Verantwortung für sich und sein Umfeld übernehmen

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Rund um die Themen Gesundheit und Prävention dreht sich alles im Stadtforum in Bad Saulgau.
Rund um die Themen Gesundheit und Prävention dreht sich alles im Stadtforum in Bad Saulgau. (Foto: Fotos: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Neben dem verkaufsoffenen Sonntag und der Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum ist am Sonntag auch das Gesundheitsforum Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher gewesen. Aufschlussreiche Vorträge und zahlreiche Infostände rund um die Themen Gesundheit und Prävention standen im Stadtforum im Mittelpunkt. Und natürlich das Gespräch. Schließlich gab es ausreichend Zeit, um Fragen in entspannter Atmosphäre zu beantworten.

Auch die Referenten der Fachvorträge nahmen sich der Fragen und Anliegen der Besucher an. Los ging es schon vormittags mit Tipps und Hinweisen rund um Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Kind, mit Informationen für werdende Eltern oder mit Versorgungsmöglichkeiten in der letzten Lebensphase. Michael Schmid von der Suchtberatungsstelle Sigmaringen thematisierte in seinem Kurzvortrag Doping im Alltag. Und räumte mit dem Vorurteil auf, dass Suchtberater grundsätzlich alles verbieten. Solange der Konsum von Kaffee oder Bier etwa mit großem Genuss verbunden sei, spreche nichts dagegen, diese Getränke zu sich zu nehmen. Wenn jedoch ein bestimmtes Ziel damit verbunden sei, etwa die Kompensation von unangenehmen Gefühlen, dann müsse man „genau hinschauen“. Das sei auch dann der Fall, so Schmid, wenn konsumiert werde, obwohl man um die schädliche Wirkung wisse.

Aus seinem Berufsalltag wusste der Referent, welchen Anteil der immense Leistungsdruck heutzutage am Missbrauch von Genussmitteln hat. Früher hätte es viel mehr Zeitfenster gegeben, um sich beispielsweise mit den Kollegen auszutauschen. „Irgendwann ist die Leistungsfähigkeit einfach erschöpft“, sagte er und empfahl etwa, die Müdigkeit am Freitagabend einfach mal zuzulassen anstatt gleich wieder aktiv zu werden. 75 Prozent seiner Klienten hätten Alkoholprobleme. Deshalb den Alkohol einfach verbieten? So einfach sei das nicht. Schmid erinnerte nicht zuletzt an die mächtige Spirituosenindustrie und auch daran, dass es „noch nie eine rauschfreie Gesellschaft gab“. „Jeder muss bei sich selber anfangen und auch Verantwortung für sein Umfeld übernehmen“, so der Suchtexperte, „gesellschaftliche Umbrüche kommen immer von unten“. Der Referent machte auch Mut: Jede Verhaltensweise, jede Konsumgewohnheit lasse sich mit entsprechender Begleitung und Therapie ändern.

Schnell belegt waren auch die Sitzplätze bei Michael Traub. Der Diplom-Sportlehrer gab viele Tipps für einen gesunden Rücken. Ein wesentlicher Punkt sei hier, die Balance zwischen Be- und Entlastung zu finden. Und auch die Fähigkeit, seine ganz eigene innere Stimme wahrzunehmen. Nach einer theoretischen Einführung wurde fleißig geübt, der Atem beobachtet oder auch die Bauchspannung. „30 Minuten gezielte Bewegungen täglich reichen aus“, sagte der Referent. Wenig später begab sich Dr. Jürgen Wagner von der Klinik am schönen Moos auf die Spuren nach dem Geheimnis der Seele und erläuterte das tiefgreifende Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele. Nachmittags ging es dann weiter mit Vorträgen zu den Themen Darmkrebs, neue Therapiemöglichkeiten bei Diabetes, ambulante Operationen und vielem mehr.

Selbshilfegruppen beteiligen sich

Im großen Saal reihte sich ein Infostand an den anderen. Auch Selbsthilfegruppen waren wieder mit dabei. Am Stand der Borreliose-Selbsthilfe-Gruppe Oberschwaben-Bodensee-Allgäu gibt es nicht nur Tipps, was nach einem Zeckenstich zu tun ist. „Egal, um welche Krankheit es geht, das Wichtigste ist ein stabiles Immunsystem“, sagte Hanne Leonhardt. Und dafür kann man viel tun: Positiv denken zum Beispiel. Aber auch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung unterstützen den Prozess. Deutlich mehr Entspannung im Alltag und Zeiten der Stille tun ein Übriges. Gegen FSME, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, könne man sich impfen lassen, so die Vertreterin der Sellbsthilfegruppe. Gegen Borreliose jedoch nicht. Nahezu in jedem Impfstoff sei Aluminium enthalten. Das sah Hanne Leonhardt kritisch. Aluminium werde unter anderem mit Autismus und der Alzheimer-Krankheit in Verbindung gebracht.

Während es in vielen Bereichen an hilfreichen Informationen mangelt, gibt es an anderen Stellen zu viel. Bei jungen Müttern etwa. „Die sind oft überinformiert, und das erzeugt große Unsicherheiten“, sagte die Elternbegleiterin und Pilatestrainerin Julia Rauch. Familienbegleiterin Gerlinde Frühbauer sah das nicht anders: „Dabei geht ganz schnell das eigene Bauchgefühl verloren“. Stattdessen zeige sich zunehmend Perfektionismus. Deshalb müssten Körper und Seele wieder in Einklang gebracht werden. Eine gute Gelegenheit bietet sich dazu am 17. November beim Gesundheitstag in der Sonnenhof-Therme. Roswitha Münst warb dafür am Infostand und schwärmte von der großen Heilkraft des Thermalwassers. Auch am Stand der SRH-Kliniken wird nachgefragt, beraten und erklärt. Hier gibt es Endoprothetik zum Anfassen, aber auch Informationen über das gesamte Leistungsspektrum der Einrichtung.

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