Probleme sind längst nicht alle aus der Welt

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Hendrike Kösel zeigt einen beeindruckenden Tanz mit einem Kerzenständer auf dem Kopf.
Hendrike Kösel zeigt einen beeindruckenden Tanz mit einem Kerzenständer auf dem Kopf. (Foto: Fotos: Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Nach einem gemeinsamen Frühstück im Klostercafe in Sießen ist das Dance&Fun-Revival ein gelungener Auftakt der Jubiläums-Frauenwoche gewesen: Rund 300 Frauen und Männer haben am Freitagabend im großen Saal des Stadtforums gefeiert und getanzt. Ein kurzweiliges Bühnenprogramm wurde genauso geboten wie ein kurzer Rückblick auf ein Vierteljahrhundert kulturelle und politische Arbeit von Frauen für Frauen.

Bewegende Momente gibt es bei der offiziellen Verabschiedung der Gründungsfrau Doris Gaißmaier. Diesen Part übernimmt Traudl Reuther. Die zweite Vorsitzende des Frauenforums fasst in ihrem Wortbeitrag zusammen, was die Mutter von vier Kindern und in vielen Bereichen engagierte Stadträtin in dieser Zeit geleistet hat. „Deine Energien sind einfach unerschöpflich“, sagt sie anerkennend und schiebt die Frage hinterher, „wie viele Stunden“ ihr Tag denn hätte. „Du hast dich nie verbiegen lassen, zeigst immer Mitgefühl und bist authentisch“, fährt sie fort.

Dass der Abschied allen Beteiligten nicht leicht fällt, ist in diesen emotionalen Minuten zu spüren. Doch gleichzeitig wird der Blick nach vorne gerichtet. Aus gutem Grund: Denn mit dem neuen, nicht weniger engagierten und von vielen Ideen nur so sprudelnden Team wird das Frauenwochen-Projekt auch zukünftig mit viel Leben gefüllt. Das zeigt bereits das aktuelle Programm in seiner ganzen Vielfalt. Gespannt sein darf man deswegen schon auf die 26. Frauenwoche. Da gibt es möglicherweise ganz andere Ansätze.

Solidarität untereinander

Doch an diesem Abend, souverän moderiert von Petra Porath, wird die Neuauflage des Dance&Fun-Abends genossen, es wird bis in die frühen Morgenstunden getanzt, gelacht und sich ausgetauscht. Auch Doris Schröter ist der Einladung gefolgt. In ihrem Grußwort stellt sich die Bürgermeisterin hinter den Internationalen Frauentag, spart aber auch kritische Worte nicht aus und fordert eine stärkere Solidarität unter Frauen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man von Geschlechtsgenossinnen unterstützt wird“, sagt sie, bevor Judith Mutschler mit ihren Vokal-Ensemble die Bühne betritt. Frische und kraftvolle Stimmen von Mädchen und Frauen füllen den Raum.

Judith Mutschler nimmt den Auftritt zum Anlass, sich beim Frauenforum zu bedanken. „Ihr habt uns Jüngeren vieles leichter gemacht“, sagt sie. Überzeugt ist sie auch davon, dass Frauen „einfordern müssen, was ihnen zusteht“. „Sei frech und wild und wunderbar“, zitiert sie die Kinderbuch-Protagonistin Pippi Langstrumpf. Passend dazu endet der Auftritt mit dem Stück „Mädchen“ von Lucilectric. Der bebilderte Rückblick von Doris Gaißmaier lässt die Gäste an der Themenvielfalt der vergangenen Frauenwochen teilhaben. Und macht an nicht wenigen Stellen deutlich, dass diverse Problemstellungen längst nicht aus der Welt sind.

Kerzenständer ist kiloschwer

Worte des Dankes gehen an alle, die die Arbeit des Organisationsteams über all die Jahre zuverlässig und auf vielfältige Weise unterstützt haben, wie etwa die Gleichstellungsstelle des Landkreises, der Kulturbeauftragte Andreas Ruess oder die Grafikerin Eva Hocke. Später entführt Eli Kolthoff von der Puppenbühne Ostrach die Gäste in die mystische Welt des Poi-Schwingens. Bestens gelaunt positioniert danach Hendrike Kösel in glitzerndem Outfit den kiloschweren Kerzenständer auf ihrem Kopf und tanzt trotz allem leichtfüßig zu arabischer Musik. Mit einem tänzerischen Potpourri ganz anderer Art unterhält die Formation Show Dance Delight.

Später wird das Geheimnis des meterlangen knallroten Vertikaltuchs an der Decke des Stadtforums gelüftet. Assistiert von Matthias Döbele, zeigt Alexandra Wirz hier luftartistische Einlagen, die höchste Konzentration verlangen und das Publikum zum Staunen bringen. Ein konträrer Programmpunkt folgt dann mit dem Electric Boogaloo-Tanz von Ali Tunc. Der Tanzstil kommt ohne jede Choreographie aus. Stattdessen wird der eigenen Kreativität und Empfindung gefolgt. Daraus entstehen individuelle und nicht planbare Bewegungsabfolgen, die, so scheint es, höchste Konzentration erfordern. Danach nimmt das Publikum die Tanzfläche vor der Bühne für sich ein und genießt den restlichen Abend mit Ohrwürmern der letzten Jahrzehnte.

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