Schauspieler dürfen den Buchstaben E nicht verwenden

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 Beim Improvisationstheater im Garten des Pflegeheims St. Antonius wechseln die Schauspieler während der Szenen die Rollen.
Beim Improvisationstheater im Garten des Pflegeheims St. Antonius wechseln die Schauspieler während der Szenen die Rollen. (Foto: Liedtke)
Katrin Liedtke

Urkomische Szenen haben sich am Freitagabend im Garten des Seniorenheims St. Antonius in Bad Saulgau abgespielt. Auf Einladung der Heimleitung brachte das Spontantheater Improshnikov aus Weingarten zwischen 50 und 60 Zuschauer zum Lachen.

Wehe, wenn sie losgelassen: Diese Schauspielertruppe hat keinen Bock aufs Auswendiglernen vorgegebener Texte. Vor 16 Jahren gegründet, hat sich das Team mit dem seltsamen Namen dem Improvisationstheater verschrieben. Ohne festen Plan agieren sie aus dem Stegreif, gelenkt durch spontane Vorschläge der Zuschauer. Damit das auch funktioniert, bedarf es überbordender Fantasie, Witz und einer gehörigen Portion Schlagfertigkeit. Musikalisch kongenial begleitet werden die teils grotesken Szenen von Uwe Rodi am Keyboard.

Tempo ist gefragt, wenn der Erzähler der just erfundenen, haarsträubenden Geschichte wechseln muss, sobald Jutta Klawuhn, der Moderation und Spielleitung obliegen, mit den Fingern schnipst. Erschwerend kommt hinzu, dass dabei weder die Artikel der, die, das noch der Buchstabe E vorkommen dürfen. Hernach gilt es, eine nach Publikumswunsch zusammengebastelte Story im Stil verschiedener Genres zu spielen: vom Horror über Romanze und Spionagethriller bis zum Western.

Lehrer wird entführt

Zu absurder Situationskomik führt es auch, als Miriam Kessel als Dame vom Wirtschaftskontrolldienst achtlos in eine nach astronomischen Gesichtspunkten bemessene Kunstinstallation tritt, Till Maurer als Bürgermeister mit Schwäche für die Waldorfschule besagtes Werk einer Brandprüfung unterziehen will und letztlich auch noch beide die Rollen wechseln. Auf die Spitze getrieben wird dies in der Szene vom entführten Lehrer, wo nicht nur diese beiden mitten im Spiel die Rollen tauschen müssen, sondern später durch ein komplett anderes Zweierteam abgelöst werden.

Beispiellose Lachsalven erntet Britta Lutz mit ihrer irrwitzigen Darstellung einer Gebärdendolmetscherin, die mit bizarren Einfällen und vollem Körpereinsatz punktet. Das Gefühlskarussell zwischen Walter Metzger als Malermeister mit kaktusgrünen Augen und Miri Kessel als Auftraggeberin mit Mönchsphobie führt aufgrund der Publikumszurufe, die deren Emotionen bestimmen, zwangsläufig in die Katastrophe statt zu einem Happy End. Nachdem die Heimbewohner die Küche des Hauses zum nächsten Schauplatz erkoren haben, wird dort ein und dieselbe Szene erst nur gespielt, dann mit gereimtem und schließlich mit gesungenem Text versehen, um letztlich in einer schrägen Tanzvorführung zu gipfeln.

Fiktiver Stromausfall

Keine Frage, ohne Zugabe lässt das Publikum die geniale Schar nicht gehen, und so muss Jutta Klawuhn über einen fiktiven Stromausfall schwadronieren, passend zu den Gesten, die Till Maurer statt ihrer vollführt. Bei Improshnikov ist jede Vorstellung einmalig. „Versuchen wir, es zu wiederholen, wird es grottenschlecht“, sagt Maurer. Vom Bad Saulgauer Publikum war die Truppe sehr angetan. „Da war eine Reaktion zu spüren, die Menschen waren berührt – das ist unser schönster Lohn“, fügt Britta Lutz hinzu. Gelüftet wird auch das Geheimnis um ihren Namen: Der setzt sich zusammen aus Improvisation und Kalaschnikov (ein Schnellfeuergewehr).

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