I-Tüpfele öffnet im Kloster Sießen

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Schwester Ingrid freut sich die Eröffnung des Klosterladens. Sie versorgt die Besucher des Klosters nicht nur mit Karten oder B
Schwester Ingrid freut sich die Eröffnung des Klosterladens. Sie versorgt die Besucher des Klosters nicht nur mit Karten oder Bücher aus der Klosterbibliothek. Sie ist auch Anlaufstelle für Fragen rund ums Kloster. (Foto: Rudi Multer)
tVon Rudi Multer

Das Kloster Sießen öffnet sich weiter für Besucher: Am Sonntag wird der Klosterladen in unmittelbarer Nachbarschaft des im vergangenen Jahr geöffneten Klostercafés eröffnet. Ebenso wird das medizinische Angebot ausgeweitet. Schwester Marie-José Windholz eröffnet am gleichen Tag eine Naturheilpraxis im Kloster. Eine Zahnärztin und eine Praxis für Physiotherapie gibt es bereits.

Beim Einrichten des neuen Klosterladens bekam Schwester Ingrid Herkommen einen Vorgeschmack auf ihre künftige Arbeit. „Darf ich Sie etwas fragen, Schwester“, sei sie von Besuchern des Klosters angesprochen worden. Und genau so kann es aus der Sicht der Sießener Franziskanerin weitergehen. Denn Schwester Ingrid wird den Klosterladen ab kommender Woche betreuen. „Ich freue mich auf viele Begegnungen“, sagt die 81-Jährige. Der Umgang mit Menschen ist die Franziskanerin nämlich gewohnt. Bis vor zweieinhalb Monaten arbeitete sie in einem offenen Haus in Berlin. Mit ganz unterschiedlichen Menschen, darunter Alkoholkranke und Wohnsitzlose, sei man dort ins Gespräch gekommen. Deshalb freut sie sich auch nach ihrer Rückkehr ins Mutterhaus in Sießen auf möglichst viele solcher Gespräche mit Menschen. „Mit 81 kann ich jetzt noch etwas Neues anfangen, aber es darf auch ein bisschen ruhiger sein“, sagt die Schwester und lacht.

Schwester Marie-José Windholz ist ebenfalls ins Mutterhaus nach Sießen zurückgekehrt. Sie arbeitete sieben Jahre einem Hospiz in kirchlicher Trägerschaft in Freiburg als Krankenschwester. Dann ergriff sie die Initiative und schlug der Klosterleitung vor, dass sie sich zur Heilpraktikerin weiterbilden lassen könnte. „Die Idee stieß auf offene Ohren“, sagt die Heilpraktikerin. „Die ganzheitliche Sicht auf den Menschen hat etwas vom Franziskanischen“, so Schwester Marie-José. Auch die religiös orientierte Heilkunde nach Hildegard von Bingen gehört neben anderen Therapiemöglichkeiten zum Angebot. Gespräche haben für Schwester Marie-José eine besondere Bedeutung: „Ich nehme mir Zeit zum Zuhören“.

Gebrauchtes Mobiliar

Zurück zu Schwester Ingrid. Möbel und Regale für die Ausstattung des Ladens stammen aus dem Kloster. „Nur der Kartenständer ist neu“, erklärt Schwester Karin Berger, die Generalvikarin der Franziskanerinnen von Sießen. Auch beim Angebot unterscheidet sich der Laden von Angehoten für Besucher anderswo. „I-Tüpfele“ ist sein Name. Er beschreibt zwei Besonderheiten: Der Laden ist ein kleines „Lädele“ und gleichzeitig Informations- und Anlaufstelle für Klosterbesucher. Wer nach einem breiten Angebot an religiöser Literatur oder selbstgemachten Produkten schaut, sucht hier vergebens. Stattdessen werden hier Karten verkauft, die von Künstlerinnen und Fotografinnen unter den Schwestern gestaltet wurden. Es gibt Schreinerarbeiten aus der klostereigenen Klosterwerkstatt oder Arbeiten, die in den Sießener Niederlassungen in Brasilien oder Südafrika hergestellt wurden. Es gibt noch etwas Besonderes: Zweitexemplare aus der Klosterbibliothek, Schallplatten und Musiknoten aus der Zeit, als es im Kloster noch eine Schule gab, werden hier angeboten. Wer einen Schatz für sich entdeckt, muss keinen festen Preis bezahlen. Er gibt, was er für angemessen hält. Vorerst ist der Klosterladen von Dienstag bis Samstag, von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Beim Besuch von Gruppen wird der Laden zeitweise auch sonntags geöffnet.

Charakter der Anlage soll bleiben

Das I-Tüfpele ist eine weiteres Angebot des Kloster im Torhaus. „Ich finde es schön, dass sich hier so viele Tore öffenen“, sagt Generalvikarin Schwester Karin Berger. Café, I-Tüfpele und Naturheilkunde-Praxis sind Teil umfassender Überlegungen über die Zukunft der Klosteranlage. „Es geht um die Frage, wie gehen wir künftig mit unserer Anlage und unseren Räumen um“, so die Generalvikarin. Grundlegend soll sich der Charakter der Anlage aber nicht ändern. Schwester Karin: „Die Klosteranlage ist und bleibt in erster Linie Heimat und Lebensrum vieler Schwestern und Zentrum der Kongration mit 350 Schwestern“. Daran sollen auch I-Tüpfele, Hummelmuseum, Klostercafé und ein erweiterter medzinischer Bereich nichts ändern.

Die Termine und das Programm am Sonntag: 14 Uhr Eröffnung der Naturheilpraxis mit anschließender Möglichkeit, die Praxisräume anzuschauen. 15 Uhr Eröffnung des Klosterladens. Aus Anlass des 80. Geburtstag von Schwester Sigmunda May, Künslterin und Illustratorin zahlricher Religionsbücher, gibt es um 14.30 Uhr eine Führung zu den Werken der Schwester im Kloster. Um 15.30 Uhr wird eine Klosterführung angeboten. Der Laden ist an diesem Tag bis 17 Uhr geöffnet.

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