Kabarettistinnen rechnen mit den Männern ab

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 Die Kabarettistinnen Petra Binder (links) und Doris Reichenauer nehmen im Stadtforum als „Dui do on de Sell“ sich selbst und di
Die Kabarettistinnen Petra Binder (links) und Doris Reichenauer nehmen im Stadtforum als „Dui do on de Sell“ sich selbst und die Zuschauer augenzwinkernd auf die Schippe. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Mit ihrem Auftritt am vergangenen Samstagabend haben es die beiden Kabarettistinnen „Dui do on de sell“ ein weiteres Mal bei den Kabarett- und Mundarttagen geschafft, das Stadtforum inklusive der Galerie komplett zu füllen. Mit ihrem „Gschwätz“ und einer umwerfenden Mimik trafen sie den Nerv des Publikums, das vor Lachen kaum zum Atemholen kam. Und dies, obwohl die Pointen zum Thema des Abends, „Reg mi ned uf“, aus vier früheren Programmen stammten.

Die Kabarettistinnen des Duos „Dui do on de sell“ zählen mittlerweile zum Besten, was die schwäbische Comedy-Szene zu bieten hat. Dabei kommen sie mit einem Minimum an Aufwand aus. Ein Bühnenbild oder etwa Videoinstallationen? Fehlanzeige. Etwas farbiges Scheinwerferlicht, auf den rückwärtigen Vorhang projiziert, reichte. Requisiten? Ein simpler brauner Tisch zum Anlehnen, Draufsitzen und mit den Beinen wedeln plus zwei nie besetzte Stühle genügten. Kostümwechsel? Überflüssig.

Das Erfolgsrezept der beiden ist ihre Normalität. Sie unterhalten sich einfach so, wie dies bei engen Freundinnen gang und gebe ist, schütten sich gegenseitig ihr Herz aus und arbeiten Themen ab, wie sie vor allem die etwas reifere Frau aus dem Alltag kennt: die Wechseljahre, Figurprobleme, die Männer. Dabei gilt: „Ma schwätzt net über and‘re Leut, ma sagt‘s halt so.“

Missbilligende Schnute

Wichtig ist den beiden der Kontakt zum Publikum, was problemlos mit einem „Woisch“, einem „Gell?“, einem beifallheischenden „Oder?“ gelang, oft noch verstärkt durch Augenrollen, Zuzwinkern oder das Ziehen einer missbilligenden Schnute. Mehr als einer Zuschauerin entfuhr dabei ein zustimmendes „Ha jo!“

Beim Thema Partnerwahl geriet ein Ehepaar aus der ersten Reihe in die kabarettistische Schusslinie und spielte munter mit. Auf die Frage „Hosch du etwa dein Traummann g‘funda?“ ertönte ein entschiedenes „Noi“ der Gattin. Worauf der Ehemann konterte: „I war dr letschte. Sonscht hätt‘ se bis heut no koin.“ Immerhin hält die Verbindung „scho über dreißg Johr.“ Das eigentliche Auftakt-Thema waren die berüchtigten Wechseljahre mit Schweißausbrüchen und der Erkenntnis, man habe plötzlich so viel Haut, dass es „für Zwoi langa dät.“ Die Frage, ob auch Männer Wechseljahre durchliefen, war schnell vom Tisch, denn „dia kommet aus dr Pubertät gar nie raus.“ Damit war das unendliche Thema Mann erreicht. Ihr Gerhard, so echauffierte sich Petra, sei ein passives Vereinsmitglied, aber ein aktiver Wirtschaftshocker. Neulich sei er bierselig nach Hause getorkelt und habe schon an der Haustüre gepoltert: „Schatz, fang an mit schimpfa, sonscht find‘ i mei Bett net.“

Neue Schuhe für ein Lob

Doris wiederum berichtete, ihr Dieter gehöre zu der Spezies Mann, die glaubten, einen Männerschnupfen nicht zu überleben. Neulich sei man zum Arzt gegangen, der feststellte: „Ihr send grad no rechtzeitig komma. An Tag schpäter, ond er (dr Schnupfa) wär weg gwesa.“ Ferner gab‘s diverse Beobachtungen wie: „Beim Anblick eines Dekolletes verringert sich das Denkvermögen eines Mannes um 50 Prozent – pro Seite.“ Dazu kamen Ratschläge: „Ma muaß d‘ Männer loba. No langt‘s wieder für a Pärle Schuah.“ Und ganz wichtig: „A Frau muaß immer so viel Geld ausgeba, dass er sich koi zwoite leischta ka.“

Nach der Pause erfuhr das Publikum, dass beide Männer die Altersteilzeit angetreten hätten. Eine Katastrophe für die Freundinnen. Petra hatte neben zwei Töchtern jetzt ein weiteres UFO im Haus: „A unheimlich fauls Objekt.“ Ihr Rentner verweigere sogar die Hilfe beim Bettenüberziehen mit der Begründung: „‘S Konto kascht doch au alloi überzieha.“ Anders bei Doris, die von Dieter aus der Küche verscheucht wurde: „Des bissle Haushalt schmeiß i mit links.“ Ein Seitenblick galt auch Nachbarin Anita , die das schlichte Inserat „Suche einen Mann.“ aufgegeben hatte. Sie soll Hunderte von Zuschriften erhalten haben, alle mit demselben Wortlaut: „Nehmen Sie meinen.“

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