Lästern über Männer und Stuttgart

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Die „Goldschätzla“ gehören zu den Comedy-Gästen zum Auftakt der Kabarett- und Mundartwoche im Stadtforum Bad Saulgau.
Die „Goldschätzla“ gehören zu den Comedy-Gästen zum Auftakt der Kabarett- und Mundartwoche im Stadtforum Bad Saulgau. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Mit der Auftaktveranstaltung zur Kabarett- und Mundartwoche am Donnerstagabend ist bereits ein Volltreffer über die Bühne gegangen. Der Dürnauer Mundartdichter Hugo Breitschmid und seine handverlesenen Gäste aus der schwäbischen Comedy-Szene sorgten für ein ausverkauftes Stadtforum und strapazierten die Lachmuskeln der Besucher aufs Heftigste.

Die Kabarett- und Mundartwoche hat sich in Bad Saulgaus Kulturherbst bestens etabliert und lockt die Besucher bis weit über die Kreisgrenzen hinaus an. Da fühlte sich auch Lokalmatador Hugo Breitschmid in seinem Element, der Kostproben aus seiner Gedicht- und Sprüchewerkstatt vom Stapel ließ.

Als Kulisse dienten zwei räudige Tannenbäume, die eine weiße Sitzbank flankierten. Sie symbolisierten die sprichwörtliche Sparsamkeit eines Schwaben und waren überdies Anschauungsobjekte für Breitschmids Zungenbrecher von „de Hennala en dene Dennala denna“. Gast Nummer eins war die Überlingerin Claudia Pohel, die mit selbst getexteten Songs und super Stimme als Sängerin mit Chanson-Qualitäten überraschte. Ihr Hang zur Komik verschaffte ihr sofort einen Draht zum Publikum, insbesondere, als sie verriet, dass Männer lediglich zwei Dinge auf einmal erledigen könnten: „Fernsehen und Schlafen“. Große Vorschusslorbeeren ernteten die „Bronnweiler Weiber“, Friedel Kehrer und Mary Lutz, die für ihre spitze Zungen und einen deftigen Wortschatz bekannt sind. Diesmal lästerten sie über die Stuttgarter und befanden: lieber eine Schnecke im Salat als ein Stuttgarter auf dem Hof.

Mitsingen erlaubt

Dann griffen die „Goldschätzla“ aus Bogenweiler zum Mikrofon: Hilde Halder mit ihrer Gitarre und Susi Maurer am Akkordeon. Das Duo ergänzte sich musikalisch hervorragend und sorgte durch Gassenhauer , die mit eigenen Texten unterlegt waren, für Hochstimmung im Saal. Mitsingen war „dringend erlaubt“ und tatsächlich produzierten die Zuhörer Echoeffekte und wiederholten mit Begeisterung Refrains. Dabei ging es um „Schnäpplesjäger“, die nach der Devise handeln „Wenn ma nix kaufa duat, ka au nix g’schparet sei“.

Klatschorgien begrüßten Hillu Stoll und Franz Auber, zwei Vollblutschauspieler, die als „Hillus Herzdropfa“ Furore machen und jüngst den Sebastian-Blau-Preis für ihre Comedy-Programme erhielten. Dabei ist Hillu stets Schlaule „von dr Alb ra“, das einmal „en Bulldogg“ im Landratsamt anmelden will, während ihr Gegenüber einen völlig entnervten Angestellten mimt, der die Beamtenehre retten will. Zum anderen gaben die beiden ein Ehepaar vom Land – er lang, schlank und der „Goscha“ seiner Frau nicht im Geringsten gewachsen, sie der laufende Meter, die ihr Mattheisle beständig maßregelt: „Du bisch zom Überleba auf dr Welt ond it zom Fettwerda.“

Und sie begründet ihre Überlegenheit sogleich mit ihrer Körpergröße, denn „En de kleine Fläschla steckt’s Gift“. Nach zweimaligem Durchgang für alle Teilnehmer intonierte die ganze Kabarett-Riege die schwäbische Abschiedshymne „Muss i denn, muss i denn zum Städtele naus“, in das sich das Publikum einmischte. Klar, dass der Gesang nahtlos in einen Beifallssturm mündete, der die Akteure zweimal auf die Bühne holte.

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