Marienlandtreffen verstärkt die Stimme der Frauen

Lesedauer: 6 Min
 Der Gebrauch der Stimme benötigt einen guten Auftritt. Im Hotel Kleber Post können Frauen das ausprobieren.
Der Gebrauch der Stimme benötigt einen guten Auftritt. Im Hotel Kleber Post können Frauen das ausprobieren. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Das Projekt „Frauen.Land.Oberschwaben: die drei Marien“ vom Büro für Regionalkultur hat 17 Frauen zusammengebracht, die sich mit ihren selbst verfassten Texten oder Liedern der Öffentlichkeit vorstellen wollen. Beim zweiten „Marienland“-Treffen hat die Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Dietlinde Ellsässer im Hotel Kleber Post Tipps für das richtige Auftreten und Vermitteln der eigenen Texte gegeben. An vier Abenden sollen die Ergebnisse von Januar bis März 2020 in vier Landgasthöfen präsentiert werden.

Beim ersten Treffen vor einem Monat lasen sich die Frauen Kurzgeschichten, Romanauszüge, Gedichte und Lebenserinnerungen vor und bekamen erste Rückmeldungen in der Runde. Bereits dieser Workshop zum literarischen Experiment im Hotel Alte Mühle in Waldbeuren war für Projektleiterin Annette Maria Rieger ein schöner Erfolg: „Es ist so erstaunlich und auch überraschend, was passiert, wenn Frauen das Wort ergreifen und durch Sprache einen eigenen Raum schaffen.“

„Die drei Marien“, das sind Maria Beig, Maria Menz und Maria Müller-Gögler. Drei Schriftstellerinnen aus dem Oberland, die auf unterschiedlichen Wegen zum Schreiben gefunden haben und die die Landschaft wie Menschen in den Mittelpunkt stellten. Für dieses Schreib- und Bühnenprojekt waren Frauen mit Bezug zu Oberschwaben aufgerufen worden, sich mit eigenen Texten zu bewerben. Gemeldet haben sich Frauen, die immer schon hier gewohnt haben, andere, die aus ganz Deutschland oder anderen Ländern zugezogen sind, oder auch solche, die Geschichten von Frauen, die sie getroffen haben, erzählen möchten.

Ob im Dialekt oder auf Schriftdeutsch, gesungen oder gesprochen, alles soll möglich sein „und zur Sprache kommen“, so Rieger: „Wir wollen schreibende Frauen ermutigen und sichtbar machen. Da ist die Hausfrau, die in ihrem Geburtsort geblieben ist, erst als Tochter, dann als Frau und Mutter und die nie außerhalb ihres Dorfes gelebt hat. Talente habe sie viele, aber das Schreiben habe sie sich noch nie getraut. Sie hat vieles zu erzählen und jetzt nutzt sie die Gelegenheit. Eine andere Frau kommt aus Amerika und lebt als Chorleiterin schon viele Jahre hier. Die fiktive Geschichte einer Frau, die als Soldatin im „fernen Krieg“ kämpft und alles verliert, treibt sie schon länger um. Da ist aber auch die Postbotin, die ihre Beobachtungen reflektiert in schwäbische Gedichte kleidet.

Fiona Skuppin singt Lieder

Die Saulgauerin und jüngste Teilnehmerin, Fiona Skuppin, setzt auf eigene Lieder, zu denen sie sich mit der Gitarre begleitet. In Kleingruppen aufgeteilt, spielte Dietlinde Ellsässer den Teilnehmerinnen vor, wie die Frau auf der Bühne ihren Text dem Publikum näherbringen kann. Sachlich und mit dem ihr eigenen Humor vermittelt sie ihr Wissen: „Es gibt nur die eigene Spur, auch wenn man fällt, muss man zurück auf den Weg. Und dann muss man schauen, dass man nicht auf der Strecke bleibt.“ „Jede ist eigen“, so Ellsässer: „Ihr seid lauter Blumen im Mariengarten.“ Bühnenpräsenz sei Einstellungssache und jeder könne es lernen oder zumindest versuchen.

Der nächste Schritt ist eine professionelle Tonaufnahme im Faust-Studio bei Hans Joachim Irmler in Scheer. Dabei entsteht eine gemeinsame CD samt Booklet, die einen vielfältigen, unterhaltsamen und authentischen Einblick in das „Marienland“ dokumentieren soll. Ziel des Projekts ist es, in Landgasthöfen des Oberlandes in Vierer- bis Fünfergruppen aufzutreten und literarisch wie musikalisch ein Echo auf die „drei Marien“ anzustimmen.

Die Termine stehen bereits: 6. Januar, 2. Februar, 1. März und 22. März 2020. Jetzt sind Gasthöfe gesucht, die an diesen Tagen als Hauptgericht oder Beilage Geschichten, Gedichte und Lieder aus dem Marienland anbieten möchten. Interessierte Gastronomen melden sich bei Henrike Müller oder Annette Maria Rieger: Telefonisch unter 0160/95 55 69 89 oder per E-Mail an marienland@buero-regionalkultur.de.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen