Sänger zeigen Charme und Selbstbewusstsein

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Ein abwechslungsreiches Programm liefern die Männer zum Konzert anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Chors.
Ein abwechslungsreiches Programm liefern die Männer zum Konzert anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Chors. (Foto: liedtke)
Katrin Liedtke

Einen großartigen Erfolg hat der Männerchor Bad Saulgau beim Konzert zum 40-jährigen Bestehen am Sonntag im Stadtforum gefeiert. Mehr als 300 erwartungsvolle Zuhörer zogen den Auftritt der sangesfreudigen Herren dem Finale der Handball-Weltmeisterschaft vor.

Gleich zu Beginn ließ der Vorsitzende Joachim Farger die Bombe platzen: Die Anwesenheit des Chorleiters Volker Bals sei keineswegs selbstverständlich. Um 13.11 Uhr war Bals Vater eines gesunden Jungen geworden, oder wie Farger es witzigerweise formulierte, er habe ihn „zusammen mit seiner Frau auf die Welt gebracht“. Clemens Carl ist das sechste Kind des Ehepaares, und allesamt sind es Jungen. „Wir haben unseren eigenen Männerchor“, sagte Volker Bals, der es noch pünktlich ins Stadtforum schaffte.

Zur großen Freude von Beate Rimmele, die den Chor 1978 gegründet und 21 Jahre lang geleitet hatte, eröffnete er nun den musikalischen Teil mit dem romantischen Schubert-Lied „Die Nachtigall“, die sie schon damals mit ihm einstudiert hatte. Begleitet wurden die Männer dabei von Aya Matsushita am Piano, die gleich noch ein Solo von Debussy folgen ließ. Nachdem schon das erste Stück auf beeindruckende Weise gezeigt hatte, dass der Männerchor Bad Saulgau weit mehr ist als ein Verein begeisterter Hobbysänger, boten die zurzeit 35 Chormitglieder im Anschluss eine Probe ihrer fremdsprachlichen Kenntnisse. Zunächst entzückten sie mit Debussys „Invocation“ (Anrufung) in französischer Sprache, wobei Alexander Schleinitz-Kamps ein wunderbares Tenorsolo zu Gehör brachte. Ein Glücksfall, wenn man bedenkt, dass er wegen einer Erkältung wenige Tage zuvor keinen Ton herausgebracht hatte.

Doch indem sie einen Liederzyklus von Zdeněk Lukáš dann auch noch auf Tschechisch vortrugen, setzten die Sänger dem Ganzen die Krone auf. Auch wenn sie die Aussprache sorgfältig geübt hatten, war dies für die zum Teil nicht mehr ganz jungen Chormitglieder eine echte Herausforderung. „Ich hoffe, keiner der Anwesenden ist des Tschechischen wirklich mächtig“, bekannte Klaus Geray, der die Moderation übernommen hatte, augenzwinkernd. Wie von ihm zu erfahren war, hat der Chor in der Vergangenheit auch schon schwedisch gesungen.

Besonders hervorzuheben ist auch das Violinspiel von Ulrike Bals, Professorin an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Während Gesang in Deutschland meist vom Klavier begleitet wird, fällt dieser Part in Tschechien üblicherweise der Violine zu. Doch nicht nur als Begleitung mehrerer Stücke, auch solistisch trat die Schwester des Chorleiters in Erscheinung. Befragt, was ihnen das Singen im Männerchor und der Verein als solcher bedeute, äußern die Chormitglieder durchweg begeistert, es verschaffe ihnen Spaß, Entspannung, Erholung und ließe sie den oft stressigen Alltag vergessen. Es gebe keinen Leistungsdruck und der Umgang miteinander sei geprägt von echter Kameradschaft ohne Streitereien, man lerne Rücksichtnahme und Achtsamkeit, brächte mehr zuwege, als man allein in der Lage sei.

Nach der Pause folgten Vertonungen schwermütiger und dennoch lebensbejahender Texte Hermann Hesses und Lenaus lyrischer Schilflieder, außerplanmäßig Stücke von Schumann für Klavier und Violine und drei originelle Werke von Wilhelm Heinrichs. Damit der Abend nicht zu brav ausklang, schmetterten die Sangesmannen danach „Männer mag man eben“ in den Saal, mit Textzeilen wie „Wir sind nicht irgendwer...wir sind der Nabel der Welt...“ – Als Überleitung zum Abschiedslied „Muss i denn zum Städtele hinaus“ sagte Volker Bals denn auch: „Nach so viel Selbstgefälligkeit sind wir froh, wenn wir nicht zum Städtele hinaus gejagt werden.“

Der nicht enden wollende Applaus nötigte die beiden stellvertretenden Chorleiter Alexander Schleinitz-Kamps und Johannes Neher ans Pult, und auch eines der tschechischen Lieder wurde wiederholt. Klaus Geray appellierte mit Verweis auf die positiven Auswirkungen des Singens auf die körperliche wie seelische Gesundheit an die Damen, ihre Männer zum Männerchor Bad Saulgau zu schicken. „Bleiben Sie uns die nächsten 40 Jahre treu“, gab er dem Publikum mit auf den Weg, und Joachim Farger sagte: „Seien Sie stolz auf Ihre Männer, die singenden wie die noch nicht singenden.“

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