Schätze der Bad Saulgauer Stadtgeschichte

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 Archivarin Mary Gelder (links), ihr Vorgänger Hermann Brändle und Miriam Schübert, Leiterin der Stadtbibliothek, zeigen Schätze
Archivarin Mary Gelder (links), ihr Vorgänger Hermann Brändle und Miriam Schübert, Leiterin der Stadtbibliothek, zeigen Schätze der Bad Saulgauer Stadtgeschichte. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Kein Zweifel, Bad Saulgaus Bürger hegen ein lebhaftes Interesse für ihre Stadtgeschichte. Dies hat auch die unerwartet große Besucherzahl bei der Vernissage des ersten Teils der Jubiläumsausstellung bewiesen, die in insgesamt vier Abschnitten wichtige Stationen der Stadtentwicklung dokumentiert. Ausstellungsforum ist die Stadtbibliothek, wo in Vitrinen Urkunden liegen, die größtenteils aus dem Städtischen Archiv stammen.

„Bad Saulgau macht Geschichte - jede Menge Urkunden“ ist denn auch das bis zum 20. März dauernde Ausstellungssegment betitelt, dessen Herzstücke die beiden Urkunden sind, auf die sich das 1200-jährige Stadtjubiläum bezieht. Sie belegen nämlich, dass Bad Saulgau bereits im Jahr 819 unter dem Namen Sulugon erwähnt worden ist. Der frühere Stadtarchivar Hermann Brändle hat intensiv dazu geforscht und vermittelte den Besuchern in einem Vortrag spannende Details zu den Schriftstücken, die per Powerpoint an die Wand projeziert wurden. Darin wird bestätigt, dass der fränkische Kaiser Ludwig der Fromme, ein Sohn Karl des Großen, Sulugon zusammen mit Mengen und Ennetach als Geschenk dem klösterlichen Stift in Buchau übereignet hat. Allerdings wurde im Laufe der Jahre von manchen Sachverständigen bezweifelt, ob diese Schenkung tatsächlich stattgefunden hat. Denn anhand eines Schriftgutachtens lässt sich nachweisen, dass die bewusste Urkunde kein Original, sondern die Abschrift eines gefälschten Dokuments ist. So soll ein Reichenauer Mönch die Schenkung Sulugons an das Buchauer Stift um das Jahr 1140 in eine alte Urkunde aus dem Jahr 819 eingearbeitet haben.

Der Text ist in lateinischer Sprache verfasst und wurde vom Mengener Stadtarchivar Hermann Eisele ins Deutsche übertragen. Das Fälschen von Dokumenten war zu jener Zeit vor allem in alten Reichsklöstern eine gängige Praxis. Nachdem neu gegründete Ordensniederlassungen mehr Rechte erhielten als die bereits bestehenden, brachte man sich durch Fälschungen in den Besitz der erstrebten Privilegien.

Enge Beziehung zu Klosterfrauen

Zu Bad Saulgaus Glück lässt sich die Schenkung indirekt durch eine zweite Urkunde nachweisen. Diese bestätigt einen Gütertausch zwischen der Äbtissin Irmengardis des Klosters Buchau und Abt Folkwin aus dem Kloster Reichenau. Als dessen Ergebnis erhält das Buchauer Stift vier Güter zinspflichtiger Bauern inklusive der im Dorf Sulugon und dessen Umgebung zu entrichtenden Abgaben. Auch das an der Kaiserstraße liegende, im 15. Jahrhundert vom Kloster gekaufte Buchauer Amtshaus bestätigt die enge Beziehung der Klosterfrauen zu Saulgau. Dort erledigte ein Amtmann bis zur Auflösung des Klosters dessen Geschäfte außerhalb der Klostermauern. Das Buchauer Amtshaus war es auch, das Hermann Brändles Interesse für Bad Saulgaus Stadtgeschichte weckte.

Als Verantwortlicher für die Renovierung des Gebäudes stieß er von Berufs wegen auf Zeugnisse aus der Vergangenheit, und das Aufspüren und Forschen lassen den 83-Jährigen bis heute nicht los. Zeitweise vergräbt sich der frühere Archivar bis zu 14 Stunden täglich in jahrhunderte alte Schriftstücke und Urkunden. Anlässlich des Stadtjubiläums stellt er seine Ergebnisse in einer zweibändigen Chronik vor, die sich einmal mit Bad Saulgaus Stadtgeschichte, zum andern mit der Kirchengeschichte befassen.

Bezüglich des aktuellen Jubiläums ist Brändle eine Feststellung wichtig: Gefeiert wird die erste Erwähnung Bad Saulgaus vor 1200 Jahren, nicht zu verwechseln mit der Stadtgründung, die erst im 13. Jahrhundert erfolgte.

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