Ohne Trompete geht Franz nicht aus dem Haus

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Der zwölfjährige Franz Kegler nimmt als Trompeter beim Bundesfinale des Wettbewerbs Jugend musiziert teil.
Der zwölfjährige Franz Kegler nimmt als Trompeter beim Bundesfinale des Wettbewerbs Jugend musiziert teil. (Foto: Dirk Thannheimer)
Schwäbische Zeitung
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Das wichtigste Gepäckstück ist seine Trompete: Mit ihr fährt der zwölfjährige Franz Kegler aus Boms mit seinem Musiklehrer Helmut Müller am kommenden Mittwoch, 16. Mai, zum Bundesentscheid des Wettbewerbs Jugend musiziert nach Lübeck. Am Donnerstag steht er mit seinem Instrument vor der Jury. „Ich will in erster Linie viel Spaß haben“, sagt Franz Kegler.

Franz Kegler, Schüler der städtischen Musikschule Bad Saulgau, freut sich. Und wie. Bei seiner ersten Teilnahme beim Wettbewerb Jugend musiziert hat er sich in seiner Altersklasse für das Finale in Lübeck qualifiziert. Sein Lehrer Helmut Müller hatte ihm empfohlen, sich für den Wettbewerb anzumelden. „Da konnte ich gar nicht Nein sagen“, sagt der Zwölfjährige. Die erste Hürde, die er meisterte, war der Regionalwettbewerb – es folgte der Landesentscheid in Bietigheim-Bissingen mit dem Resultat, dass der Siebtklässler des Störck-Gymnasiums in Lübeck vorspielen darf – fünf selbst ausgewählte Stücke aus zwei verschiedenen Epochen in zehn bis 15 Minuten. „Da erwarte ich noch andere Gegner als beim Landesentscheid“, sagt Franz Kegler mit dem nötigen Respekt, aber auch mit reichlich Selbstvertrauen, das er getankt hat.

Franz spielte zuerst Blockflöte und begann vor vier Jahren damit, Trompete zu spielen. „Mein Nachbar spielte Trompete. Ich fand den Klang schon immer schön“, sagt Franz, warum er sich für dieses Musikinstrument entschied. Bei einem Tag der offenen Tür in der Musikschule hatte er das Ansatzinstrument zum ersten Mal in der Hand. Seither übt er fleißig und regelmäßig. Mindestens eine Stunde täglich. Manchmal mehr. Worauf es ankommt? „Auf die Atemtechnik und die Lippenspannung“, ergänzt Franz, der keine Probleme damit hat, den richtigen Ton zu spielen. Wohin er auch immer geht, seine Trompete lässt er nie zu Hause. „Trompete spielen ist mir inzwischen wichtiger als Rennrad fahren“, sagt er.

Schnelle Auffassungsgabe

Seine Fortschritte im Unterricht im Alten Kloster Bad Saulgau – einmal die Woche eine halbe Stunde – sind enorm. „Er hat eine schnelle Auffassungsgabe und ein sehr gutes Gefühl für das Instrument. Wir haben eine tolle Ebene, auf der wir gut miteinander arbeiten“, sagt sein Lehrer Helmut Müller, der ihn nach Lübeck begleitet – als Einziger. Eltern und Schwestern bleiben zu Hause, drücken ihm aber natürlich mehrere hundert Kilometer entfernt die Daumen.

Zeit für ein Treffen in Lübeck hätte Franz sowieso nicht gehabt. Anreise mit dem Auto, Übernachtung bei seinem Pianisten, Frühstück mit seinem Musiklehrer und dann die volle Konzentration auf seinen Auftritt. „Aber die Zeit reicht wenigstens aus, um Marzipan zu kaufen“, sagt Franz, der überhaupt nicht nervös wirkt. Noch nicht. Bis zu seinem großen Tag am Donnerstag wird der junge Musikschüler nicht mehr viel korrigieren können. „Das sind jetzt ständige Wiederholungen“, sagt er. Er weiß nicht, wie er oft die Stücke schon gespielt hat. Aber er spielt sie offensichtlich überdurchschnittlich gut, sonst würde er sich nicht mit den besten Schülern beim Bundesentscheid messen. Dass er überhaupt im Finale mit dabei ist, habe seine Erwartungen übertroffen. „Damit war nicht zu rechnen.“

Aber jetzt, wo er den langen Weg nach Lübeck auf sich nimmt, will er auch erfolgreich abschneiden. Für ihn ist jedenfalls jetzt schon klar. „Ich werde weiter Trompete spielen.“

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