Kontakte knüpfen beim Mittagessen

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Im Innenhof des Alten Klosters schöpfen sich die Besucher bei der vierten Veranstaltung von Bad Saulgau is(s)t miteinander ihre
Im Innenhof des Alten Klosters schöpfen sich die Besucher bei der vierten Veranstaltung von Bad Saulgau is(s)t miteinander ihren Teller mit Spezialitäten aus verschiedenen Nationen. (Foto: Katrin Liedtke)
Katrin Liedtke

Ins Leben gerufen vom Arbeitskreis „Mehr miteinander“ hat am Sonntag zum vierten Mal die Veranstaltung Bad Saulgau is(s)t miteinander stattgefunden. Bei strahlendem Sonnenschein fanden dabei etwa 70 Menschen im Innenhof des Alten Klosters zusammen.

Die Idee ist so einfach wie vielversprechend: Beim gemeinsamen Essen lernen sich Bad Saulgauer Bürger in gelöster Atmosphäre näher kennen und knüpfen Kontakte. Die Speisen werden dabei von den Besuchern mitgebracht und sind in ihrer Vielfalt ein Spiegel der Gesellschaft. Die Getränke sowie Kaffee und Tee werden gestellt. Für die Kleinen gibt es einen Mal- und Basteltisch.

Lydia Gebhart, die Vorsitzende des Arbeitskreises, heißt bei der Eröffnung um 12 Uhr mittags alle willkommen und dankt für die reiche Bestückung des Büffets. Dieter Braun vom katholischen Kirchengemeinderat spricht ein Gebet, und das gemeinsame Mahl kann beginnen. Es gibt alle nur erdenklichen Speisen vom russischen Borschtsch über Gemüse, Fleischkäse, Couscous, gegrilltes Hähnchen, Reisgerichte, verschiedenste Salate, Dips und Obst bis zu herzhaften und süßen Kuchen und Gebäck.

Gemüse und Gebäck

Schwester Paulin vom Kloster Sießen bringt gefüllte Weinblätter, gedünstetes Gemüse und Gebäck mit. Im Kloster haben schwersttraumatisierte Frauen aus dem Nordirak und deren Kinder Unterschlupf gefunden. Eine der Mütter hat die Speisen zubereitet, war aber durch ihr Baby am Kommen verhindert und hat sie der Schwester mitgegeben. Viele Gesichter sind vertraut, mancher kommt schon das dritte oder vierte Mal, aber knapp die Hälfte der Besucher sei neu, sagt Olga Kramer vom Arbeitskreis „Mehr miteinander“. Auch Bürgermeisterin Doris Schröter ist in der Menge zu entdecken.

Maria Schwendele-Kliebhan taucht mit einem Pulk Flüchtlingskinder aus dem Wohnheim in der Martin-Staud-Straße auf. Sie begleitet sie durch den Alltag, betreut sie bei den Hausaufgaben, bringt sie zum Arzt oder zum Schwimmunterricht. „Ich bekomme dreimal so viel zurück, wie ich investiere“, sagt sie.

Sinem Akyildiz diskutiert mit Mitgliedern des Arbeitskreises die Möglichkeit, in der Weihnachtszeit eine Feier für einsame Menschen zu organisieren. An einem der Tische sind zwei Afrikaner mit Bad Saulgauern im Gespräch. Abdoulaye Diallo aus Guinea macht derzeit eine Ausbildung zum Altenpfleger. Er ist seit drei Jahren in Deutschland und spricht sensationell gut deutsch. Sein Sitznachbar Omar Cisse kommt aus Gambia und ist erst seit sechs Monaten hier. Ob er nicht Lust habe, Gitarre spielen zu lernen, bietet ihm sein Gegenüber Rainer Berner an. Dafür habe er momentan keine Zeit, bedauert dieser.

Er arbeitet bei EK Treppen & Metallbau in der Moosheimer Straße. Nach der Arbeit treibt er Sport und er kocht jeden Tag. Alles in allem scheint das Konzept des Arbeitskreises „Mehr miteinander“ aufgegangen zu sein, die Organisatoren zeigen sich zufrieden.

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