Hotel Kleber Post setzt Tradition der Lesungen fort

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Schauspielerin Barbara Auer (links) und Christian Maintz kommen auf Einladung von Regine Reisch (Mitte) in das Hotel Kleber Post
Schauspielerin Barbara Auer (links) und Christian Maintz kommen auf Einladung von Regine Reisch (Mitte) in das Hotel Kleber Post. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Unter dem Titel „Vom Knödel wollen wir singen“ haben die Schauspielerin Barbara Auer und der Autor, Literatur- und Medienwissenschaftler Christian Maintz im Hotel Kleber Post eine unterhaltsame Lesung gehalten. Die Matinee am späten Vormittag sorgte mit witzigen Texten im Stile von Christian Morgenstern, Wilhelm Busch oder Eugen Roth für fröhliche Gesichter der Besucher.

In ihrem Willkommensgruß erinnerte die Geschäftsführerin des Hotels, Regine Reisch, daran, dass deutsche Literaten in der Vergangenheit verschiedentlich in der Kleber Post getagt hatten. Diese Tradition wolle man fortsetzen in Form literarischer Lesungen wie der aktuellen mit der Schauspielerin und ersten Trägerin des Hannelore-Elsner-Preises, Barbara Auer, sowie dem sprachmächtigen Autor Christian Maintz.

Kerzenschein im Barocksaal

Stil war angesagt in dem von Kerzenschein erhellten Barocksaal des Hauses. Selbst der Tisch, an dem Frank und Sabine Eisele aus der Schwaaz Vere Buchhandlung Gedichtsammlungen, zusammengestellt von Christian Maintz, anboten, war mit einer goldschimmernden Decke verziert. Als Regine Reisch mit einem flotten „jetzt lassen wir Sie aber singen“ zur Lesung überleitete und dabei auf deren Titel „Vom Knödel wollen wir singen“ Bezug nahm, wehrte Barbara Auer entsetzt ab: „Nein, Gott sei Dank singen wir nicht.“ Man lese lediglich von Kulinarischem. Und das taten beide Künstler denn auch.

Während Barbara Auer die Rolle der Interpretin übernahm und, gelegentlich im Wechsel mit Christian Maintz, rezitierte, erläuterte Letzterer überwiegend Form und den Inhalt der Texte. So erfuhr man, dass die ausgewählten Gedichte zur Alltagspoesie zählten. Denn in der klassischen Poetik gehe es um hehre Themen wie das Göttliche, die Kunst oder die Liebe, doch keinesfalls um Triviales wie Essen und Trinken. Dass jedoch auch arrivierte Schriftsteller Gedichte bezüglich der Kulinarik verfassten, belegte Maintz mit Theodor Fontanes „Lebergedicht“. Dabei handelt es sich um einen Vierzeiler, wie er als Wortspiel bei mancherlei Tafelrunden beliebt war. Laut dem Reglement hatte die erste Zeile stets mit den Worten: „Die Leber stammt von einem Hecht“ zu beginnen.

Zeile zwei musste eine Verneinung enthalten: „und nicht von einem/ einer…. . Hier sollte der Name eines anderen Tieres eingesetzt, die folgenden beiden Zeilen logisch fortgeführt und mit einem Endreim versehen werden. Fontane ließ sich dazu folgendes einfallen: „Die Leber stammt von einem Hecht und nicht von einer Schleie. Der Fisch will trinken, gebt ihm was, dass er vor Durst nicht schreie.“

Heiterkeit dank Kurzgedichten

Für viel Heiterkeit sorgten weitere Beispiele literarischer Kleinformen, etwa Bert Brechts „Liedchen aus alter Zeit“, versehen mit dem eingeklammerten Zusatz (nicht mehr zu singen): Eins. Zwei. Drei. Vier. Vater braucht ein Bier. Vier. Drei. Zwei. Eins. Mutter braucht keins.“ Oder das Gebet des Nashorns: „Lieber Gott, du bist der Boss! Amen! Dein Rhinozeros.“

Beim Thema Küche inklusive Kochrezepte wurden die Gedichte länger, und Barbara Auer begeisterte nicht nur als hervorragende Rezitatorin mit weicher Stimme, sondern setzte in Mimik und Gestik auch ihre Ausdruckskraft als Schauspielerin ein. Beispielsweise in Fritz Eckengas „Der Wein war ein Gedicht“, in dem der Koch nach jedem Arbeitsschritt den Rot– gegen den Weißwein ausspielt, ziemlich schnell beduselt ist und das Essen verbrennen lässt. Ebenso lebendig gestaltete sie Wiglaf Drostes Loblied auf die Hühnersuppe, und – ganz blutrünstig – Friedrich Holländers Ballade über die Entstehung des Boeuff-Stroganoff. Nach fast zwei Stunden gab es ordentlich Beifall für die höchst amüsante Lektion in Alltagspoesie.

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