SWR-Moderatorin freut sich auf Heimatbesuch

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 Die gebürtige Bad Saulgauerin Evelin König moderiert seit mehr als 20 Jahren das Ratgebermagazin ARD-Buffet. Am Samstag, 16. Mä
Die gebürtige Bad Saulgauerin Evelin König moderiert seit mehr als 20 Jahren das Ratgebermagazin ARD-Buffet. Am Samstag, 16. März, moderiert sie den Festakt anlässlich 1200 Jahre Bad Saulgau. (Foto: SWR/Peter A. Schmidt)
Redaktionsleiter

Journalistin mit Leib und Seele: Die gebürtige Bad Saulgauerin Evelin König moderiert die SWR-Sendung Kaffee oder Tee und das ARD-Buffet. Am Samstag, 16. März, kehrt sie anlässlich 1200 Jahre Bad Saulgau zurück in ihre Heimat. Die 53-Jährige moderiert dann den Festakt in der Stadthalle. SZ-Redakteur Dirk Thannheimer hat sich mit ihr über ihre Wurzeln, ihre Arbeit und ihr Engagement für Europa unterhalten.

Frau König, freuen Sie sich schon auf ihre Moderation in Bad Saulgau?

Ja, sehr. Ich wurde bereits Ende 2018 gefragt, ob ich die Moderation für den Festakt übernehme und habe gerne zugesagt. Es ist eine große Ehre für mich. Ich habe mich schon entsprechend vorbereitet und muss die Details noch mit Kulturamtsleiter Andreas Ruess abstimmen.

Wann waren Sie denn das letzte Mal in Bad Saulgau?

Das war im Juli vergangenen Jahres beim Geburtstag meiner Mama, die in Bad Saulgau wohnt. Wir haben uns dann gemeinsam den Festzug des Bächtlefests angeschaut. Die Vielfalt des Festzugs, die Liebe zum Detail und die vielen Kinder, die dort mitwirken, sind wirklich beeindruckend. Ich war selbst bis zum Abitur dabei und habe noch schöne Erinnerungen daran. Ansonsten schaffe ich es aus zeitlichen Gründen einfach nicht so oft nach Bad Saulgau.

Sie wohnen seit vielen Jahren in Baden-Baden mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen – 15 und 17 Jahre alt. Da lässt es sich doch sicher auch gut leben?

Ja natürlich. Baden-Baden ist ein schöne Stadt. Aber ich sage immer wieder. Baden-Baden ist mein Zuhause, Bad Saulgau meine Heimat. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich nach Bad Saulgau fahre.

Mit wem haben Sie sich denn am Samstag nach dem Festakt verabredet, um über alte Zeiten zu reden?

Es gibt ja anschließend einen Stehempfang, bei dem ich sicherlich viele Bekannte treffen werden. Es bestehen immer noch Kontakte zu dem ein oder anderen. Ich freue mich wirklich total auf ein Wiedersehen mit vielen Bad Saulgauern.

Die Stadt feiert 1200 Jahre. Wozu können Sie denn Bad Saulgau gratulieren?

Ich wohne zwar in Baden-Baden, bin aber trotzdem auf dem Laufenden. Die Stadt entwickelt sich wirklich prächtig. Oberschwaben hat eine begnadete Landschaft, die Stadt ist gut aufgestellt mit ihren Kliniken, mit ihrem Gewerbe, mit ihrem kulturellen Angebot. Die Menschen sind hier verwurzelt, sie mögen ihre Heimat. Und tun auch was für sie – das ist doch großartig.

Sie haben 1985 Ihr Abitur am Störck-Gymnasium gemacht. Wussten Sie damals schon, was Sie beruflich machen wollen?

Eigentlich hatte ich vor, etwas in Richtung Kultur zu machen – so in Richtung Kulturmanagement. Aber es kam ja dann doch anders.

Sie haben Kulturwissenschaften, Germanistik und Kulturgeschichte studiert. Wie sind Sie denn letztendlich zum SWR gekommen?

Ich sammelte schon während des Studiums erste Erfahrungen als Reporterin beim Südwestfunk in Baden-Baden und im Landesstudio Tübingen. Mein erster Radioauftrag war eine Umfrage in Bitz. Dort gelten die Menschen eher als wortkarg. Als ich dennoch gute Originaltöne mit ins Studio gebracht habe, war der Einstieg beim Radio geschafft und ich durfte weiter mitarbeiten. Es folgte ein Volontariat beim SWR. Seither bin ich dort als Freiberufler beschäftigt.

Und zwar äußerst erfolgreich. Sie sind bekannt als Moderatorin vom ARD-Buffet und der SWR-Sendung Kaffee oder Tee? Was machen Sie lieber?

Ich mag beide Formate, wobei ich das ARD-Buffet seit mehr als 20 Jahren moderiere. Das ist wie ein großes Geschenk, über das ich mich jedes Mal freue, weil ich die Sendung sehr gerne moderiere. Aber auch Kaffee oder Tee? will ich nicht missen, weil ich in der längeren Sendung mehr Zeit habe, mich auf die Menschen einzulassen. Und ich darf auch ein bisschen schwäbisch schwätzen, was in einer Sendung der ARD, wo mich auch Zuschauer in Berlin oder Kiel verstehen müssen, nicht geht. Insgesamt fühle ich mich in dieser Serviceschiene sehr wohl.

Wie reagieren denn die Zuschauer, wenn Sie hin und wieder im Dialekt moderieren?

Ich bekomme E-Mails von Zuschauern, die es sehr schätzen, wenn da jemand Dialekt spricht und dazu steht. Das verleiht der Sendung noch mehr Authentizität.

Jede Sendung muss gut vorbereitet sein. Wie viel Zeit investieren Sie in das Schreiben von Moderationstexten?

Ich will für jede Sendung gut vorbereitet sein und stehe morgens früh auf, um meinen Text zu schreiben. Wenn ich etwas mache, will ich es auch gut machen. Jede Sendung steht für sich. In jeder muss ich zeigen, was ich kann.

Sie sind mit SWR-Radiomoderator und Comedian Michael Wirbitzky verheiratet. Ist er Ihr schärfster Kritiker?

Er schaut schon genau hin und mir ist seine Meinung auch wichtig – wichtiger als die von anderen. Und klar reden wir über unseren Beruf, ob wir eine Thema zu groß gefahren haben oder ein anderes Thema zu wenig berücksichtigt haben. Wir sind beide Journalisten und tauschen uns entsprechend aus.

Sie engagieren sich auch für die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“, die sich für ein vereintes Europa einsetzt. Was ist dabei Ihre Motivation?

Bei „Pulse of Europe“ geht es darum, sich aktiv für Europa einzusetzen und Europa wieder mit positivem Image und Leben füllen. Die EU ist mehr als eine Vorschriftenmaschinerie. Europa ist vor allem und in erster Linie ein Friedensprojekt. „Pulse of Europe“ ist eine überparteiliche und unabhängige Initiative, die sich in vielen Städten und Ländern nach dem Brexit-Referendum und der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten formiert hat. Mir ist ein großes Anliegen, mich für Freiheit und Frieden in Europa einzusetzen. Gerade als Journalistin weiß ich, wie wichtig es ist, frei denken und schreiben zu dürfen. Man sieht es gerade am Beispiel der Türkei. Es gibt in einigen Ländern nationalistische Tendenzen – bei dieser Europawahl geht es um mehr. Ich kann nur motivieren: Leute geht wählen. Die, die Europa erhalten und verbessern wollen, müssen mehr sein, als die, die es zerschlagen wollen.

Sie sind 53 Jahre alt, haben einen Traumberuf, sind verheiratet und haben zwei Kinder. Haben Sie dennoch andere Pläne in ihrem Leben?

Das kann man so nie genau sagen. Es gibt keinen Siegel für die Ewigkeit, aber ich übe meinen Beruf mit Leidenschaft aus. Früher wäre es nicht denkbar gewesen, dass Frauen über 50 noch eine Fernsehsendung moderieren. Da ist ein anderes Rollenverständnis entstanden. Mit 53 Jahren bringe ich reichlich Lebenserfahrung mit, kann den Zuschauern auch mit Glaubwürdigkeit auf Augenhöhe begegnen.

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