In der Narrenmesse wird der Missbrauch nicht ausgespart

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Hästräger tragen die Fürbitten vor.
Hästräger tragen die Fürbitten vor. (Foto: Rudi Multer)
stellv. Redaktionsleiter

Einen äußerst fröhlichen und bunten Gottesdienst hat Dekan Peter Müller zusammen mit den Hästrägern der Dorauszunft und den Gottesdienstbesuchern am Fasnetssonntag in der St.-Johannes-Kirche gefeiert. Für die Musik sorgten neben Organist Matthias Burth die Dorausmusik und der Berittene Fanfarenzug Bad Saulgau.

Das „manchmal lecke Kirchenschiff“, wie Dekan Peter Müller es bezeichnete, hat sich am Sonntagvormittag mit einer fröhlichen Schar von Narren und teilweise närrisch kostümierten Gottesdienstbesuchern so gut gefüllt wie wohl selten. „Die Fasnet gehört zur Kirche“ rief Dekan Peter Müller den versammelten Narren zu. Die Fröhlichkeit und Freude vor der kommenden Fastenzeit habe in der katholischen Kirche ihren festen Platz. In Reimform predigte er über die Bibelstelle mit dem Gleichnis über den Mann, der den Splitter im Auge des Bruders zwar sieht, aber nicht den Balken im eigenen Auge. Mit dem gemeinsam und schwungvoll gesungenen „Halleluja“ und dem Lied „Ja, wenn wir alle Engel wär’n, dann wär die Welt noch mal so schön“ unterbrach er seine Predigt an einigen Stellen. Der Dekan wetterte gegen Schadenfreude und lobte den Narr, „weil der sich selbst mal auf den Arm nehmen kann“. Griesgrämig brauche der Christ nicht zu sein. Habe jemand etwas angestellt, komme es Gott auf Umkehr und auf Reue an. Dabei klammerte er in seiner Predigt die Verfehlungen in den Reihen der Kirche nicht aus. „Was ist morsch am Kirchenbaum“, dichtete er und meinte, dass die Kirche bei der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs etwas „verpennt“ habe. „Aufarbeitung geht nicht ohne Schmerzen“, so der Dekan. Jetzt sei Umkehr angesagt. Hästräger trugen Fürbitten vor, in denen dieses Thema ebenfalls nicht ausgespart wurde. Mit der Bekanntmachung des Dorausschreiens durch die Büttelgruppe und einem Schunkellied in der Kirche ging der Gottesdienst so fröhlich zu Ende, wie er begonnen hatte.

Am Ausgang gab es noch Fasnetküchle, vom Dekan spendiert und von Zunftmitgliedern ausgeteilt.

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