Tonreinheit und wohlklingende Stimmen

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 Die St. Johanneschorknaben erhalten für ihr Konzert in der Stadtpfarrkirche viel Beifall.
Die St. Johanneschorknaben erhalten für ihr Konzert in der Stadtpfarrkirche viel Beifall. (Foto: Albert Drescher)
Wolfgang Lohmiller

Ein hervorragendes Konzert haben die St. Johanneschorknaben am Sonntagabend unter ihrem Dirigenten Volker Braig in der Bad Saulgauer Stadtpfarrkirche geboten. Mit Martina Wolf am Klavier und Matthias Burth an der Orgel hatten sie zwei sehr gute Solisten engagiert.

Tonreinheit und wohlklingende Stimmen braucht man bei diesem Chor nicht mehr extra hervorzuheben. Dies ist aber nicht selbstverständlich, zumal da mit jedem Schuljahr neue Jungen eingeübt werden müssen. Deshalb gebührt den Stimmbildnerinnen Christine Braig, Dorothée Schweizer und Theresa Heinzelmann eine besondere Anerkennung. Die hohe Homogenität des Chors und die Fähigkeit, Gefühle interpretatorisch auszudrücken, ist eine besondere Leistung des Dirigenten Volker Braig. Martina Wolf am Klavier und Matthias Burth an der Orgel unterstützten die Chorstücke gekonnt.

Erst leise, dann in sich gekehrt

Die ersten Choräle waren Psalmversen gewidmet. Beim „Ecce Sacerdos magnus“ spürte man die Freude des Volks, dem der Herr einen neuen Hohenpriester wachsen ließ. Ein zeitgenössisches „Laudate Dominum“ erklang triumphal, bei „This is the day“ von John Rutter begann der Knabenchor leise, das ganze Werk erklang in sich gekehrt, wuchs heran bis zum „The Lord himself is thy keeper“.

In den folgenden Motetten ging es um Christus, das Geheimnis des Kreuzes und seiner Auferstehung. Erschütternd erklang Bruckners „Christus factus est“ mit seinen diffizilen Harmonien. Der Chor sang aufbrausend, dann wieder in sich gekehrt. In dem Kreuzrhythmus „Vexilla regis“ hat Bruckner einen gregorianischen Choral neu aufgearbeitet. Das lateinische Werk des Gesamtchors wechselte mit gregorianischen Versen, die der Gregorianik-Chor auf Deutsch präsentierte. So entstand eine eindrucksvolle Gesamtkomposition aus alt und neu, das auch innerlich bewegte.

Dazu passte das Intermezzo A-Dur, das Martina Wolf am Klavier spielte: meditativ, zuweilen auch aufbrausend, stets mit schönem Klavieranschlag. Auf die Motetten über die Kreuzigung Christi musste natürlich auch seine Auferstehung folgen. Beeindruckend war die fugenhafte Interpretation des ältesten deutschprachigen Kirchenliedes durch Carl Thiel. Die nächsten Gesänge waren Maria gewidmet: In „Tota pulchra est Maria“ vertonte Bruckner ein Gebet aus dem vierten Jahrhundert. Es bildete sich ein Zwiegespräch zwischen einer gregorianischen Solostimme, formvollendet gesungen von Daniel Ostermaier und dem Gesamtchor. Das „Magnificat“ wurde zweimal dargestellt: Engagiert und gläubig sangen die Männer Dysons „My soal doth magnify the lord“. Beeindruckend war auch Shephards „Song of Mary“.

Auf einen eindrucksvollen Segenswunsch von Rutters „The Lord bless you and keep you“ folgten Werke über das Jesuswort „Tu es Petrus“. Einer wunderschönen gregorianischen Darstellung durch die Schola folgte die Toccata „Tu es petra et portae inferi non praevalebunt adversus“. Das meist tosende Spiel von Matthias Burth auf der Klais-Orgel war höchst beeindruckend, wobei die ruhige Hauptmelodie stets zu hören war.

Den Abschluss des Konzerts bildete ein Werk von Friedrich Liszt über die Gründung der Kirche. Bestimmend erklang das „et portae“, leise und nachdenklich dagegen das „Amas me?“.

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