„Landschaftsschutz darf kein Totschlagargument sein“

Wolfgang  Lohmiller
Wolfgang Lohmiller (Foto: Markus Mielke)
Schwäbische Zeitung

Der Gemeinderat Bad Saulgau hat dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt, für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen neue Kriterien zu beschließen, um das Grundwasser zu schützen und das Landschaftsbild zu erhalten. Die Fraktion der Grünen hatte eine andere Entscheidung erhofft. SZ-Redakteur Dirk Thannheimer hat sich darüber mit dem Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Lohmiller unterhalten.

Herr Lohmiller, wie bewertet die Fraktion der Grünen den Beschluss, den Standort für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen genau zu prüfen und Kriterien festzulegen?

Grundwasserschutz und regenerative Energiegewinnung zu verbinden, ist eine gute Sache. Die große Frage ist, wie die Kriterien aussehen. Auch uns ist sparsamer Flächenverbrauch von Bedeutung. Deshalb sollte jeder Einzelfall geprüft werde. Stadträtin Martina Boos hat als Einzige in unserer Fraktion darum für den Antrag gestimmt, auch weil ihr der Landschaftsschutz sehr wichtig ist. Allerdings ist es ein Unterschied, ob eine Fläche unwiederbringlich verbaut oder dort eine Photovoltaikanlage erstellt wird, die nach 30 Jahren wieder abgebaut werden kann. Bei Wohnhäusern oder Fabriken geht das nicht mehr.

Ist Ihnen der Landschaftsschutz nicht wichtig?

Der Landschaftsschutz darf nicht als Totschlagargument genutzt werden. Im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung sollen Photovoltaikanlagen auf Gewerbegebäuden und Wohngebäuden sowieso verpflichtend sein. Ärgerlich ist für uns Grüne das immer wiederkehrende Argument, dass durch Photovoltaikanlagen landwirtschaftliche Flächen versiegelt würden. Unter den Anlagen wächst Gras, da können Schafe weiden oder Hühner Eier legen.

Sie wünschen sich als Fraktion, dass die Verwaltung bei allen Umweltthemen die Belange von Natur- und Klimaschutz berücksichtigt. Kommt die Verwaltung dieser Aufgabe nach?

In Grundsatzreden betont die Stadtverwaltung und insbesondere Bürgermeisterin Doris Schröter immer wieder, wie wichtig ihr Natur und Klimaschutz seien. Mit Initiativen für mehr Flächensparen – etwa beim Gewerbegebiet Hochbergerstraße oder dem Baugebiet hinter dem Wohngebiet Kessel – stehen wir allein auf weiter Flur. Auswirkungen von Gemeinderatsbeschlüssen auf CO2- oder Flächenverbrauch werden bisher nicht dargestellt.

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