Reiter fühlen sich aus dem Wald ausgeschlossen

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Reiter dürfen nicht mehr in den Wald Galgenholz. Sie fühlen sich deshalb ausgeschlossen.
Reiter dürfen nicht mehr in den Wald Galgenholz. Sie fühlen sich deshalb ausgeschlossen. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Zwei Tage, nachdem der Trimm-dich-Pfad an der Landesstraße in Richtung Fulgenstadt in einen Waldlaufpfad umgebaut und offiziell eröffnet worden war, ist es in genau diesem Wald zwischen einer Reiterin und dem Stadtförster zu einem Streit gekommen. Die Reiterin war mit ihrem Pferd auf einem Waldweg unterwegs, als ihr der Förster mit dem Auto hupend gefolgt sein soll. Sie ritt weiter, der Förster schnitt ihr nach SZ-Informationen den Weg ab und stellte sie zur Rede, weil das Reiten im Wald verboten sei. Wenige Tage vorher soll sie vom Förster bereits verwarnt worden sein. Ihr wurde mitgeteilt, dass der gesamte Wald für die Reiter komplett gesperrt sei.

Polizei kommt hinzu

Der Förster soll nach Aussage der Reiterin das Pferd fünf bis zehn Minuten grob am Zügel gepackt haben und der Frau vorgeschrieben haben, vom Pferd abzusteigen. Die Reiterin blieb jedoch hartnäckig im Sattel sitzen und machte den Förster darauf aufmerksam, dass kein Reitverbotsschild am Waldweg angebracht sei. Zu diesem Zeitpunkt gab es jedoch eine Hinweistafel mit Streckenbeschreibungen für die Waldläufer, auf denen unten rechts in der Ecke das Verbotschild für die Reiter zu erkennen ist. Seit wenigen Tagen gibt es an allen Eingängen in den Wald Verbotsschilder mit einem Durchmesser von etwa 20 Zentimetern. Die Situation im Wald endete damit, dass der Förster die Polizei angerufen hatte und der Vorfall aufgenommen wurde. „Die Reiterin hat eine Ordnungswidrigkeit begangen, weil sie gegen das Landeswaldgesetz verstoßen hat. Sie hat aber gleichzeitig eine Anzeige gegen den Förster wegen Nötigung erstattet“, sagte Edwin Dobler, Pressesprecher der Polizeidirektion Sigmaringen. „Schade, dass es überhaupt so weit gekommen ist“, sagt Bürgermeisterin Doris Schröter.

Der Vorfall im Wald hat unter den Reitern schnell die Runde gemacht. Die Gruppe der Reiter fühlt sich von heute auf morgen aus dem Wald ausgeschlossen. Das Reitverbot trifft sie hart. „Es muss doch eine Möglichkeit geben, dass wir wieder im Wald reiten dürfen“, sagt Anton Heudorfer, stellvertretender Rittmeister der Stadtgarde zu Pferd. Er und viele Reiter hätten ein gutes Verhältnis zu den Joggern. „Wir hatten noch nie Probleme miteinander. Im Gegenteil: Wir pflegen einen freundschaftlichen und rücksichtsvollen Umgang miteinander“, ergänzt Heudorfer, der seit Jahrzehnten im Wald Galgenholz reitet. Die Reiter sind auch deshalb verärgert, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. „Von der Stadt hat mit uns im Vorfeld niemand geredet“, ergänzt Heudorfer.

Die Reiter wollen den Joggern auf ihren Laufwegen nicht in die Quere kommen, sondern stattdessen einen einzigen Reitweg im Wald ausgewiesen bekommen. Das Waldgebiet Galgenholz entspricht dabei genau ihren Vorstellungen. Das Reiten im Wald über eine Distanz von fünf bis sieben Kilometern sei für die Pferde ein Training für die Alltagssituation, so Heudorfer weiter. Außerdem sei der Miehlehof in guter Entfernung.

Bürgermeisterin Doris Schröter will in erster Linie vermeiden, dass es in Zukunft zu weiteren Konflikten wie zuletzt zwischen dem Förster und der Reiterin kommt. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass Reiter, Kurgäste und heimische Jogger oder Spaziergänger nebeneinander existieren können. „Allerdings wird der Bereich für die Reiter deutlich eingeschränkt sein, weil es im gesamten Galgenholz mehrere Wege gibt, zum Beispiel den Geo-Rundweg, einen Nistkastenlehrpfad und sonstige Wanderwege“, so Schröter.

Das Waldgebiet in der Nähe des Kurgebiets sei vor allem bei den Kurgästen beliebt: „Es ist der Aktionsradius unserer Kurgäste.“ Jedenfalls sieht Schröter nach dem Streit zwischen dem Förster und der Reiterin Handlungsbedarf. Wie genau die Lösung oder ein Kompromiss aussehen könnte, weiß sie auch noch nicht. „Ich muss erst noch einmal ein paar Gespräche führen.“

Der Bürgermeisterin ist nicht bekannt, dass jemals ein Pferd beim Ausritt einen Jogger verletzt habe. Dennoch gebe es Probleme, weil die Pferde zum einen die Pfade mit ihren Hufen kaputt machen würden und zum zweiten Pferdeäpfel auf dem Weg liegen würden. „Gerade bei Dämmerung sieht man die Hinterlassenschaften der Pferde nicht“, so Schröter. Thomas Lehenherr, Umweltbeauftragter der Stadt Bad Saulgau, zu den zertrampelten Pfaden: „Es ist einfach gefährlich, wenn die Jogger in ein Loch treten, dass die Pferde in den Boden gemacht haben.“

Die Reiter wehren sich auch gegen diese Vorwürfe, wissen aber von schwarzen Schafen, die sie dadurch in Verruf bringen. „Wir machen die Pferdehaufen selbst weg und achten darauf, dass wir die Pfade nicht zerstören, in dem wir nicht im Galopp reiten, sondern leicht traben“, sagt Heudorfer, der wie allen anderen 20 bis 30 Reiter nun nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll.

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