Romantische Werke enden schmerzvoll und leise

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 Das Bennewitz-Quartett beeindruckt die Zuhörer im Alten Kloster.
Das Bennewitz-Quartett beeindruckt die Zuhörer im Alten Kloster. (Foto: Wolfgang Lohmiller)
Wolfgang Lohmiller

Immer wieder gelingt es Bad Saulgaus Kulturamtsleiter Andreas Ruess, außergewöhnliche Musiker nach Bad Saulgau einzuladen. Das in Prag gegründete Bennewitz-Quartett, das sich nach dem bedeutenden tschechischen Geiger und Pädagogen Antonin Bennewitz (1833 bis 1926) nennt, ist weltweit durch große Auftritte bekannt geworden. Im Alten Kloster Bad Saulgau hat das Quartett am vergangenen Sonntagabend romantische Werke präsentiert.

Das Streichquartett F-Dur op. 41,2 komponierte Robert Schumann zwei Jahre, nachdem er seine geliebte Clara heiraten durfte. Entsprechend schwärmerisch und liebevoll erklang insbesondere das „Allegro vivace“, zuweilen in sich gekehrt, dann wieder aufbrausend. Hoch emotional spielten die Künstler das „Andante quasi Variazioni“ – zuweilen nervös, dann wieder leicht und fein, das „Scherzo: Presto“. Im „Allegro molto vivace“ wurde das Quartett aufbrausend, dazwischen spielte Jakub Fiser an der ersten Violine ein fließend durchgezogenes Thema. Schließlich endete das Werk furios.

Eifersüchtig auf den Klavierlehrer

In seinem Streichquartett „Kreutzersonate“ geht Leos Janacek auf den gleichnamigen Roman von Tolstoi ein. Eine gepeinigte, geschlagene Frau widmet sich dem Klavierspiel. Ihr Mann ist auf den Klavierlehrer eifersüchtig, der mit ihr insbesondere Beethovens „Kreutzersonate“ spielt und ermordet sie schließlich. Alle Satzbezeichnungen enthalten die Anweisung „Con moto“. Höchst emotional begann das „Adagio – Con moto“ – mit schnellen Sololäufen und geradezu hämmernden Pizzicati.

Dazwischen war eine schmerzvolle durchgetragene Melodie zu hören. Scharf und furios erklang der zweite Satz, mal sehnsuchtsvoll, sanft und klagend das „Con moto – Vivace-andante“ , bis es wieder wild und stechend wurde, aber langsam schmerzvoll und leise endete.

Im letzten Satz „Con moto – Adagio – Pi’u mosso“ wurde von Stepan Dolezal am Violoncello ein schmerzvolles Thema vorgestellt, das Stepan Jezek an der zweiten Violine gefühlvoll weiterführt. Immer wieder kam es zu höchsten Emotionen, bis das Werk langsam und schmerzerfüllt endete.

Das letzte große Werk des Abends war Dvoraks Streichquartett G-Dur, das der Komponist unmittelbar nach seiner Rückreise aus den USA 1895 komponierte. Immer wieder wechselte sich eine liebevolle, europäisch klingende Weise jäh mit wilden, synkopischen Tönen ab. Im „Adagio ma non troppo“ entwickelte sich eine schmerzhaft klingende Moll-Melodie zu einem optimistischen Dur, sanfte und tobende Stellen wechselten sich ab, bis alle wieder in der Anfangsmelodie versanken. Auch im „Molto vivace“ hatten wilde, stechende Partien und ruhige Melodien ihren Platz. Wirbelnd und virtuos begann das „Finale“, aber auch hier gab es sehr feine, leidvolle Töne, bis das Werk sein furioses Ende fand.

Das Bennewitz-Quartett vermochte es, diese wechselvollen Gefühlsausdrücke klar gegeneinander zu stellen und doch zu einem Gesamtwerk zu vereinen. Nach riesigen Beifallsstürmen des Publikums spielten die großen Künstler eine „Milonga“, die zwei jüdische Musiker im Konzentrationslager Theresienstadt arrangiert haben. Beide wurden schließlich in Auschwitz ermordet. Entsprechend schmerzvoll und stets emotional präsentierte das Bennewitz-Quartett das Werk.

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