Kinder- und Volksliedgut, gewürzt mit Jazz

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 Mal ein Clown sein und zappeln bei „Es tanzt ein BiBaButzemann“ mit Jeanette (Vordergrund) und Jan Röck (am Flügel).
Mal ein Clown sein und zappeln bei „Es tanzt ein BiBaButzemann“ mit Jeanette (Vordergrund) und Jan Röck (am Flügel). (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Unter dem Titel „Brüderlein komm tanz mit mir“ haben die Sopranistin Jeanette und der Jazzpianist Jan Röck, ein Geschwisterpaar mit Fulgenstadter Wurzeln, eine CD aufgenommen, die traditionelle Kinderlieder neu interpretiert. Innerhalb eines Mitmachkonzerts für die ganze Familie stellten sie im voll besetzten Alten Kloster Auszüge ihres Werks vor – und kleine wie große Besucher zogen begeistert mit.

Der Zündfunke zur aktuellen CD entstand, als Jeanette Röck für ihr Patenkind Levy ein ganz persönliches Geburtstagsgeschenk suchte. Warum nicht einige Kinderlieder aufnehmen, die zum Zuhören und Mitsingen anregten? Die Idee nahm schnell Gestalt an, denn neu interpretiert und auf CD gebrannt ließ sich tradiertes, auch weniger bekanntes Liedgut vor dem Vergessen bewahren. Da Jeanette über eine klassisch ausgebildete Sopranstimme mit schöner Färbung verfügt und ihr Bruder Jan als Jazzpianist Erfolge feiert, entstand eine höchst interessante Koproduktion, bei der sich die Geschwister durch den Kontrabassisten Max Wenzel und Kai Weihprachtitzky am Schlagzeug verstärkten. Wie die Einsätze der beiden Rhythmusspezialisten bewiesen, die auch solistisch punkteten, eine hervorragende Entscheidung.

Mit Gummibären auf der Bühne

Das Quartett stand bei der CD-Vorstellung gemeinsam auf der Bühne, wo Luftballons, Stofftierchen, ein Korb mit roten Chiffontüchern und ein riesiges Glas voller Gummibären die Aufmerksamkeit vor allem der Kinder auf sich zogen. Kein Zweifel, in der folgenden Stunde war Aktivität angesagt. Damit alle stimmkräftigen Besucher der Einladung zum Mitsingen folgen konnten, lagen Hefte mit Liedtexten aus. Und für Bewegungsfreudige stellte Jeanette wichtige Gesten der Gebärdensprache vor, die am Beispiel von „Der Kuckuck und der Esel“ geübt und bei „Ein Jäger längs dem Weiher ging“ prompt angewandt wurden. Um die sangesfreudigen Zuhörer auf das nächste Stück einzustimmen, ließ Jan Röck die entsprechende Melodie auf dem Fazioliflügel anklingen, während Jeanette Wissenswertes zum Lied beisteuerte, bevor sie dieses, gemeinsam mit dem Publikum, interpretierte. Bei „Die Mühle am rauschenden Bach“ kennzeichneten perlende Klavierläufe und Triller das muntere Plätschern eines Bächleins, etwa der Schwarzach, die im Garten des Klosters Sießen entspringt. Auf ihrem Weg durch das Siebenmühlental hat sie einst die erstaunliche Zahl von sieben Mühlen angetrieben.

Beim Stöbern in altem Liedgut ist Jeanette Röck auch auf eine Vorgängerversion unseres Weihnachtslieds „Oh Tannenbaum“ gestoßen, die 1813 unter dem Titel „Du trägst einen grünen Zweig“ erschienen ist. Bei diesem Vortrag, ebenso wie bei einer Kostprobe aus ihrem eigenen Repertoire, dem wunderschön gesungenen „Ave Maria“ von William Gomez, waren im Publikum Hören und Genießen angesagt. Für die auf Französisch gesungene Fassung des Lieds „Marmotte“, das von einem Murmeltier erzählt, lagen Handpuppen bereit. Würden sich wohl Kinder auf die Bühne trauen, um diese zu bespielen? Leider fast eine Fehlanzeige, denn bis auf die kleine Linette rührte sich niemand vom Fleck.

Lustiges Kinderliederraten

Deutlich größer war die Resonanz bei der Einladung zum Tanz auf der Fläche vor der Bühne. Während Jan Röck Mozarts Rondo „Alla turca“ als Solist mit viel Temperament gestaltete, ließ eine beachtliche Zahl von Mädchen und Jungen rote Chiffontücher durch die Luft flattern. Bewegungsintensiv war auch das Lied vom BiBaButzemann, bei dem man, ausgestattet mit roter Clownsnase, die Glieder kräftig durchschüttelte. Nicht nur die Kleinen waren beim Kinderliederraten voll dabei. Hier galt es, nach den ersten, von Jan Röck angespielten Takten, das entsprechende Stück zu benennen. Die schnellsten Antworten wurden mit einem saftigen Gummibären belohnt, den auch grauhaarige Raterinnen nicht verschmähten. Nach einer Reihe gefühlvoller Abendlieder wurden die Konzertbesucher ins Schneegestöber der Bad Saulgauer Winternacht entlassen, etliche bereits mit der gekauften neuen CD in der Tasche.

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