Gottesdienst zum Gedenken an verstorbene Kinder

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Für jedes Kind wird nach der Namensnennung eine Kerze in der Kirche entzündet
Für jedes Kind wird nach der Namensnennung eine Kerze in der Kirche entzündet (Foto: Privat:)
Schwäbische Zeitung

Einen feierlich-berührenden Rahmen hat der Gottesdienst in Gedenken an verstorbene Kinder in der St. Antoniuskirche gleich zu Beginn bekommen. Die klaren und hoffnungsfrohen Stimmen des Vocallisimo-Ensembles unter Leitung von Waltraud Marschall erfüllten den Kirchenraum und fingen die spürbare Traurigkeit und Schwere auf wohltuende Weise auf. Ebenso das Orgelspiel von Monika Heinen-Wolf und Matthias Burth.

Niemand war in dieser Stunde alleine mit seiner Trauer. „Wir denken an unsere Kinder, die uns schon vor uns verlassen mussten“, sagte Walter Köhler, der seine Tochter Stefanie vor 15 Jahren verloren hat. Ein solcher Verlust bedeute die tiefste Verletzung, die das menschliche Herz hinnehmen muss. Er erinnerte an die Rückschläge, wenn die Trauer wieder überhand nimmt, das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen. Und sich dann wieder ein Licht in der Dunkelheit zeigt. Wie die Sterne, die sich am Nachthimmel zeigen. Und die Trost spenden. Genauso wie ein Freund, der einen berührt, oder ein Gespräch, das Zuversicht gibt.

Die Frage nach dem „Warum“ haben sowohl Walter Köhler als auch Schwester Marie-Pasquale Reuver in den Raum gestellt. Warum hatten wir nicht mehr Zeit füreinander? Warum war dieses Leben viel zu früh zu Ende? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Auch keine Erklärung. „Was wir aber haben, sind Zusagen aus dem Glauben oder auch Bilder, die uns helfen, einen Umgang mit dem Verlust zu finden“, sagte die Franziskanerin und meinte damit das Bild von Sieger Köder auf dem Liedblatt. Darauf ist eine prachtvolle rote Rose zu sehen. Verbunden mit Stacheldraht. „Da dürfte eigentlich nicht mehr viel Rot da sein, weil sie gar nicht mehr genährt wird, ist doch der Stengel gekappt“, fuhr sie fort und benannte den Stacheldraht als ein Symbol des Schmerzes. Doch bei allem Verlust bleibe die Liebe, die schönen Erlebnisse mit dem Kind, das Lächeln, die vielen kleinen und großen Momente, an die man sich erinnert. „Und die immer blühend bleiben und nie vergessen werden“, so Schwester Marie-Pasquale Reuver, „der Tod vermag die Liebe niemals zu löschen“. Nein, es gebe keinen einfachen Trost, nichts, was es „einfach wieder gut macht“. „Was wäre das für eine Liebe, wenn mir das Kind gar nicht fehlen würde?“. Dieser Schmerz halte auch die Liebe wach. „Sie alle dürfen darauf vertrauen, dass ihre Kinder weiter blühen und strahlen, dass sie es gut haben, sie in der Ewigkeit leben“, tröstete die Franziskanerin die Anwesenden. Die Kinder seien geborgen in Gottes Liebe, von ihm gesehen und beschützt.

Neben gemeinsamen Gebeten, Fürbitten und musikalischen Einlagen gab es auch Momente der Stille, bevor für jedes Kind nach der Namensnennung ein Licht entzündet wurde. „Vielleicht fühlt sich der eine oder andere nicht mehr so einsam und verlassen, wenn eine Kerze brennt“, sagte Walter Köhler, „vielleicht fühlen wir uns jetzt gerade unseren Kinder ganz nahe“. Wer trauert, verkrieche sich oft ins Dunkel. Doch das gehöre dazu. „Wir müssen uns dem Verlust unserer Lieben zunächst stellen und uns in die Dunkelheit begeben“. Und irgendwann, so Walter Köhler, könne man das Licht wieder sehen. Am Anfang vielleicht nur ganz kurz. „Aber es wächst von Tag zu Tag“. Seinen Abschluss fand der berührende Gottesdienst in dem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.

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