Kroatische Trikots sind ausverkauft

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Wer jubelt am Sonntag? Die kroatische Mannschaft wie hier beim 2:1-Sieg im Halbfinale gegen England oder die Franzosen?
Wer jubelt am Sonntag? Die kroatische Mannschaft wie hier beim 2:1-Sieg im Halbfinale gegen England oder die Franzosen? (Foto: Fotos: Damir Senèar/Petr David Josek, dpa)
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Am Sonntag ist Finaltag bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Nachdem die deutschen WM-Träume durch das Aus in der Vorrunde früh geplatzt sind, bereiten sich die kroatischen und französischen Fußballfans auf das Finale Frankreich gegen Kroatien vor. Von der großen Begeisterung in diesen beiden Ländern schwappt nicht allzu viel nach Bad Saulgau über.

„Klar haben wir mit mehr gerechnet“, sagt Marcel Dietsche vom Sportgeschäft Dietsche mit den Standorten Mengen und Bad Saulgau. Trikots und Fanartikel der deutschen Nationalmannschaft gibt das Sportgeschäft zu stark reduzierten Preisen ab. Eine Kompensation für den nicht gemachten Umsatz ist ebenfalls Fehlanzeige. Nachgefragt werden Trikots der kroatischen Nationalmannschaft, doch die hat Dietsche nicht vorrätig und die seien inzwischen auch ausverkauft. „Mit dem Einzug der Kroaten ins Finale hat niemand gerechnet“, so Dietsche. Der Fachhändler nimmt die geplatzten Umsatzerwartungen sportlich. „Das ist das Risiko, dem wir ausgesetzt sind.“ Nach französischen Trikots sei dagegen bislang nicht gefragt worden.

Wohl auch nicht von der Gruppe von Franzosen, die aus Anlass des Bächtlefestes übers Wochenende aus der französischen Partnerstadt Chalais nach Bad Saulgau angereist sind. Sie besthe zum Großteil aus wenig Fußballbegeisterten. Frederic Betremieux, ein Bad Saulgauer mit französischen Wurzeln, will auf jeden Fall zusammen mit sechs Freunden und Gästen aus der Partnerstadt Chalais gemeinsam in einem Lokal das Finale anschauen. Nur wo, ist nicht klar. „Wir haben bisher noch keines gefunden.“ Während des Bächtlefestes hat die typische Fußballkneipe Bohnenstengel zu. Nun kann sich Betremieux vorstellen, das Finale in einer Kneipe in einer Nachbargemeinde anzuschauen. Die Vorfreude jedenfalls ist da. „Frankreich im Finale, das ist grandios. Ich habe bisher bei jedem Spiel für die Franzosen gezittert“, so Betremieux.

Auch in Chalais selbst hält sich die Begeisterung in Grenzen, wie Olivier Blancheton vom FC Sud Charente, dem Fußballverein von Chalais, beobachtet. An einigen Fenstern und an Autos seien Trikoloren zu sehen. Man werde das Endspiel am Sonntag in kleinen Gruppen bei Freunden anschauen. Er selbst nehmen eine Einladung wahr, die er von zwei Monaten bekommen habe. Der Gastgeber sei allerdings kein Fußballfan. Große Fußballfeste mit Public Viewing gebe es in größeren Städten wie Angouleme oder Bordeaux. Dorthin würden viele jungen Leute gehen.

Einen Großkampftag weniger hat Christian Pfeiffer vom Bohnenstengel zu bestehen. Die Wirtschaft bleibt übers Bächtlefest zu. Bei einem WM-Finale mit deutscher Beteiligung hätte der Gastronom am Finaltag, dem Sonntag, das Gasthaus geöffnet. „Als typische Fußballkneipe sind wir aber immer auf solche Übertragungen vorbereitet.“ Deshalb habe er für das Turnier in Russland auch keinen höheren Aufwand. Bei dieser WM gab es allerdings ein Novum. Erstmals wurde währen der Übertragungen im Biergarten gegrillt. „Ich musste allerdings auf den höheren Umsatz verzichten.“ Bei den Spielen mit deutscher Beteiligung seien Biergarten und Gastraum voll gewesen. Die Spiele nach der Vorrunde ohne deutsche Beteiligung hätten nur noch die Fußballinteressierten im Bohnenstengel angeschaut.

Euphorischer erlebt dagegen Miro Topalusic aus Ostrach diese WM. „Die Vorfreude ist groß“, sagt der Ostracher, der mit drei Jahren aus Kroatien nach Deutschland gezogen ist und Trainer des FC Mengen ist. „Niemand hat das erwartet“, sagt Topalusic, außer wohl er selbst. In einer Umfrage der Schwäbischen Zeitung vor dem Beginn der WM hatte er dem kleinen Land den Titel zumindest zugetraut. „Das könnte einen positiven Ruck für dieses kleine Land geben.“ Das Spiel wird er aber nicht alleine mit seinem Sohn schauen. Spieler des FC Mengen haben sich für das Endspiel angekündigt.

„Kroatien ist ein armes Land. Mit Sport kann man etwas erreichen.“ Erfolgreiche Sportler wie die Spieler von 1998 – Kroatien erreichte den dritten Platz - würden in dem Land mit seinen vier Millionen Einwohnern als Helden verehrt. Nun träumt Kroatien von neuen Helden – womöglich von solchen, die mit einem WM-Titel nach Hause kommen.

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