Stadtwerke erhöhen Preise bei Gas und Strom

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 Die Zeiten sinkender Gaspreise bei den Stadtwerken in Bad Saulgau sind vorbei.
Die Zeiten sinkender Gaspreise bei den Stadtwerken in Bad Saulgau sind vorbei. (Foto: Jörg Sarbach, dpa)
stellv. Redaktionsleiter

Steigende Einkaufspreise bei Gas und Strom werden die Kunden der Stadtwerke im kommenden Jahr zu spüren bekommen. Gravierend sind die Erhöhungen beim Gas. Basiskunden müssen – je nach Verbrauch – zwischen 126 und 252 Euro im Jahr mehr für den Gasbezug bezahlen, das sind Erhöhungen zwischen 12,76 und 13,75 Prozent. Auch der Strompreis wird erhöht. Hier müssen zwischen 3,6 und 4,5 Prozent mehr bezahlt werden. Der Technische Ausschuss stimmte den vorgeschlagenen Erhöhungen des Grundpreises zu. Über die Preise der Treuekunden entscheiden die Stadtwerke in eigener Verantwortung.

Die satten Aufschläge bei den Grundtarifen nutzte die Betriebsleitung der Stadtwerke, um für die Treuetarife des städtischen Energieversorgers zu werben. Durch einen Einstieg in die Tarife mit längerer Bindefrist lassen sich die Erhöhungen reduzieren. Neu ist, dass Treuekunden, die innerhalb der nächsten zwei Jahre auf einen Wechsel zu einem anderen Versorger verzichten, eine Gutschrift über 50 Euro auf die Gasrechnung bekommen.

Die Zeit der Preissenkungen beim Gas ist bei den Stadtwerken zumindest vorläufig vorbei. Waren es in den vergangenen Jahren beim Strom vor allem Umlagen, wie die EEG-Umlage zur Förderung regenerativer Energien, die für Preiserhöhungen sorgten, spielen diese in diesem Jahr sogar eine mäßigende Rolle. Um 0,387 Cent je Kilowattstunde reduziert sich der Anteil der EEG-Umlage am Strompreis. Um 0,144 Cent reduzieren sich alle staatlichen Umlagen zusammen. Preistreiber – bei Gas und bei Strom – sind im kommenden Jahr die Beschaffungskosten.

Die Steigerungen bei den Gaspreisen sind horrend. „2019 liegt der Durchschnittspreis um 28 Prozent höher als im Vorjahr“, sagt Martin Träger, der bei den Stadtwerken für das Marketing und damit auch für die Beschaffung verantwortlich ist. Die Stadtwerke haben in der Zwischenzeit ihr Beschaffungssystem umgestellt. Statt über die EnBW-Tochter Erdgas Süd ist das Unternehmen Scherbeck aus Köln als Berater der Stadtwerke eingestiegen. Damit sind die Stadtwerke bei der Beschaffung flexibler. „Die Beschaffung hat eine strategische Bedeutung“, so Träger im Gespräch nach der Sitzung.

Teure Strombeschaffung

Auch beim Strom wirken sich die steigenden Preise auf dem Energiemarkt aus. Trotz einer langfristigen Beschaffungsstrategie erhöhen sich die Energiekosten bei den Stadtwerken um 32,3 Prozent. Im mittleren Verbrauchssegment kann das bei Strom- und Gaskunden Mehrkosten von rund insgesamt 200 Euro im Jahr bedeuten, vorausgesetzt, es werden Strom und Gas über die Stadtwerke bezogen und es wurde kein Treuetarif abgeschlossen.

Dass die Stadtwerke daran arbeiten, die Zahl mit Treueverträgen weiter zu erhöhen, machen die ebenfalls diskutierten Vergünstigungen bei Treueverträgen deutlich. Über die Preise der Treueverträge entscheiden die Stadtwerke in eigener Verantwortung, weil es sich dabei um einen Wettbewerbspreis handelt. Zwar müssen Treuekunden ebenfalls prozentual im gleichen Verhältnis mehr bezahlen, erhalten aber Vergünstigungen. Der Unterschied zu den Grundverträgen: Beim Treuevertrag bindet sich der Kunde für eine gewisse Zeit an die Stadtwerke, beim Grundvertrag ist ein schneller Wechsel zu einem anderen Anbieter möglich. „Wir wollen die Kundenbindung erhöhen“, sagte der Erste Beigeordnete und kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke, Richard Striegel.

So verzichten die Stadtwerke bei den Treuekunden die Weitergabe von Kosten in Höhe von 0,1 Cent je Kilowattstunde. Ein Kunde mit einem mittleren Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr würde in diesem Jahr nicht 168, sondern 142 Euro mehr bezahlen. Statt der Erhöhung von 13,2 würde die Zusatzbelastung nur 12,15 Prozent betragen. Bleiben Kunden der Stadtwerke zwei Jahre treu, werde es außerdem im Jahr 2020 eine Gutschrift in Höhe von 50 Euro auf die Gasrechnung geben. Betont wird außerdem, dass Kunden der Grundversorgung die Erhöhung abmildern können, wenn sie einen Treuevertrag abschließen. „Ich glaube, das ist ein faires Angebot“, so Träger. Inzwischen seien die Treuekunden in der Mehrheit, so Richard Striegel. Nur noch 42 Prozent hätten einen Vertrag zur Grundversorgung.

Sprung nach Preisnachlässen

Richard Striegel betonte, dass die Stadtwerke in den vergangenen Jahren Einsparungen immer wieder weitergegeben habe und den Gaspreis über mehrere Jahre senken konnte. „Wenn wir das nicht getan hätten, wäre jetzt die Erhöhung nicht so groß“, so der Erste Beigeordnete.

Stadtrat Martin Härle hatte sich bei den Stadtwerken in der Region umgeschaut. „Auch mit dieser Erhöhung liegen wir beim Preis noch unter dem der meisten, mit Ausnahme von Sigmaringen“, sagte er. Ein Zusammenschluss zu einer größeren Einheit, um bessere Preise zu erreichen, regte Ernst Buck an. Bei der Preisbildung komme es eher auf die Strategien und auf einen Abschluss zum richtigen Zeitpunkt als auf die Mengen an, so Martin Träger.

Für die kommenden Jahre rechnet Martin Träger wieder mit einer „Glättung“ der Einkaufspreise. Richard Striegel betonte abschließend die Treue der Kunden zu ihren Stadtwerken. Striegel: „Unser Geld bleibt in der Stadt“, betonte er die Nähe zur Region. Allerdings lasse auch die in nachkommenden Generationen nach. Deshalb tue Marketing not: „Nicht tun geht nicht“, sagt Martin Träger. Er will die Kundenbidnung weiter stärken.

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