Trommelfelle angenehm strapaziert

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Die Band „Noisepollution“ heizt dem Publikum im Bohnenstengel ein.
Die Band „Noisepollution“ heizt dem Publikum im Bohnenstengel ein. (Foto: Fotos: Katrin Liedtke)
Katrin Liedtke

Fröhlich und voller Leben hat sich am Samstagabend die Innenstadt Bad Saulgaus präsentiert. In 17. Auflage stieg in zehn Lokalen die beliebte Musiknacht. Organisiert von der Tourismusbetriebsgesellschaft (Tbg) ist sie mittlerweile im Veranstaltungskalender fest verankert.

Zu einem sehr moderaten Preis berechtigte das Eintrittsbändel zum Besuch aller beteiligten Lokale. Die meisten Gäste nutzten die Gelegenheit denn auch, um an wechselnden Orten Bands ganz unterschiedlicher Musikrichtungen zu lauschen. Der Reiz der Veranstaltung liegt eben gerade darin, dass jeder etwas Passendes finden kann, ganz gleich, welche Musik er bevorzugt.

Seit 30 Jahren im Geschäft, versprühte im Franziskaner die Partyband „Short Stop“ Stimmung. Bei den rockigen Klängen der Riedlinger konnte wohl kaum einer im Publikum die Füße still halten. „Wir waren vor drei Jahren schon einmal hier bei der Musiknacht und waren begeistert“, sagte Sabine Tritschler, die mit ihrem Mann extra aus Schwieberdingen bei Ludwigsburg angereist ist. Sie haben eine Übernachtung gebucht, um ein zweites Mal in den Genuss zu kommen.

Schwer beeindruckt haben auch „Noisepollution“ aus Schwäbisch-Hall, die im Bohnenstengel keineswegs für Lärmbelästigung sorgten, auch wenn ihr Name das befürchten ließ. Trotz ihres jugendlichen Alters war der Auftritt der drei Musikstudenten von absoluter Professionalität geprägt. Witzigerweise tragen sie alle den Vornamen Jonas. „Die Jungs haben wir bereits vor einem Jahr kennengelernt und finden sie einfach umwerfend“, sagte Salvi Lia aus Stutensee bei Karlsruhe. Er ist eigentlich nach Bad Saulgau gekommen, weil er demnächst eine Kur hier antreten wird und sich die Kliniken ansehen wollte. Die Musiknacht war gewissermaßen das Sahnehäubchen, das seinen Aufenthalt krönte. Das Städtle brachte ihn geradezu ins Schwärmen.

Im Sternen verbreitete Daniel „Earl“ Unger unglaublich gute Laune. Was der Aulendorfer auf der Mundharmonika drauf hat, macht ihm so schnell keiner nach. Kein Wunder, hat er doch schon mit fünf Jahren auf ihr zu spielen begonnen. Mit überbordender Spielfreude und in teils atemberaubendem Tempo brachte er nicht nur die Saiten seiner Gitarre zum Schwingen, sondern ganz offensichtlich auch die Herzen der Zuhörer. Es wurde getanzt, geklatscht, gejohlt. Beim „Lazy Song“ sang Lisa Teufel zu seiner Mucke – ihr erster öffentlicher Auftritt.

„Heavens5“ im Haus am Markt mussten an diesem Samstagabend auf den Earl verzichten, der eigentlich auch zu ihnen gehört. Die Familienband aus Aulendorf dominierte den Marktplatz, denn ohne geöffnete Fenster hätte man hier schwerlich überlebt. Die Menschen standen dicht gedrängt, es war heiß, der Kunstnebel tat ein Übriges. Die Stimmung aber war einfach unbeschreiblich; wo immer der Platz es zuließ, wurde getanzt. „Eigentlich leide ich ja an Rheuma, und die Jüngste bin ich auch nicht mehr“, sagte Claudia Porsche-Lia in einer kurzen Verschnaufpause.

Auch gegenüber, in der Kostbar, gefiel es dem Publikum gut. Die vier Musiker von „Little Big Bang“ begeistern schon seit 15 Jahren. Sie gaben Hits zum Besten, die ins Ohr und ins Blut gingen, gefühlvoll, kraftvoll, virtuos.

Bei Kerzenlicht und in entspannter Atmosphäre schmeichelte „Mr. FriZz Pianoman“ alias Friedemann Benner im Dreikönigskeller den Ohren. Der Vorsitzende des Jazzvereins Bad Saulgau, nach 40 Jahren Berlin zurück in der Heimat, hatte eigens seinen Flügel mitgebracht. Begleitet von Karl Friedrich von Hohenzollern am Saxophon, vermochte das Multitalent aus Riedlingen kraft seiner ausdrucksvollen Stimme und bravourösem Spiel auch den verwöhntesten Hörer zu begeistern. Es war sein erster gemeinsamer Auftritt mit dem Fürsten, die beiden hatten sich erst im Januar kennengelernt.

Am treffendsten lässt sich der wunderbare Abend mit einem Zitat von Friedrich Wilhelm Nietzsche zusammenfassen: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“

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