Großes Abenteuer Universum im kleinen Kochtopf

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Die Erde als Kugel aus Styropor, die Sonnenflecken als köchelnde rote Flüssigkeit aus Wasser und Stärke in einem Kochtopf: die beiden Lehrerinnen Heidrun Boll von der Berta-Hummel-Schule in Bad Saulgau und Christa Müller von der Göge-Schule in Hohentengen haben sich im Schülerforschungszentrum Bad Saulgau viele gute Ideen ausgedacht, damit Grundschüler möglichst viel über unser Sonnensystem lernen. Aus den Ideen entstand ein Unterrichtskonzept „Astronomie in der Grundschule“. Vom 25. bis 28. April präsentieren die beiden Lehrerinnen dieses Projekt beim großen europäischen Bildungsfestival Sciene on Stage (Wissenschaft auf der Bühne) im polnischen Slubice und in Frankfurt (Oder).

Auch Lehrerinnen können sich verrechnen. Erde und Jupiter, den größten Planeten unseres Sonnensystems, wollten Heidrun Boll und Christa Müller im Größenvergleich darstellen. Kugeln aus Styropor stellten der Masse der Erde dar. Große Halbkugeln aus Styropor sollten das Volumen Jupiters darstellen. Genau 1330 kleine „Erden“ sollten in den beiden Halbkugeln Platz finden. Tatsächlich blieben Kugeln aus Styropor übrig. Des Rätsels Lösung: Die beiden Lehrerinnen hatten sich am Außendurchmesser der Halbkugeln orientiert. Schnell mussten neue Halbschalen mit einem größeren Innendurchmesser her. Das unmögliche Möbelhaus aus Schweden lieferte Schüsseln als Halbschalen, genau in der passenden Größe. Denn: Nicht nur einfach und interessant müssen die Experimente sein, sondern auch exakt. 1330 Erden für den Jupiter, keine mehr und keine weniger.

998 Würfel für die Sonne, zwei für die acht Planeten im Sonnensystem: Anhand von Würfeln können Kinder die Masseverhältnisse der Sonne zu den anderen Planeten nachvollziehen. Mit Glanzkies schütten Kinder ein Minimodell des 24 Kilometer hohen Olympus Mons auf dem Mars auf, die höchsten Erhebung unseres Sonnensystems. Erhitztes rotes Wasser und Stärke in einem Kochtopf machen die Entstehung von Sonnenflecken auf der Sonne verständlich.

Heidrun Boll und Christa Müller haben ihr Projekt im Schülerforschungszentrum entwickelt, haben interessantes und wichtiges Wissen über das Universum für Kinder zusammengetragen und es für den Unterricht aufbereitet. „Wir wollen Fakten über das Universum für Kinder begreifbar machen“, erklärt Heidrun Boll. Mit ihrem Projekt „Astronomie in der Grundschule“ qualifizierten sich die beiden Lehrerinnen unter mehreren Hundert Bewerbungen in Deutschland für das europäische Bildungsfestival.

350 Lehrer aus 25 europäischen Ländern und aus Kanada treffen sich dort zum Austausch über einen innovativen naturwissenschaftlichen Unterricht. Die beiden Grundschullehrerinnen sind Teil der deutschen Delegation, die mit 26 Projekten und 69 Lehrkräften vertreten ist. Die Generalprobe für eine Präsentation in großen Rahmen haben die beiden Lehrerinnen schon hinter sich. Auf deutscher Ebene präsentierten sie ihr Unterrichtskonzept in Berlin (die SZ berichtete).

Bei der Präsentation auf europäischer Ebene werden sie in englischer Sprache Rede und Antwort stehen. Auch darauf bereiten sie sich vor „Mit Frau Kollmer (in Wolfartsweiler wohnhafte US-Amerikanerin und Englisch-Dozentin) sind wird dabei, unsere Präsentation und die Fachbegriffe auf Englisch zu üben“, sagt Heidrun Boll.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen