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 Stefanie Zerfaß, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Bad Saulgau, freut sich auf die 30. ökumenische Bibelwoche in Bad
Stefanie Zerfaß, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Bad Saulgau, freut sich auf die 30. ökumenische Bibelwoche in Bad Saulgau. Mit drei weiteren Referenten gehört sich zum Team der Bibelwoche. (Foto: Rudi Multer)
stellv. Redaktionsleiter

Zum 30. Mal veranstalten die evangelische und die katholische Kirchengemeinde ab Montag, 18. März, gemeinsam die ökumenische Bibelwoche. In diesem Jahr stehen an vier Abenden die Briefe von Paulus an die Philipper im Mittelpunkt. Pfarrerin Stefanie Zerfaß sieht in den sehr persönlich formulierten Texten des Apostels viele Ansätze, um sich aus heutiger Sicht mit ihnen auseinanderzusetzen.

Ihr persönlicher Charakter macht die Briefe interessant. „Paulus lässt sich hier ins Herz blicken“, sagt Stefanie Zerfaß, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde. Mit ganzer Leidenschaft brenne er für den Glauben. Es gehe um Freude und Leid, Geben und Nehmen, Bedrängnis und Gemeinschaft oder das Leben auf der Erde und die himmlische Heimat.

Paulus habe sich mit wichtigen Fragen beschäftigt. „Was ist mir so wichtig, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen?“, sei eine davon. Eine andere, ganz allgemein, „Was trägt mein Leben?“

Dabei sei die Bibelwoche keine weitere Form der Lebensberatung, macht die Pfarrerin deutlich: „Wir Christen glauben, dass alles Leben von Gott ausgeht.“ Es sei wie bei einem Ingenieur, der über die Funktionsweise eines Flugzeugs besser Bescheid wisse als irgendjemand sonst. Entsprechend fänden Christen, das, was sie für ihr Leben suchten, eben in Gottes Wort, der Bibel.

Die Pfarrerin wird in ihrem Part über Werte sprechen. Deutlich sieht sie den Bezug zu Heute. „Ich finde, dass die Gesllschaft unter einem Werteverlust leidet. Alles ist so beliebig“, sagt die Pfarrerin. Eine starke Ich-Bezogenheit nimmt sie wahr, der einzelne könne und dürfe machen, was er wolle. „Es fehlt der Referenzpunkt in Gott und in anderen Menschen“, so die Theologin. Das aber sei hilfreich fürs Miteinander. In einer verabsolutierten Spaßgesellschaft aber entferne man sich von Gott und von den Menschen. Das Gegenmodell dazu finde der Mensch bei Paulus.

Kanzeltausch als Abschluss

An vier Abenden, zweimal am Montag und zweimal am Mittwoch, werden je zwei Referenten der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde zusammen mit den Teilnehmern den Bezug der Texte zum eigenen Leben erarbeiten. Ihren Abschluss wird die Bibelwoche im Kanzeltausch am 7. April finden. An diesem Sonntag werden die Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde in der jeweils anderen Kirche predigen. Die Bibelwoche hat in Saulgau ihren Ursprung in der evangelischen Kirchengemeinde. In Zusammenarbeit mit dem Missionswerk Ulm setzten sich Mitglieder der Gemeinde erstmals im Jahr 1985 gemeinsam mit Texten aus der Bibel auseinander. Treibende Kraft innerhalb der evangelischen Kirche waren die Pietisten. Nachdem das Zweite Vatikanische Konzil der katholischen Kirche die Möglichkeit eröffnet hatte, wurde auch in Bad Saulgau die Bibelwoche zur „Ökumenischen Bibelwoche“. Peter Schmogro, heute Pfarrer in Biberach, damals in Saulgau, setzte sich für das ökumentische Projekt ein.

Auch wenn die Trennung von Protestanten und Katholiken in den gesellschaftlichen Bereichen damals längst der Vergangenheit angehörte, war die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Bibel vor 30 Jahren etwas Besonderes. „Dass sich Katholiken und Protestanten an einen Tisch setzen, gemeinsam die Bibel lesen und sich über Fragen ihres christlichen Glaubens unterhalten, ist auch heute noch ein besonderer Anlass“, schrieb Schmogro damals im Gemeindebrief. Inzwischen können die Veranstalter auf 29 ökumenische Bibelwochen zurückblicken, die jedes Jahr ohne Unterbrechung stattfanden.

Beziehung zu Gott auffrischen

Pfarrerin Zerfaß hofft für die 30. Auflage auf viele Interessierte, die sich mit der Bibel und der Bedeutung der Texte für das eigene Leben auseinandersetzen möchten. Jeder Getaufte, so die Pfarrerin, sei ein Bündnis mit Gott eingegangen. Der Mensch müsse nach dem Willen Gottes fragen. „Beide müssen mitmachen, Gott und wir“, so Zerfaß. Eine gute Gelegenheit, die Beziehung aufzufrischen, sieht sie in der Bibelwoche.

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