Stadtbrandmeister: „Einsatzfahrten birgen Risiken“

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Der Fahrer des Notarztwagens erfasst einen Rollerfahrer im Einsatz. Auch bei Einsatzfahrten gilt die Straßenverkehrsordnung.
Der Fahrer des Notarztwagens erfasst einen Rollerfahrer im Einsatz. Auch bei Einsatzfahrten gilt die Straßenverkehrsordnung. (Foto: Dirk Thannheimer)
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Der 39-jährige Rollerfahrer, der am Mittwoch an der Kreuzung Gutenbergstraße/Störckstraße in Bad Saulgau von einem Notarztwagen erfasst worden war, ist außer Lebensgefahr. Bei dem Unfall prallte er mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe des Notarztwagens, dessen Fahrer zu einem Einsatz unterwegs war und dem Rollerfahrer die Vorfahrt nahm. Er fuhr mit Blaulicht, schaltete das Martinshorn aber nicht ein. Bei Einsatzfahrten können zwar Sonderrechte in Anspruch genommen werden, es gelten aber trotzdem die Straßenverkehrsregeln.

Der DRK-Kreisverband Sigmaringen nimmt einen Tag später keine Stellung zu dem Unfall, „da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt“, sagt Nicole Maruhn, Pressesprecherin des DRK-Kreisverbands Sigmaringen. Der Fahrer des Notarztwagens sei ein langjähriger und erfahrener Kollege. Maruhn stellt indes klar, dass in Fällen, in denen der Notarzt selbst an einem Unfall beteiligt ist, die ärztliche Versorgung nicht gefährdet sei. „Es wird sofort jemand anders von einem anderen Standort nachalarmiert“ so Maruhn.

Mit Fehlverhalten rechnen

Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass sich Polizei, DRK oder Feuerwehr bei „ihren Einsatzfahrten nicht darauf verlassen können, dass sie trotz Blaulicht und Martinshorn von den anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werden“. Es müsse jederzeit mit einem Fehlverhalten der Verkehrsteilnehmer gerechnet werden, so Sauter. Der Fahrer bei Einsätzen müsse sein Tempo entsprechend reduzieren, wenn er zum Beispiel eine rote Ampel passiere. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Blaulicht und Martinshorn demnach nur dann verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden. Warum der Fahrer des Notarztwagens am Mittwoch das Martinshorn nicht eingeschaltet hatte, ist derzeit unklar.

Bad Saulgaus Stadtbrandmeister Karl-Heinz Dumbeck nahm den schweren Verkehrsunfall zum Anlass, das Thema Einsatzfahrten nochmal intern zu besprechen, obwohl er das schon häufig gemacht habe. „Bei Einsatzfahrten müssen alle Sinne geschärft und Obacht gegeben werden“, sagt Dumbeck, der seine Fahrer bei Maschinistenlehrgängen schulen lässt, um sie auf solche Situationen vorzubereiten. „Es sind Extremsituationen, bei denen auch Druck auf den Fahrern lastet“, ergänzt Dumbeck, der darauf besteht, dass bei Einsatzfahrten – egal ob am Tag oder in der Nacht – die Warnsignale Blaulicht und Martinshorn an sind. „Es kann immer sein, dass Verkehrsteilnehmer die Einsatzfahrzeuge nicht wahrnehmen, weil sie laute Musik hören, nicht in den Rückspiegel schauen oder abgelenkt sind“.

Die Sonderrechte würden keinen Freifahrtschein im Straßenverkehr bedeuten. Umso mehr erwarte er gebührende Sorgfalt. Denn er weiß aus langer Erfahrung: „Einsatzfahrten birgen Risiken.“ Dumbeck sagt auch, dass er nachvollziehen könne, dass das Martinshorn manchmal ausgeschaltet sei. „Sonst heißt es wieder von den Anwohnern: Was machen die denn für einen Radau?“

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