück „Peace of God“ des englischen Komponisten John Rutter einmal mehr seine herausragende Gesangskultur unter Beweis. Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys „Veni Domine“ begleitete Volker Braig das Trio Jeanette Mergenthaler, Anna Haberbosch und Rebecca Sugg auf der Chor-Orgel.

Sein Kollege Matthias Burth hatte sich derweil auf die Empore zur großen Klaisorgel begeben. Dort intonierte er zusammen mit seiner Schwester, der Geigerin Veronika Burth, Max Regers „Romanze für Violine und Orgel“, wobei die Instrumente überaus achtsam aufeinander eingingen. Als Kontrastprogramm folgten die mächtigen Orgelklänge des Choralvorspiels über „Wachet auf“. Mit „Alma redemptoris mater“ von Pedro Pompeo Sales gestalteten die Sopranistin Viktoria Matt und Rebecca Sugg, Alt, eine bezaubernde Hymne an die Gottesmutter, einfühlsam begleitet von den Streichinstrumenten der Kammerphilharmonie Oberschwaben.

Herzstück des Abends

Das Orchester war auch beim nächsten Stück, Mozarts „Laudate dominum“, im Einsatz und umrahmte die klare, tragfähige Sopranstimme von Theresa Heinzelmann, der sich auch der Chor zugesellte. Mit einem überaus ruhigen, monochrom gespielten Orgelsatz „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach beschloss Organist Volker Braig den ersten Konzertteil. Daran schloss sich das Herzstück des Abends, Michaels Haydns „Vesperae in Festo SS. Innocentium“, deren verschollene Noten Waltraud Marschall in der Salzburger Nationalbibliothek aufgespürt hatte.

Der Chor, die Solistinnen - darunter auch Mareike Hoffmann, Rhoda Frey, Jutta Weber, Theresa Bleicher und Liil Worf - sowie Orchester und Orgel schufen daraus ein mitreißendes Abendlob in fünf Teilen. Den Schluss setzte ein prachtvolles Magnificat, das in einem strahlenden „Amen“ endete. Nach Sekunden anhaltender Stille verkündete mächtiges Glockengeläut das Ende des Konzerts. Der nicht enden wollende Beifall erbrachte zwei Zugaben, wobei das wunderschön gesungene „Tochter Zion“ die Besucher wieder in den Advent zurückgeleitete.

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