Jugendliche beraten bei Suizidgefahr

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 links Daniela Fiedler (links) und ihre Biberacher Kollegin Nelli Wilhelm (rechts) möchten das Angebot in Bad Saulgau ausbauen
links Daniela Fiedler (links) und ihre Biberacher Kollegin Nelli Wilhelm (rechts) möchten das Angebot in Bad Saulgau ausbauen (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Mit Veranstaltungen und Aktionen wird jährlich am 10. September der Welttag der Suizidprävention ausgerufen. Die Caritas Biberach-Saulgau nimmt diesen Aktionstag zum Anlass, um auf ihre Onlineberatung für suizidgefährdete Jugendliche und junge Erwachsene aufmerksam zu machen. Die Caritas-Außenstelle in Bad Saulgau sucht dazu weiterhin Jugendliche, die sich hier engagieren möchten.

Das Beratungsangebot nennt sich U25 und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in suizidalen Lebenskrisen befinden. Die Hilfesuchenden werden dabei ganz unbürokratisch, kostenlos und absolut anonym per Mail unterstützt und begleitet. Und zwar – das ist das Besondere – von Jugendlichen und jungen Erwachsenen,von Menschen also, die in etwa gleich alt sind wie die jungen Männer und Frauen, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden und Unterstützung brauchen. In Biberach gibt es dieses Hilfeangebot bereits seit vier Jahren. In Bad Saulgau ging das Projekt vor vier Monaten an den Start. In Biberach wurden seither rund 40 Jugendliche zu ehrenamtlichen Peerberatern und Peerberaterinnen ausgebildet (Peers = Gleichaltrige d.Red.). In Bad Saulgau wird diese Schulung ab Herbst angeboten.

„Es gibt noch viele freie Plätze“, sagt Projektleiterin Daniela Fiedler und freut sich auf möglichst viele Teilnehmer/innen. Angesprochen werden Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren, die anderen helfen und sie in dieser schwierigen Lebensphase ein Stück weit begleiten wollen. Neben einer anfänglichen Schulung werden die Peerberater von der Projektleiterin intensiv begleitet.

Supervision ist Pflicht

Auch Supervisionstreffen gehören dazu. Eine Teilnahme ist Pflicht. „Es geht darum, zuzuhören, den Hilfesuchenden zu bestärken, den einen oder anderen Tipp zu geben oder auch mal weiterzuvermitteln“, so Daniela Fiedler, die weiß, dass das Jugendalter aus vielerlei Gründen eine Zeit der Krise ist. Die Ablösung von den Eltern, Schulstress, neue Beziehungen und neue Weichenstellungen stehen an, oft in Verbindung mit vielen Zweifeln und Ängsten. Ein Grund für die Initiierung dieses Projekts ist auch, dass Jugendliche öffentlichen Beratungsstellen gegenüber meist eine große Hemmschwelle verspüren oder sich mit ihren Anliegen ungern an Erwachsene wenden. „Die Jugendlichen sollen dort abgeholt werden, wo sie sich bewegen, nämlich im Netz“, so die Sozialarbeiterin. Und in diesem Fall von etwa Gleichaltrigen, die verständlicherweise einen ganz anderen Zugang zu den Problemlagen haben – und unter Umständen Leben retten können.

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