Saulishausen: schwitzen und schuften in 22 Betrieben

Lesedauer: 4 Min
Im Krankenhaus der Kinderspielstadt Saulishausen lernen die Kinder, sich gegenseitig zu verarzten.
Im Krankenhaus der Kinderspielstadt Saulishausen lernen die Kinder, sich gegenseitig zu verarzten. (Foto: Fotos: Dirk Thannheimer)
Redaktionsleiter

Wie in der wahren Berufswelt – nur für junge Menschen: 140 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren sind von Montag bis Freitag in der Kinderspielstadt Saulishausen auf dem Schulhof der Brechenmacherschule in Bad Saulgau in 22 verschiedenen Betrieben beschäftigt. Für ihre getane Arbeit bekommen sie Lohn, den sie woanders wieder ausgeben dürfen. 70 jugendliche und erwachsene Ehrenamtliche betreuen die Kinder und sorgen für einen reibungslosen Ablauf.

„Nicht zu schnell sägen“, sagt Karl-Heinz Glückler zu einem Jungen. Und der Junge hört gut zu, wenn ihm Glückler als erwachsener Betreuer in der Schreinerei einen wertvollen Tipp gibt. Es sei zwar manchmal anstrengend mit den Kindern, mache ihn aber total viel Spaß, sagt Glückler. Wer wie der Junge in der Schreinerei fleißig arbeitet, bekommt als Belohnung ein paar Saulis – das ist die Währung in der Kinderspielstadt – ausbezahlt.

Aufführung im Theater

Dieses Jahr entscheiden sich viele Kinder, die Gruppen gebildet haben, für einen Betriebsausflug. 15 Saulis kostet am Mittwoch der Einritt ins Theater, wo die neunjährige Jenna eine Viertelstunde vor Beginn des Aufführung aufgeregt auf die Besucher wartet. „Theaterspielen finde ich toll“, sagt Jenna, die aber auch schon eine Zeitlang im Friseursalon war.

Die Kinder sollen eine Woche lang in Saulishausen möglichst viele der insgesamt 22 Betriebe kennenlernen. Neu sind in diesem Jahr ein Fitnessstudio und ein Saulilabor. Im Fitnessstudio gibt es jeden Tag einen Wettkampf – wer schafft am meisten Klimmzüge an einer Stange, wer am meisten Liegestützen. Und hinterher können sich die Kinder im Wellnessbereich von anderen Kindern massieren lassen – gegen Bezahlung natürlich. Auf eine Polizei in Saulishausen wird dieses Mal verzichtet. „Die brauchen wir nicht, weil sich alle Kinder gut verstehen und alles sehr harmonisch abläuft“, sagt Sandra Hoffmann vom Kinder- und Jugendbüro, das für die Planung und Organisation der Kinderspielstadt zuständig ist.

Außerdem wählen die Kinder jedes Mal einen Bürgermeister, der Regeln aufstellt, an die sich alle Kinder halten sollen. Simon Lübbe, elf Jahre alt, ist in dieser Woche Bürgermeister von Saulishausen. Simon schaut danach, dass es genügend Trinkpausen gibt, dass das Mittagessen nur einen Sauli kostet und dass der Rasensprenkler angemacht wird. „Es ist das mit Abstand heißeste Saulishausen“, ergänzt Sandra Hoffmann. Die Betriebe sind mit Ventilatoren ausgestattet, in der Metallwerkstatt werden die Getränke in einem Kühlschrank aufbewahrt.

Saulishausen ist der Programmpunkt beim Sommerferienspaß, der am schnellsten ausgebucht ist. Von der Nachfrage her könnte Saulishausen zweimal in den Ferien stattfinden. „Wir bräuchten dazu aber viel mehr Material und vor allem noch mehr Ehrenamtliche, die bereit sind, eine Woche am Stück vor Ort zu sein. Das ist alles nicht so einfach“, ergänzt Hoffmann. Die Warteliste ist voll, aber nachrücken konnte niemand, weil alle 140 angemeldeten Kinder erschienen sind.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen