Luib ersetzt im Sommer Söllner

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 Christian Luib (linkes Foto, rechts) wird im Sommer Nachfolger im Trainergespann des FC Ostrach. Christian Söllner (rechtes Fot
Christian Luib (linkes Foto, rechts) wird im Sommer Nachfolger im Trainergespann des FC Ostrach. Christian Söllner (rechtes Foto) beendet sein Engagement. Vor allem das viele Fahren zwischen Wohnort Ravensburg, Dienstort Meßkirch und Fußball in Ostrach wiegt zu schwer. (Foto: Fotos: Thomas Warnack)
Sportredakteur

Christian Luib für Christian Söllner: Das ist die Lösung, die Fußball-Landesligist FC Ostrach für die kommende Saison 2019/2020 gefunden hat, nachdem Christian Söllner dem Verein mitteilte, dass er sein Engagement mit dem Ende dieser Saison bei den Zebras beendet. Grund ist der zeitliche Aufwand, den Söllner nicht mehr betreiben will. „Es ist die Fahrerei. Ich wohne in Ravensburg, arbeite als Lehrer an der Schule in Meßkirch, fahre morgens schon 50 Kilometer nach Meßkirch. Je nachdem, wann die Schule aus ist fahre ich mittags zurück nach Ravensburg, komme da schon quasi durch Ostrach durch, bereite zu Hause das Essen vor, mache noch etwas für die Schule oder schreibe den Trainingsplan fürs Fußball. Und um 18 Uhr breche ich an den Trainingstagen wieder nach Ostrach auf“, sagt Söllner. „Ich bin alleine von Januar bis März 2500 Kilometer für den Fußball gefahren und hinzu kommt noch der Weg in die Schule.“ Und als Abteilungsleiter Raphael Vetter ihn gefragt habe, ob er für die kommende Saison verlängere, habe er sich, so Söllner, Gedanken gemacht.

Sportwissenschaftler Christian Söllner, der vor seiner Zeit in Ostrach unter anderem den FC Inzigkofen/Vilsingen/Engelswies 99 von der Kreisliga B in die Kreisliga A führte und davor unter anderem den FC Laiz als Spielertrainer trainierte, geht aber auch mit einem weinenden Auge. „Am Anfang haben mich viele gefragt, ob das mit einem Zwei-Mann-Modell auf dem Trainerposten gut gehen könne, aber inzwischen bin ich ein Freund dieses Modells“, sagt Söllner. In den vergangenen Monaten habe er die Vorteile zu schätzen gelernt. „Klar, vor Beginn denkt man, man muss nicht in jedem Training da sein, kann sich abwechseln. Aber so ist es ja nicht. Du willst dann schon in jedem Training da sein. Und Timo und ich haben uns sehr gut ergänzt“, spricht Söllner das Miteinander mit seinem Mittrainer Timo Reutter an. „In einem Training arbeitet mal der eine mit der Mannschaft und der andere widmet sich mal den Spielern, die vielleicht unzufrieden sind oder sonst Nachholbedarf haben und nimmt diese beiseite. Im nächsten Training ist es vielleicht anders herum. Wenn ich mich ums Taktische gekümmert habe, hat Timo eher den ,Bad Cop’ gespielt und die Spieler herum gescheucht.“ Söllner sagt: „Aber mit zwei Trainern geht es nur dann, wenn sich beide sehr gut verstehen. Und Timo Reutter und ich kennen uns schon lange und wir verstehen uns sehr gut. Und: Wir können uns beide zurücknehmen. Jeder hat sich eingebracht. Und die Aufstellungen haben wir immer offen diskutiert, wobei neun Spieler meistens ohnehin klar sind. Es ging oft nur um zwei Positionen.“

Und so fällt die Zwischenbilanz von Christian Söllner in Ostrach durchaus positiv aus. „Klar. Als wir vor zwei Wochen bei der Generalversammlung einen ersten Rückblick aufs Sportliche geworfen haben, war das sehr positiv. Auch dass das die zweitbeste Vorrunde des FC Ostrach in der Landesliga war, wurde mir erst bewusst, als ich es gelesen habe“, sagt Söllner zum „Zwischenbilanz“-Artikel in der Winterpause in dieser Zeitung. „Ich meine, der FC Ostrach hatte in der vergangenen Vorrunde 2017/2018 noch eine ganz andere Mannschaft, mit erfahrenen Spielern wie Christoph Rohmer, Patrick Klotz und Simon Kober. Und jetzt haben wir sehr viele junge Spieler in der Mannschaft, Spieler, die noch keine Landesligaerfahrung hatten bevor sie hierher kamen. Spieler, die aus der Jugend kommen wie Samuel Gugglielmo, die Neuzugänge aus Bad Saulgau, Yannick und Luke Ender, Alex Rambacher oder Ladislav Varady, den wir aus der zweiten Mannschaft hochgezogen haben. Oder Tenshi Kleiner, den ich aus Bolstern geholt habe, weil ich wusste, was er auf der linken Seite kann, aus den Spielen mit Bolstern gegen meinen alten Verein FC Inzigkofen/Vilsingen/Engelswies 99.“ In der nahen Zukunft will Söllner erst mal Pause machen. Danach kann er sich aber vorstellen, wieder einen anderen Verein zu trainieren. Aber vielleicht einen, für den der Fahraufwand nicht so hoch ist.

Für Söllner übernimmt in der kommenden Saison Christian Luib. Luib war einst vom FV Bad Saulgau quasi vom Hof gejagt worden, weil der damalige Trainer ihn für zu alt befand und nicht mehr mit ihm plante. Luib kam zunächst nach Ostrach, um sich fit zu halten. Ostrach aber erkannte das Potenzial des ehemaligen Verbands- und Landesligaspielers und nahm ihn in den Kader auf. Jetzt also der nächste Schritt. Abteilungsleiter Raphael Vetter, der die personelle Veränderung bekannt gab, bedauert den Schritt von Christian Söllner, ist aber froh, mit Christian Luib einen adäquaten Ersatz gefunden zu haben. „Chris ist unser absoluter Wunschkandidat. Er kennt den Verein, fühlt sich wohl hier“, sagt Vetter. Luib: „Seit ich in Ravensburg war, arbeite ich auch als Trainer. Ich war in Ravensburg Assistent von Klaus Gimple in der U15. Klaus kenne ich noch aus der Anfangszeit in Bad Saulgau, als er Assistent von Hans Hermanutz war.“ Derzeit trainiert Luib die Frauen des FV Bad Saulgau. „Dort hätte ich ohnehin am Saisonende aufgehört. Aber ich wollte im Rhythmus bleiben, hatte Angebote.“ Das Engagement in Ostrach sei optimal. Ich fühle mich inzwischen als FCO’ler. Der Verein ist sehr gut strukturiert. Eine junge, engagierte Garde kommt auch in der Führungsriege nach.“ Ob er seine Spielerkarriere fortsetzt, lässt Luib, der seinen Vater Fritz Luib als größtes Fußball-Vorbild nennt, offen. „Ich sehe mich nicht in der Rolle, dass ich unbedingt spielen muss. Ich bin inzwischen auch 31 Jahre alt“, sagt Luib. Das größte Lob kriegt er aber von seinem Vorgänger Christian Söllner. Der sagt: „Vor kurzem habe ich noch zu Chris Luib gesagt, dass er für mich der ideale Trainer wäre. Er ist ein Spieler, der mitdenkt. Von ihm können viele Spieler etwas lernen.“

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