Mehr als 520 Akteure erinnern an Stadtgeschichte

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Die Zwerge brauchen eine Weile, bis die Ziffern 775 für das Stadtjubiläum in der richtigen Reihenfolge zu lesen sind.
(Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Vor 775 Jahren wurde das Stadtrecht an Bad Saulgau verliehen. Beim musischen Abend haben mehr als 520 Mitwirkende an das Jubiläum erinnert und die Stadtgeschichte in farbigen Episoden Revue passieren lassen.

Der musische Abend überraschte durch eine Reihe von Neuerungen. Unverändert allerdings waren der Besucheransturm, der die Stadthalle in kürzester Zeit komplett füllte sowie das Saunaklima aufgrund schweißtreibender Außentemperaturen. Bei ihrer Begrüßung vermeldete die Leiterin des musischen Abends, Heidrun Boll, einen Rekord: Zum ersten Mal wirkten 520 Schüler im Programm mit. Sie agierten vor einem wunderschön gestalteten Bühnenbild, das Bad Saulgau als mittelalterliche Stadt mit Blick auf Kirche und Katzentürmle zeigte. Passend dazu drehte Dietmar Schorpp als Nachtwächter seine Runden und führte mit wohlklingendem Tenor und ebensolchen Reimen durch die Stadtgeschichte.

Kleine Räuber

Den Programmauftakt machten kleine Räuber des Schwarzen Veri aus der Berta-Hummel-Schule, die mit viel Getöse auf die Bühne stürmten. Unter der Leitung von Heidrun Boll schmetterten die wilden Gesellen ein schwungvolles Lied, das sie mit temperamentvollen Stockschlägen begleiteten. Viel Rhythmik gab es auch beim Auftritt der beiden Trommlerkorps unter der Leitung von Volker Braig und Matthias Schweizer.

Dann besetzten Zwerge aus Roswitha Bellers Grundschulförderklasse die Bühne. Da wurde gebaut, gehämmert und gesägt, es wurde Ringelreihen getanzt und Purzelbäume geschlagen. Nur mit dem Rechnen wollte es nicht klappen. Erst als Bürgermeisterin Doris Schröter helfend eingriff, schafften es die Wichtel, drei überdimensionale Ziffern zu 775, der Jubelzahl des Stadtrechts, zu ordnen.

Anschließend interpretierte die junge Viktoria Matt mit strahlendem Sopran John Lennons Ballade „Imagine“. Als Begleitung hatte Alban Beikircher das Streichorchester der städtischen Musikschule mitgebracht, das der Sängerin einen delikaten Klangteppich wob.

Dann eroberte eine Schar Ballettratten aus der Tanzschule Carmen Gärtner in duftigen Tutus die Bühne, wobei die Jüngsten als Storchenkinder durch die Wiesen stolzierten. Schulleiterin Elisabeth Gruber und ihre Schüler nahmen die neuere Stadtgeschichte mit Thermalbad und Rehazentrum ins Visier. Per „Bimmelbahn“ angereiste Kurgäste absolvierten eine Trainingsstunde in Wassergymnastik, bei der das Publikum viel zu lachen hatte. Auf festem Boden bewegte sich die Tanzgruppe des TSV unter der Leitung von Susanne und Editha Merz. Die Mädchen verschiedener Altersgruppen zeigten schwungvolle Übungsfolgen mit Bändern und Reifen.

Ironischer Blick zurück

Das Junge Kunsthaus war mit zwei Beiträgen vertreten. Birgit Bisinger und ihre Schüler hatten das Thema Umgehungsstraße aufgegriffen und stellten in einer Art Rap die Lärm- und Abgasbelastung der Kaiserstraßenbewohner heraus. Alex Mok und seine jungen Streetdance-Spezialisten bewiesen bei akrobatischen Einlagen eine unglaubliche Körperbeherrschung und flogen in einem Feuerwerk von Saltos, Flickflacks und Schrauben über die Bühne. Hansjörg Mutschler unternahm mit seinen Turnern einen ironischen Blick zurück in die Zeit, als das dreigliedrige Schulsystem fest verankert und von einer Gemeinschaftsschule keine Rede war.

Doch schon damals übten Schüler unterschiedlicher Begabungsstufen gemeinsam Purzelbäume und Radschlagen. Die Tänzerinnen der Ballettschule Svetlana Koop interpretierten die Arbeit der Wäscherinnen zu Maria Theresias Zeiten. In exquisiten Kostümen formierten sie sich zu immer neuen Gruppen und bezogen Wäschestücke, Körbe und Zuber in ihre Bewegungsfolgen ein.

Den musikalischen Schlusspunkt des Programms setzten die beiden Chöre des Störck-Gymnasiums. Von ihrem Leiter Volker Braig hervorragend geschult, huldigte das Sängerklientel dem Swing und präsentierte das Leib- und Magenlied aller Schwaben, „Auf der Schwäbischen Eisenbahne“ als witzige musikalische Episode.

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